Ich bin seit Jahren – in den letzten 4 Jahren zwar deutlich weniger als zuvor – sehr viel mit dem Fahrrad durch Basel gefahren. Es gab damals schon die eine oder andere Ecke, an der Fahrradfahren gefährlicher war als notwendig und mit einfach Mitteln das hätte verbessert werden können.

Nun wird ein Fahrrad-Ring geplant, der rings um die Stadt Basel Radfahrern frei Fahrt bieten soll. Zuerst war ich da natürlich mal dafür, weil das ist für die Radfahrer und es schadet nicht, wenn es davon mehr gibt, kommt auch den Autofahrern zu Gute, jeder könnte auch ein weiterer Parkplatzsucher sein. Dann habe ich versucht mir vorzustellen, was mir das mit dem Velo wirklich bringen würde und fand heraus – wahrscheinlich nichts.

Es ist auch jetzt kein echtes Problem UM die Stadt RUM zu fahren, es ist aber ein Problem, IN die Stadt zu fahren oder gar DURCH die Stadt. Genau in diesem Punkt meine ich ist das Projekt schwach – will ich tatsächlich mit dem Fahrrad auf dem Arbeitsweg Mehrkilometer auf mich nehmen um bequem um die Stadt zu fahren wo mitten durch viel kürzer und schneller wäre? Vielleicht bei schönem Wetter, vielleicht, ganz sicher nicht wenn es regnet!

Für mich ist das Projekt etwa gleich gut durchdacht wie ein neues Veloparkfeld an unserem Bankenplatz, eine ehemalige, nicht mehr benötigte Einspurstrecke wurde in ein Parkfeld für Velos umgewandelt. Man steht nach dem Parken entweder auf der Traminsel – dagegen ist nichts einzuwenden – oder auf der Strasse, ohne Worte!

Ich finde es sehr gut, dass man versucht den motorisierten Individualverkehr der zumindest an den Grenzen der Kapazität läuft zu vermindern mit Massnahmen, welche die Leute auf ÖV oder auf das Velo ausweichen lässt. Es muss auch nicht immer und für jeden bequem sein, es gibt kein Grundrecht auf Parkraum in der Stadt, auf freie Strassen usw., man muss sich arrangieren, so auch die Stadtplaner. Ob Massnahmen wie sie traditionell bei den Autos verwendet werden umgelegt werden können auf Radfahrer vage ich zu bezweifeln. Ebenso glaube ich nicht daran, dass der Konflikt Fussgänger vs Radfahrer in der Stadt nachhaltig lösbar ist. So ein bisschen werden sich Fussgänger immer wieder über Fahrradfahrer aufregen müssen.

Ein Trost eines Fahrradfahrers – wir haben es mit den Autofahrern und den Fussgängern auch nicht immer leicht. Rücksicht, Toleranz und Aufmerksamkeit – es gibt immer welche die Dinge tun, die es nicht braucht.  Wäre das so ganz klar glaube ich, könnte man auch Wege durch die Stadt derart gestalten, dass Fahrradfahrer und Fussgänger sich mit Anstand begegnen könnten.

Autofahrer – bin ich einer. Ab einer gewissen Grenze ist es für mich absolut OK dass Autos nicht mehr fahren dürfen, sehr langsam fahren dürfen und auch ein beschränktes Parkplatzangebot ist im Prinzip in Ordnung. Und nicht vergessen – ich bin auch ein Autofahrer – aber jedes Fortbewegungsmittel hat je nach Einsatzzweck seine Vor- und Nachteile die es irgendwie halt auch zu respektieren gilt.

Fazit: Das Geld für den Fahrradring dürfte sich die Stadt Basel von mir aus gerne sparen. Sollte es zu einer Abstimmung kommen bin ich wenigstens nicht im Clinch mit mir selbst und muss mich nicht entscheiden zwischen „pro Velo in jedem Fall“ oder „macht es wirklich Sinn“ da ich nicht im dem Kanton wohne und nicht mit abstimmen darf.

 

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