Manchmal hat man auf irgend eine Lebenssituation keine Antwort. Ich gehöre auch zu der Sorte Menschen welche das grundsätzlich nicht mag – ich weiss gerne woran ich bin. Deshalb gilt also; Es müssen Antworten gesucht werden. Aber was, wenn es keine gibt oder wenn keine der Antworten eine brauchbare Option darstellt?

Einige „verlassen“ sich das auf übernatürliche Kräfte und „sprechen zu Gott“ und finden dort Antworten. Eher nicht konkret sondern aus meiner Sicht dann auch eher „beruhigend“. Ich habe diesen Zugang bis zum heutigen Tag nicht gefunden.

Andere wiederum finden Studien oder Berichte oder irgend etwas in diese Richtung welche helfen die Fragen zu beantworten. Bei dieser Variante – welche für mich manchmal auch funktioniert hat – ist leider die Gefahr enorm gross, dass man nur genau die Aussagen findet, zu denen man so oder so selbst auch tendiert. In dem Moment – also im Moment der externen Bestätigung meiner Meinung – habe ich meist auch kein gutes Gefühl. Habe ich jetzt eine Lösung oder einfach meine offene Frage bestätigt?

Deshalb habe ich vor Jahren (ein Tipp aus einem Kurs den ich besucht habe) angefangen Fragen mit Fragen zu kontern. Bei jeder aufkommenden Frage versuche ich eine andere Frage zu dem Thema zu finden, oder mehrere andere Fragen. Also nicht mehr „ist das grün mit der ich die Wand gestrichen habe schön“ sondern „ braucht die Wand Farbe“ und „welche Eigenschaften braucht die Farbe“. Stellt man da fest, dass die Farbe wasserfest und abwaschbar sein muss tritt die Frage nach dem schönen oder nicht schönen grün zuerst mal deutlich in den Hintergrund.

Natürlich ist das ein extrem vereinfachtes Beispiel – trotzdem habe ich mich schon oft ertappt dabei Fragen zu haben, die eigentlich in dieser Situation gar nicht relevant sind (oder zumindest nicht die wichtigsten Fragen sind). Natürlich kann grün oder nicht grün zu einer relevanten Farbe werden, aber in meinem Beispiel müsste ich zuerst wasserdicht und abwaschbar klären, danach ob abtönbar und eigentlich erst dann welche Grüntöne damit möglich wären.

Am Ende werde ich u.U. dabei enden, dass das gewählte grün zwar nicht den optischen Präferenzen entspricht, dass es aber das einzige grün war, welches die weit wichtigeren Bedingungen erfüllt hat. Und jetzt – ja jetzt kann man sich nochmals fragen ob es grün hätte sein müssen oder ob es schönere Blautöne gegeben hätte an der Stelle – aber wieder ist das eine Frage und keine Antwort.

Das funktioniert für mich wirklich gut – eindeutige Fragen für die gibt es meist auch klare Antworten. Da wird weder jemand einen Gott befragen noch wird jemand versuchen zu klären ob 20 und 20 wirklich 40 gibt mittels dem Studium der Mathematik. Aber Fragen, für die ich keine Antwort finde, die versuche ich meist mit anderen Fragen zu „klären“ oder von einer anderen Seite zu beleuchten. Zu leicht verrennen wir uns auch mal in einer Frage und vergessen ob der Frage zu der wir keine Antwort finden die Ausgangslage – in dieser würde aber unter Umständen die Lösung wenn vielleicht auch versteckt zu finden sein.

Wahrscheinlich bin ich da beeinflusst von einer technischen Vorgehensweise zur Problemlösung (die Methode ist per Markenname geschützt und heisst Kepner-Tregoe Problemanalyse) welche das identifizierte Problem bei der Lösungsuche aus dem Fokus nimmt. Jede mögliche Lösung wird nicht nur dem Problem gegenüber gestellt sondern auch allen Dingen die noch funktionieren. Ich brauche den Haupt-Stromeingang am Haus nicht zu kontrollieren wenn der Kühlschrank nicht mehr geht aber das Licht noch brennt – natürlich wieder ein extrem simples Beispiel, aber es funktioniert auch komplexer sehr gut.

Fazit: Die Ausgangslage und das „intakte“ Umfeld zu einer Fragestellung sind für mich oft oder meist der Schlüssel zur Lösung und nicht das Problem an sich oder um eine „Antwort“ zu erhalten. Natürlich erhält man auf diese Weise nicht immer eine Antwort – aber ganz ehrlich, geht das bei irgend einer anderen erwähnten Methode? Ich denke nicht – der einzige Nachteil ist, ich erhalte damit in keiner Situation auf eine Art „Trost“ – wenn die Frage offen bleibt, ist das dann halt so und damit muss ich dann leben.

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