Ich habe eine interessante Bar-Diskussion geführt die ich hier festhalten möchte (nachdem ich sicher bin, dass ich das immer noch als gutes Framework erachte mit 0.0 Promille :-)). Ich war schon immer ein Verfechter des lokalen Einkaufens. Wir als Familie versuchen immer so viel wie möglich lokal einzukaufen – nicht für ein paar Franken Einsparungen nach Deutschland zu fahren, dabei im Stau feststecken und uns ärgern darüber.

Das funktioniert aber bei weitem nicht für alle Artikel da wir nicht in einer Stadt wohnen. Die Gemeinde in der wir wohnen bietet einiges, aber sehr vieles halt auch nicht. Bisher war das für mich der Schnitt – entweder ich kriege das lokal oder irgendwo, ein binärer Entscheid. Nun zur etwas ausgeklügelteren Theorie.

Es ähnelt einer Zwiebelstrategie, einfach von innen heraus. Wenn ich was brauche, dann schaue ich in der Gemeinde in der ich wohne zuerst ob das verfügbar ist. Sollte das verfügbar sein, kaufe ich das oder lasse mir eine Offerte zukommen. Wenn ich nun die Offerte als zu hoch beurteile kann das zwei Gründe haben. Hierzulande hat man oft das Gefühl, dass es für einen zu hohen Preis angeboten wird. Es könnte aber auch sein, dass ich mir das Produkt zu den Konditionen die im Land korrekt sind schlicht nicht leisten kann. Um dies zu überprüfen schaut man über die Gemeindegrenzen hinaus, nicht aber über Landesgrenzen.

Auf diese Weise lässt sich einfach heraus finden, ob mein Einkommen oder meine finanziellen Möglichkeiten den Kauf dieses Produktes zu einem fairen lokalen Preis ermöglicht. Der faire und lokale Preis kann bei weitem höher sein, als der günstigste Marktpreis. Fair bedeutet dabei nämlich für mich, dass der Produzent oder Verkäufer eine Chance hat, in der Schweiz zu leben – nicht reich zu werden, aber zu leben. Dass dies teurer ist als schon im benachbarten Ausland ist klar, weltweit sind die Lebenshaltungskosten in der Schweiz mit am höchsten. Nebenbei – dies hat einen direkten Zusammenhang mit unseren hohen Löhnen ;-).

Sollte es nun das Produkt bis an die Landesgrenzen nicht geben erweitert man den Kreis nach Europa. Dies weil die nachbarschaftlichen Beziehungen einfach wichtig sind und alle benachbarten Nationen irgendwie voneinander profitieren. Bei uns somit naheliegend in Deutschland und Frankreich zu schauen. Dies passiert erst bei der Bedingung lokal nicht erhältlich! Nun gut, ich will hier nicht Heiliger spielen – wenn ich merke, ich kann mir das in der Schweiz nicht leisten und will es aber trotzdem gebe ich mich auch mal flexibel ;-).

Nach den Nachbarländern kommt Rest-Europa, danach die Welt – und bei vielen Dingen würde man ohne vorher aus dem Kaufvorhaben auszusteigen fündig in China. Deshalb ist die Reihenfolge hier wichtig. Nach jeder Abklärung gilt es zu entscheiden – suche ich weiter. Dies immer im Bewusstsein, dass ich meinem direkten Umfeld nicht wirklich damit helfen werde.

Mir scheint, als dass wir lieber in irgend welche karitativen Projekte investieren anstatt unseren Nachbarn im Dorf ein gutes Leben zu ermöglichen. Das ist irgendwie einfach falsch. Die Gier nach günstigen Produkten hat in den grenznahen Orten sogar schon zu Frust geführt. Wir erlauben also dem Händler im Ausland ein besseres Leben und mit unserem Spargedanken schwächen wir die Nachbarn. Oder wir schicken vor Weihnachten Geld an irgend welche Hilfswerke und sind beruhigt, geholfen zu haben. Gleichzeitig schliesst die Bäckerei im Dorf – die ist aber selber schuld, zu hohe Preis, zu kleine Auswahl usw…..

Fazit: Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass mein Gehalt wenn immer möglich im eigenen Land wieder unter die Leute gebracht werden müsste. Nur dort stimmt das Verhältnis von Einkommen zu Leistung. Überall sonst wo wir einkaufen ist es nur billiger, weil wir im Verhältnis zu viel verdienen. Ich kann nur alle ermutigen, lokal zu denken und zu kaufen wenn immer möglich. Auch ich habe meine Grenzen. Oft gibt es in der Schweiz zusätzliche Vertriebskanäle welche Produkte hierzulande um 30 oder mehr Prozent verteuern – das stimmt dann einfach nicht mehr. Aber es gibt viele faire Angebote, diese sind manchmal oder oft teurer als im benachbarten Ausland – aber das passt schon!