Für mich wird es durchaus immer schwieriger noch irgendwelche neue Gadgets zu kaufen, weil ich mir schlicht und einfach sehr viele schon gekauft habe. Als passionierter e-Book Leser bin ich vor ca. 2 Jahren auf ein Gerät aufmerksam geworden. Ein e-Reader mit einem sehr tollen e-ink Bildschirm auf welchem man schreiben kann wie auf Papier. War ein Crowdfunding Projekt, der Rabatt für die Finanzierenden war gut (50%), der Verkaufspreis mit weit über 700 Dollars aber doch enorm.

reMarkable Web-Seite

Blind wollte ich das Ding auf jeden Fall damals nicht kaufen, dafür war es schlicht zu teuer und irgendwie war mir auch der Nutzen nicht ganz klar. Die welche damals gezahlt haben mussten sich auch relativ lange gedulden. Dann aber kamen die Geräte auf den Markt und die Wertungen online waren zumindest durchzogen, eher ins Negative tendierend.

Allerdings konnte man die Kommentare auf zwei Arten lesen. Wenn nun ein Geräte welches meinen Notizblock ersetzen soll keinen Web-Browser integriert hat, ist das dann ein Problem? Vielleicht, mit dem Internet verbundene Geräte hätten im Gegensatz zum Papierblock immerhin die theoretische Möglichkeit an Bord. Ich fand das Argument sehr schwach. Ebenfalls total unwichtig aus meiner Sicht die Tatsache dass alles in schwarz/weiss abläuft. Ich habe meist auch nur schwarze Tintenroller dabei. Den Leuchtmarker kann das Gerät simulieren.

Und ganz am Ende der wichtigen Erkenntnisse aber ganz oben was die Reklamationen anbelangt, keine Hintergrundbeleuchtung, was soll man mit dem Gerät nur tun wenn das Umfeld dunkel ist…….was man beim Papier auch machen musst, es gibt dieselben drei Varianten (nichts schreiben, hässliche Zeichen kritzeln oder halt, vielleicht die naheliegendste aller Varianten, man macht das Licht an….).

Ich habe kein Büro, weder zu Hause noch auf der Arbeit. Aus diesem Grund muss ich eigentlich immer alles was ich zum Arbeiten brauche mit mir mit schleppen. Im Auto ok, aber manchmal muss man das ja doch auch irgendwo hin tragen können. Gewicht spielt also eine Rolle! Keine 400 Gramm für unendlich (ist nicht unendlich, aber viele hundert) viele Seiten Schreibpapier ist doch schon mal ein Wort. Auf jeden Fall ein SEHR positiver Punkt für mich.

Nun, das Aktionsangebot kam und hat über meinen Verstand obsiegt! Weil gerade noch schön Geburtstag vor der Tür stand waren eingentlich fast keine Budgetbewilligungen notwendig. Kurz, das Ding habe ich mir bestellt (ist eine Firma aus Norwegen) und es wurde auch innert weniger Tage geliefert (direkt aus Shenzen……schön so global…).

Auspacken und – ja, auf den ersten Blick ein bisschen Ernüchterung. Das Design ist sagen wir mal sehr einfach gehalten, die Haptik an den meisten Stellen ganz gut, aber blanke quadratische Plastiktaster sind echt nicht der Hammer für das Geld. Aber man ist im Norden ja bekannt für gutes Design, deshalb ist hier wohl das Auge des Betrachters (also meines) Schuld an der nicht ganz überzeugenden Darbietung.

Einschalten, geht. Ist man heute von elektronischen Geräten irgendwie gewohnt, also auch hier nichts was speziell erwähnenswert wäre.  Dann sieht man erstmals den Bildschirm und merkt, ja, top Schärfe, sehr gut lesbar. Die nächste vielleicht nicht optimale Geschichte, der zwingend nötwendige Stift ist aus Plastik, das Gewicht hilft wahrscheinlich damit der Bildschirm auch längere Zeit durchhalten kann, und kann nur wenn man mit Aufpreis eine Hülle bestellt vernünftig versorgt werden. Hier kann man jetzt auch sagen „ist nicht anders als beim Papier“, aber beim Papier bin ich sehr flexibel was das Schreibgerät angeht, hier brauche ich halt diesen Stift.

Erster Schreibversuch – abgebrochen! Ist jetzt etwas kaputt? Aber nein, einfach mal warten bis der Softwareupdate durchgelaufen ist. Auch hier wieder etwas an das wir uns längst gewöhnt haben, Geräte aus der Schachtel nehmen, einschalten, mit dem Internet verbinden und dann erst mal warten. Der Standard überhaupt.

Nach dem Update gings aber los und jetzt wurde es so richtig gut. Der Bildschirm ist tatsächlich sehr gut in der Bildqualität (kommt nahe an meinen e-Book Reader ran) und nahezu perfekt was das Schreibgefühl angeht! Natürlich habe ich vorher gerne mit schweren Schreibern handschriftliche Notizen gemacht, jetzt muss ich diesen kleinen sehr leichten Stift verwenden. Aber ich kann immer mit demselben arbeiten, egal wie ich schreiben will (dünn, dick, Bleistift, Kugelschreiber, Roller, Marker, alles geht).

Dass es keine Texterkennung gibt kann ich aktuell gut verschmerzen, ich gehe davon aus dass diese gegen meine Schrift auch nicht wirklich gute Chancen hätte. Dass man sich Notizen zusenden kann ist nett, da kann die Software aber gerne noch einen Update erfahren damit weitere Dienste bedient werden können. Wäre ja cool wenn man das alles direkt in ein OneNote oder so senden könnte…..da bin ich aber guter Dinge dass genau in dem Punkte noch Erweiterungen kommen werden.

Fazit: Ich bin richtig begeistert, ich spare mir kiloweise Papier und suche nichts mehr (wo habe ich das schon wieder notiert, eher in den ersten 30 Seiten oder dahinter..) weil doch deutlich mehr Struktur möglich und einfach machbar ist. Dass das alles noch nicht absolut perfekt integriert ist in andere Notizendienste dürfte eine Frage der Zeit sein. Ich würde das Teil nicht mehr hergeben – höchstens gegen eines dem man die Qualität auch von aussen ansieht. Und ja, es ist teuer das Teil….

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