Ein lustiges Phänomen macht sich im Moment breit. Da ich selbst sehr überzeugt von Smartwatches bin könnte man mir natürlich Befangenheit vorwerfen, ich selbst meine eher nicht.

Gerade eben hat Louis Vuitton angekündigt, dass ihre Smartwatch jetzt erhältlich ist. Die nun doch schon vierte Nobelmarke die in diesen Markt einsteigt. Die Idee dahinter, die Smartwatch soll genau gleich aussehen wie die automatische Uhr. Diese Vorgabe hat wohl einigen Ingenieuren durchaus ein paar Nächte geraubt.

Braucht es denn diese Geräte? Ich bin sicher, ja, die braucht es und zwar auch die „edlen“ die von Uhrenherstellern gemacht werden. Erstens ist das für die Marken eine Möglichkeit zu zeigen, dass sie durchaus an die Zukunft denken und zweitens wird der Markt bis 2020 auf gut 40 Milliarden geschätzt, davon könnten doch einige einen Teil abkriegen wollen. Aus Schweizer Sicht muss man vielleicht sogar sagen sie sind für eine ganze Industrie überlebenswichtig wenn auch komplementär zu den heutigen meistverkauften Modellen. Die digitale Revolution wird nicht halt machen und die Uhren werden in Zukunft wichtig werden (meine Meinung) in dem Spiel – wer jetzt schon dabei ist macht sicher noch Fehler oder verkauft Dinge, die schon in zwei Jahre keiner mehr will, aber digital dabei sein heisst auch früh dabei sein…

Für die Uhren der Uhrenhersteller sind aktuell CHF 800.– bis CHF 2500.– (in Grundausstattung) zu berappen. Jetzt werden diese Geräte getestet in einem Testverfahren wie Computer oder andere mobile Geräte. Entscheidend sind also die (in der Software – und nur dort) „verbauten“ Funktionen, die Geschwindigkeit, Speichergrösse und Akkulaufzeit. Letzteres macht ja irgendwie noch Sinn – oder doch nicht? Sehr oft wird dabei geschlossen mit “ die kann auch nicht mehr als die xyz Watch der Marke abc…..

Man nehme nun zehn mechanische Uhren mit Preisen zwischen 1000.– und 10000.–, also einer Spanne von 10 (zur Erinnerung, bei den „Edel“-Smartwatches beträgt diese nur ein bisschen mehr als 3). Was können nun diese Uhren? Sie zeigen alle die Zeit an – gut, andere zeigen vielleicht das Datum an oder die Mondphasen. Alles Dinge die bei Smartwatches „einfach so“ klar sind. Wie unterscheiden sich die Uhren dann? Machart und Design, ich mag die Marke und so weiter. Nie aber auch gar nie wird es eine Funktion geben, die auf den smarten nicht möglich wäre.

Ebenfalls redet keiner über Gangzeitreserve – oder nur wenige. Ob die Uhr nach einem Wellness-Weekend noch läuft? Fragwürdig – und nebenbei, nach dem Aufziehen oder genügendem Schütteln stimmt die Zeit dann nicht automatisch wieder – also auch hier gibt es konzeptionell vergleichbare Mängel (und ein Uhrenbeweger ist teurer und sperriger als ein Ladegerät – welches ich fürs Handy so oder so brauche….).

…und die meisten Funktionen die ich beschrieben habe gibt es auch bei Uhren für noch viel weniger Geld.

Dass also eine Smartwatch nicht auch etwas teurer sein darf ist falsch – natürlich darf sie das. Die Unterscheidungsmerkmale sind genau gleich wie früher. Die „Gleichheit“ ist natürlich grösser, die eigentlichen Funktionen werden von Software zur Verfügung gestellt, ich kann mich bei der Auswahl der Uhr also allein auf Design, Machart und Budgetwunsch konzentrieren.

Zeitlos – ein Argument das ich gelten lassen muss, auch ich hundert Jahren wird eine mechanische Uhr noch eingeschränkte funktionale Möglichkeiten haben – wohin die smarten Uhren noch gehen weiss im Moment keiner. Gut möglich, dass die heutigen Besitzer 2020 nicht mehr dieselbe Uhr besitzen. Nun gut, die Wählscheibe bei Haustelefonen hat auch mal ausgedient, vielleicht nur ein Zeichen von technologischem Fortschritt und nicht unbedingt Nachteil per se, oder?

Fazit: In der klassischen Uhrenwelt werden seit Jahrzehnten dieselben Funktionen in einer riesigen Preisspanne angeboten – was scheinbar für niemanden ein Problem darstellt. Smartwatches sollen dem nicht folgen – obschon sie alle im Bereich Funktionalität bestehenden Uhrenkonzepte weit überflügeln. Ich verstehe das nicht wirklich…..muss ich aber auch nicht mehr, ich habe mich entschieden – und besitze auch weiterhin eine mechanische Uhr. Seit ich eine hochwertige Smartwatch habe, habe ich diese allerdings keine Stunde mehr getragen…..

Werbeanzeigen