Wir hatten bis vor kurzem keine Haustiere aber eine kleine Tochter, die extrem gerne Haustiere gehabt hätte und die auch (das sahen wir bei anderen Familien) mit eben diesen Tieren sehr gut umgehen kann. Also liessen wir uns dann doch irgendwann erweichen und haben ihr zwei Kaninchen gegönnt. Ein Haustier welches draussen sein kann – bei uns müssen sie draussen sein, unser Haus ist schlicht zu klein um irgendwo noch Haustiere unter zu bringen – und welches auch nicht permanente Betreuung braucht. Dies einfach damit nicht jedes Wochenende an dem man mal weg möchte noch den Haustier-Hütestress mit sich bringt.

Ich muss sagen, diese Kaninchen haben unserer Tochter wirklich viel Freude gemacht und sie hat sich auch (mehrheitlich) liebevoll darum gekümmert. Das war jetzt so richtig ihre Aufgabe und an der hat sie viel Freude.

Nun waren wir am letzten Wochenende in eben einem solchen Wochenende – nur meine Frau und ich, die Kinder waren bei den Grosseltern. Wir sind am morgen ins Engadin gefahren über den Albula Pass (da bin ich noch nie drüber gefahren, dass war trotz misslichem Wetter ganz eine tolle Sache) nach Samedan das Startticket für den Engadiner Sommerlauf (…den meine Frau bestreiten wollte…) abholen, in St. Moritz einen Apéro im Hatecke, ins Hotel in Silvaplana – Sauna, ins Zimmer und ab zum Nachtessen.

Als wir nun so da sitzen klingelt das Telefon – unser Nachbar. Irgendwie kann das nicht wirklich was Gutes bedeuten – wir haben eigentlich keine Diskussionen per Telefon zu führen da wir uns zumindest im Sommer immer sehen. Zumindest war klar, die Sache musste eine gewisse Dringlichkeit aufweisen. Kurz: Unsere Kaninchen waren „ausgebrochen“ (die Umstände der offenen Tür am Käfig bleiben ungeklärt) und von ein paar Passanten wieder eingefangen. Allerdings hat sich eines dabei verletzt, schleppt ein Bein nach.

Nun, was tun? Für das Kaninchen ist die Angelegenheit natürlich von hoher Bedeutung, allerdings hätte ich wenn es nur um das gegangen wäre wahrscheinlich meinen Platz im Restaurant behalten und hätte am Sonntag geschaut. Das Problem war eher – unsere kleine Tochter war zu Hause bei den Grosseltern, die wohnen in Gehdistanz und sie wäre sicherlich am Sonntag dort aufgekreuzt. Nicht auszudenken wenn sie da ankommt und es läge ein totes Kaninchen im Stall….und wir hätten gewusst, dass so etwas passieren könnte.

Also, Tisch stehen lassen, Wein mitgenommen (zum Glück hatten wir noch keinen getrunken, sonst hätten wir eh nicht fahren können…), Sachen gepackt, ins Auto und über den Julier nach Hause. Tönt wie eine Töfftour, am Ende waren es knapp 600km an einem Tag über die Alpen bei schlechtem Wetter – irgendwie nicht viel Wellness übrig geblieben.

Zu Hause angekommen konnte man sagen, dem Kaninchen geht es nicht gut, aber es lebt und frisst, somit wird es überleben – muss aber sicher zum Tierarzt am Montag. Für mich war immer klar, ein Kaninchen zu operieren oder so ist a) zu teuer und b) auf Grund der vielen möglichen Komplikationen und der eigentlich recht niedrigen Erfolgsaussichten nicht sinnvoll, geht vielleicht schon in den Bereich Tierquälerei.

Sehr traurig war die Mitteilung, dass es dem Kaninchen nicht gut geht und die Begegnung mit dem lahmenden Tier hat nicht geholfen. Leider war dies erst der Anfang – der Tierarzt hat ein gebrochenes Bein diagnostiziert – mit unserer Einstellung das Todesurteil für ein Kaninchen (da müsste man die Tiere über Wochen trennen, das verletzteTier auf ganz engem Raum halten usw….und am Ende könnte es vielleicht, aber eher nicht, wieder normal laufen). Dieser Schock – ich konnte leider nicht dabei sein – ist der Tochter natürlich massiv eingefahren und der Mutter ist die Reaktion der Tochter natürlich ebenso verständlich genau so eingefahren.

Traurig ist es gewesen, sehr traurig und ich verstehe jede Träne. Nun, zuerst muss die Trauer raus, dann muss man nach vorne schauen. Bei einem Kaninchen geht das aus meiner Sicht sehr rasch schon, da ist eine wochenlange Trauer vielleicht wirklich nicht angebracht. Und das konnten wir auch so „umsetzen“. Ziemlich rasch konnten wir überzeugen, dass es jetzt um das noch lebende Kaninchen geht – und rasch war klar, ein neues muss her, sonst ist das „alte“ (7 Monate….) noch trauriger und einsam.

So können wir bereits zuschauen, wie sich zwei Kaninchen aneinander gewöhnen – ich finde das ziemlich lustig wenn die sich durch den Käfig jagen um die Reviere zu klären. Das gehört halt nun dazu und es ist eine richtige Aufgabe für meine kleine Tochter da nicht ungeduldig zu werden und die Tiere das untereinander regeln zu lassen.

„Schön“ war es zu sehen, wie mit diesem Verlust umgegangen werden konnte. Vorwärts ist die richtige Richtung, wenn man das so mal erleben muss hat man für das Leben sicher nichts verkehrtes gelernt.

Fazit: Traurig war es – für die Tochter wegen dem Kaninchen, für uns doch noch etwas mehr weil wir den Schmerz der Tochter mit ansehen mussten. Recht schnell wurde aus der Trauer wieder die Suche nach dem Weg – und das war gut so. Jetzt freuen wir uns darauf zu erleben, wie sich die zwei Tiere anfangen zu verstehen – hoffentlich :-)! Sicherlich war es richtig da nach Hause zu kommen und das Kind nicht mit der Situation alleine zu lassen, auch wenn das kein Vergnügen war und uns doch ein paar tolle Stunden entgangen sind.

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