Ich weiss es nicht, das mal einfach vorne weg und ich bin auch nicht in der Lage, diese Situation umfassend zu beurteilen. Ein paar Fakten allerdings fallen mir auf und einige Kommentare mag ich einfach nicht. Dass die EU wohl so wie sie jetzt da steht kein Zukunftsmodell darstellt war irgendwie vorher schon klar. Nie wurde das aber derart präsent gemacht wie jetzt mit dieser Abstimmung.

Interessante Fakten dazu gibt es viele – sehr speziell erachte ich allerdings den Umstand, dass es gerade das Land ist, welches schon bisher weitaus am meisten Sonderrechte erhalten hat. Vielleicht war ja gerade deshalb der „EU-Geist“ dort gar nie angekommen. Ich war (und bin das eigentlich immer noch) immer ein EU-Freund, ich finde die Idee bestechend und tatsächlich gibt es auch Situationen, die mit der EU eventuell besser in den Griff zu bekommen sind als ohne. Ob es wirklich all den Ländern die wirtschaftlich schwächer sind ohne EU besser gehen würde – es gibt beide Modelle in Berechnungen, wir wissen es halt nicht. Die EU allerdings für das Leid zum Beispiel in Griechenland verantwortlich zu machen erachte ich als unzulässig.

Jetzt hat es ein Land (oder besser gleich mehrere) gewagt, den Austritt zu beschliessen – mit einer demokratischen Mehrheit von etwas über 52%, ein „klares“ Resultat. Trotzdem müssen fast 16.5 Millionen Menschen nun damit leben, was Ihnen die anderen 17,x Mio Menschen aufgedrückt haben, das ist halt Demokratie. Einmal mehr möchte ich aber darauf aufmerksam machen, dass es nicht „das Volk“ ist, welches entscheidet sondern immer „nur“ eine Mehrheit des Volkes in absolutem Sinne. Mich nervt – darüber habe ich schon berichtet – in solchen Momenten immer der Ausdruck „das Volk hat entschieden“. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber es ist halt die Mehrheit eines Volkes und die Politik ist auch dazu da, die unterlegene Minderheit gebührend zu schützen.

Was hat das nun für Folgen – keine Ahnung habe ich zu dem Thema; Und ich bin überzeugt, damit bin ich in bester Gesellschaft. Klar, jetzt reagieren mal „die Märkte“, die Finanzmärkte, die Aktienmärkte die uns eigentlich ausserhalb jeder Politik tatsächlich regieren. Wenn diese Märkte nicht wie gewünscht funktionieren, sind wir nämlich handlungsunfähig. Keine Politik kann diese absolute und absurde Macht dieser Finanzmärkte in irgend einer Weise abschwächen oder ignorieren. Eine Diktatur eines grösstenteils virtuellen Marktplatzes – aber in dem Schlamassel sind wir jetzt mal drin, da gibt es keine Ausstiegsklausel, weltweit. Diese Turbulenzen werden irgendwie vorbei gehen – und die Schweizer Nationalbank wird Ihren so oder so schon gefüllten Euro-Rucksack nochmals deutlich vergrössert haben.

…für mich immer wieder interessantes Detail – bei der Währung muss der Staat etwas unternehmen, damit das Volk gute Grundlagen hat. Wenn man ein „Volk“ (..was eigentlich auch korrekt wäre) nicht auf Grund von Landesgrenzen definiert, gehören wir sehr nahe zu den Europäern und hätten somit auch als „Volk“ die Entscheide des „Volkes“ mit zu tragen und unser Staat dürfte eigentlich keine Eingriffe machen die nur uns helfen…

Die Verteilung der Resultate ist spannend zu lesen. Alle Metropolen (zum Teil mit extrem hohen Werten) wollten bei der EU bleiben. Ebenfalls mit grossen Mehrheiten alle unter 45 jährigen (Männer und Frauen hielten sich absolut die Waage). Je älter die Wähler, je eindeutiger waren sie für den Austritt, die 45+ Generation mit 56%, die 55+ Generation mit 57% und die 65+ Generation mit 60%. Dagegen stehen die Jüngeren mit bei den 18+ mit 27%, 25+ mit 38% und 35+ mit 48%. Die prozentualen Anteile der Gegner waren also deutlich höher. Einmal mehr hat wohl die Abstimmfaulheit der demokratischen Jugend das Resultat stark beeinflusst. Ganz konkrete Zahlen dazu gibt es nicht, aber wenn man Vergleiche anschaut bleibt kein anderer Schluss möglich – dann müssen die das halt im schlimmsten Fall auch ausbaden und dürfen sich bei Opa bedanken (im besten Fall dürfen sie den Entscheid bejubeln).

Ganz „traurig“ ist die Geschichte für Schottland und Nordirland. Mit einem extrem klaren Votum pro EU stehen die jetzt da – rein demokratisch überstimmt aber verständlicherweise etwas angefressen. Die müssen jetzt halt mit. Keiner wusste und weiss was am Ende die bessere Lösung sein wird, aber auf jeden Fall wollten die das anders.

Auch hier hört man schon, wie Abstimmungsversprechen relativiert werden. Die „out“-Befürworter stehen grundsätzlich ohne Plan da. Die Abstimmung wurde gewonnen ohne einen Plan aufzuzeigen, wie es danach weiter gehen könnte. Grundsätzlich hätte ein solcher Plan natürlich auch gar keinen echten Sinn ergeben – die EU hätte mitspielen müssen und das konnte man vorher nicht klären. Jetzt muss man klären und die Welt wird sich weiter drehen. Ob es allerdings vernünftig ist in einer Abstimmung für etwas zu sein, was absolut unterdefiniert ist – kann man in Frage stellen.

Fazit: Meine Mädels waren vor ein paar Wochen in London, schade, das würde jetzt deutlich billiger gehen -> nun gut, vielleicht würde einfacher mehr eingekauft und somit entstünde ein Pat J. Was aus dem Brexit passiert werde ich mit Interesse verfolgen, eigentlich bin ich überzeugt, dass es Lösungen geben wird. Dass diese für Grossbritannien nicht unbedingt nur positiv sein werden, davon gehe ich auch aus. Für die Schweiz – hä, sollen alle diejenigen die Auswirkungen definieren die alles im Alleingang machen wollen, in solchen Fällen wird uns gezeigt, wie weit die Möglichkeiten gehen. Grenzen schliessen ist nicht für alles eine Lösung….und die Immigrationsfrage hat ganz sicher massgeblich zu dem Resultat beigetragen.