Ein Spaziergang an einem Sommerabend ist eine tolle Sache. Ich habe mir das letzte Woche mal wieder etwas ausgedehnter „gegönnt“ (zweieinhalb Stunden) und die Erfahrungen sind einfach jedes Mal fantastisch – diesmal war noch Sommerferienzeit was einige Dinge noch schärfer heraus arbeiten konnte.

Von zu Hause muss ich durch einige doch typische Vorort Quartiere. Diese sind sehr oft nach 22 Uhr recht gespenstisch. Ich frage mich immer mal wieder; Wohnt hier überhaupt jemand? Man müsste Licht sehen. Jetzt im Sommer müsste man wegen offener Fenster Stimmen hören oder Fernseher laufen sehen. Aber manchmal geht es „unendlich“ lang einfach dunklen Häuserreihen entlang. Tatsächlich ein etwas komisches Gefühl manchmal.

Nach etwa einer Stunde geht es dann endlich von den letzten Häusern weg, man hört noch das eine oder andere Fest das am Laufen ist (ganz erstaunlich wie weit man Stimmen und Gelächter in der Nacht über freies Land hören kann) und irgendwann wird es ruhig.

Zusammen mit dem aufkommenden Bodennebel führt das dazu, dass man eigentlich nur noch seine eigenen Schritte hört – diese dröhnen allerdings fast schon in den Ohren. Dann kommt das Waldstück, diese schwarze Höhle von Bäumen welche am Tag überhaupt nicht auffällt oder wenn dann als positiver Schattenspender. Man läuft rein und sieht direkt rein gar nichts mehr weil auch der Rest Mondlicht im Blätterwerk hängen bleibt. Irgendwie gruslig schön so was. Die überall aufsteigenden Nebel tun ihre Sache dazu J.

Neben den eigenen Geräuschen gibt es auch noch gaanz viele andere Geräusch, Blätter welche scheppernd von den Bäumen fallen, Käfer welche in vertrocknetem Laub einen riesen Lärm veranstalten, in dem noch besser sind Vögel oder nachts halt auch viele kleine Nager. Auf jeden Fall eine äusserst angenehme Kakophonie von natürlichen Geräuschen. Sehr cool.

Der Weg zurück fühlt sich dann auch deutlich anders an. Geradezu schreiend empfindet man Menschen welche sich auch nach 23 Uhr noch erdreisten im Garten zu reden. Alle Lichter die man sieht blenden schon fast, kaum vorstellbar wie sich Personen in diesem gleissenden Licht wohlfühlen können. Beim Hinweg war an dieser Stelle noch recht ruhig und schon ziemlich dunkel – die Wahrnehmung verschiebt sich enorm in wenigen Minuten.

Dann, irgendwann (..wann ist nicht klar, aber es ist auf jeden Fall nicht zu vermeiden) trifft einen dieser gefühlte 5000 Watt Vorplatzbeleuchter welcher nicht nur den Vorplatz beleuchtet sondern auch noch die zwei nächsten, angrenzenden Quartiere. Interessant daran ist nur der stechende Blitz welcher einen direkt ins Auge einschlägt und für die nächsten paar Minuten eine Blindheit hinterlässt. Genauer genommen einen grossen blauen Fleck in der Mitte des Sichtfeldes und viel dunkelgrau ringsum. Am besten man hält kurz an nachdem man von einer solchen Ar…lo..lampe getroffen wurde!

Der dazugehörige Bewegungsmelder ist natürlich so eingestellt, dass das Ding auch los geht wenn man auf der anderen Strassenseite vorbei geht. Aber klar, diese Strahler sollen ja auch nicht einfach so beleuchten sondern zusätzlich ungebetene Gäste vertreiben. Da sie aber doch recht gut beleuchten kann ich mir durchaus vorstellen, dass potentielle Einbrecher ganz froh sind um die Beleuchtung, so kann man in der Dämmerung doch wesentlich besser auskundschaften als wenn es ganz dunkel wäre. Also ich verstehe diese Beleuchtungen nicht und die halben Herzattacken die man jeweils dabei erlebt sind nur noch von Hunden zu übertreffen welche aus dem Nichts nachts plötzlich hinter dem Grünzeug zu bellen beginnen….

Fazit: Wer das was ich oben geschildert habe nicht kennt kann ich nur empfehlen, das mal selbst zu versuchen. Sicherlich ist es nicht jederfraus/jedermanns Sache (wieso ist hier jederfrau falsch und jedermann richtig angezeigt auf dem Computer??) allein in der Nacht zu spazieren. Es ist aber die Erfahrung wert und ich selbst finde diese stadtnahen Gegensätze interessanter als einfach irgendwo auf dem Land über Wiesen und durch Wälder zu gehen – dort ist einfach ruhig und basta, stadtnahe Spaziergänge bringen viel mehr „Action“ in diese ruhige Betätigung!