Kürzlich sind mir seit längerer Zeit mal wieder Werbetexte aufgefallen. Es gibt ja sehr viele „Sprüche“ aus der Werbung, die sind seit Jahrzehnten vielen Menschen geläufig (mir kommt da als älterer Herr „Sie baden gerade ihre Hände drin“ in den Sinn) wie das auch bei Markennamen vorkommen kann. Einige Dinge definiere ich noch heute über den Markennamen anstatt über den Artikel – wie zum Beispiel ich eigentlich kein Styropor kenne sondern nur Sagex, was aber eben kein Artikel sondern der geschützte Markenname der Firma Sager AG für eben das ist (auf der WEB-Seite wird von PS-Hartschaum geredet….somit habe ich also tatsächlich keine Ahnung was wirklich Sagex ist J).

Nun, wieso sind mir diese Botschaften grad jetzt aufgefallen? Es war zum einen das tolle Wortspiel eines Schweizer Bauchemiekonzerns welcher gross auf seinen Lastwagen geschrieben hatte; „die Klebensart“ – was das genau soll steht in den Sternen. Mir ist natürlich klar, dass es sich einerseits um eine „Kunst“ handeln kann (was die „Art“ im Wort zeigen könnte) wie auch noch offensichtlicher eine Anlehnung an das Wort „Lebensart“. Speziell wäre vor allem in dem Fall, dass „Lebensart“ noch nicht mal zwingend eine positive Bedeutung mit sich bringen müsste. Da wäre die Nähe zur Kunst dann doch eher noch etwas das ein wenig einzigartig macht. Aber Kunst am Kleben auf dem Bau – naja…..

Aber tatsächlich kann ich dem Wortgebilde nur ein Schmunzeln abgewinnen und sonst gar nichts. Allerdings muss man dem Werber zu Gute halten, dass genau dieser Unsinn mich angesprochen hat. „Kleber für den Bau“ oder so wäre mir wahrscheinlich nicht aufgefallen. Ein ähnliches „Problem“ hat eine deutsche Brauerei vor Jahren mal produziert mit „Das König der Biere“ – eine sehr kontroverse Diskussion darüber WAS denn nun genau falsch ist an dem Spruch hat diesen weit über die Biergeniesser hinaus bekannt gemacht. Erstaunlich daran war für mich, dass „Die Königin der Biere“, was in meinen Ohren viel passabler tönt, genauso falsch wäre.

Das zu aus meiner Sicht unsinnigen Wortgebilden in der Werbung. Da schon etwas sensibilisiert habe ich noch folgende Beobachtung gemacht. Eine Versicherungsgesellschaft schreibt auf die Autos „Wir machen Sie sicherer“…..hmmm. Also ich erachte mich selbst so oder so nicht wirklich als unsicher, meine Struktur funktioniert, hält mich schon seit Jahren zusammen. Oder will mich die Versicherung davon abhalten, dass ich Verbrechen begehe und ich auf diese Weise für den Rest der Menschheit sicherer bin? Nun gut, wahrscheinlich wollen die damit sagen, dass sie mein Leben sicherer machen und nicht mich selbst….wobei…

Auch dann geht die ganze Geschichte ja nicht auf. Die Versicherung kann nur die Folgen von Dingen für mich weniger einschneidend machen – sicherer an sich wird dadurch nur, dass ich zum Beispiel finanzielle Schäden nicht selbst tragen muss. In keiner Weise wird etwas anderes sicherer. Wenn ich mein Fahrrad gegen Diebstahl versichere ist es nicht sicherer, es kann genauso gestohlen werden. Auch die Hausratsversicherung schützt mich nicht vor Einbruch sondern ersetzt mir den dabei entstandenen Schaden.

Aber auch hier hat die Werbung natürlich genau das erreicht, was gewollt war. Der Satz hat eines meiner Grundbedürfnisse, die Sicherheit, angesprochen und verspricht mir, mich da zu verbessern. In sehr begrenztem Rahmen mag da sogar etwas dran sein, meine finanzielle Sicherheit zum Beispiel wird erhöht, das macht mich aber auch nicht sicherer. Allein durch die Tatsache, dass die Aussage nicht komplett absurd ist macht sie wertvoll und bleibt in meinem Kopf hängen.

Fazit: Werbung versucht mittels Aussagen mich abzuholen, die eigentlich mit der Sache nicht zu tun haben oder auch mit auffälligen Kunstwörtern die frei erfunden sind. Ich verstehe den Ansatz, dass eine Versicherungsgesellschaft mir Versicherungen anbieten kann tönt selbstverständlich austauschbar und nicht sexy. Ist schön toller wenn man mir „Sicherheit“ versprechen kann. All diese Werbung verfehlt bei mir die Wirkung nicht, ich werde aufmerksam und genau dadurch kann sich am Ende Produkt A von Produkt B unterscheiden und meine Erstauswahl beeinflussen. Ich würde sagen, Werber, bitte weiter so, schmunzeln ist eine gute Sache.

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