Basel installiert noch in diesem Jahr ein Gratis-WLAN – für Touristen. Nun gut, das ist mal ein Anfang. Schon lange mehren sich die Stimmen, dass ein Gratis WLAN irgendwie zum Service Public einer Stadt gehört oder gehören sollte. Was soll ich sagen, ich bin da jetzt nicht ganz derselben Meinung – und die Umsetzung von Basel Tourismus bestätigt mich eigentlich in dieser.

Basel wird 20 Hotspots installieren. Wenn da noch ein paar zusätzliche Antennen aufgestellt werden pro „Hotspot“ (was immer das Wort im technischen Kontext hier heissen mag…) kann wohl tatsächlich schon ein vernünftiger Teil der touristisch interessanten Fläche der Stadt abgedeckt werden. Der Betreiber hat gebrüllt – die Qualität soll mindestens mit 4G mithalten können.

Ich lebe sehr nahe bei Basel und habe über ein Jahrzehnt in der Kernzone dort gearbeitet – 4G – vergessen, geht nicht oder ist sehr schwach. Das ist auch heute noch so. Wieso das – all die Wände zusammen mit der Sendeleistung und der Konkurrenz im „Luftraum“ ergeben wohl mehr „Noise“ als sauberes Signal. Je näher am Sender je schlimmer, da reflektieren die Wände kreuz und quer. Ich habe von meinem Büro aus die Sendemasten (wohl aller Anbieter – war auch bei keinem besser, wir hatten im Büro alle Marken vertreten) und trotzdem war noch nicht mal die Telefonie gut.

Nun kommt WLAN – per se kein Problem was 4G angeht. Aber in der Stadt gibt es auch noch Taxis, Babyfons, Funk usw. – selbst wenn die nicht auf denselben Frequenzen laufen wird dir Reichweite schon mal nicht grösser. Ausweichen auf 5Ghz – ja, wieso nicht – allerdings nimmt dann die Reichweite nochmals ab.

Wer hat das zu Hause noch nicht erlebt – auf dem WLAN Gerät steht „BIS ZU WOW MEGA WOODOO 500m Reichweite“ und so Zeugs – aber vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer scheint gleichwohl eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Es kommt nicht durch die Wände, es wird rekflektiert und geschwächt. So sehe ich mich dann in der Stadt hinter eine Ecke gehe – und damit verschwindet schon wieder das WLAN.

Trotz allem, die Idee ist gut und Basel ist nicht die erste Stadt, die das hin kriegt. Ob man das auf „alle“ erweitern soll – da bleibe ich mal bei einem Nein, aus meiner Sicht darf man für den Bezug von Internet etwas bezahlen. Natürlich bin auch ich der Meinung, dass wir Schweizer je nach Anbieter etwas viel bezahlen müssen, aber wir haben doch auch schon vernünftige Angebote über 4G. WLAN von der Stadt betrieben könnte auch gehen – für irgend eine Gebühr würde ich aber sagen.

Im Radio habe ich soeben den Initianten gehört und der war sehr überrascht wie einfach die Finanzierung war und meinte, er hätte da viel früher mehr Energie rein stecken müssen. Glaube ich aufs Wort – was die IWB da zur Verfügung stellen wird lässt sicherlich auf Raum für eine Werbeplattform (irgendwie müssen die Touristen ja als solche identifiziert werden) mit der man das alles finanzieren kann.

Dann am Ende doch noch der Killer – 200 tausend Installationskosten, 50 tausend Betriebskosten pro Jahr. Meine Herren – wie kriegt ihr so viel Geld verbaut? Natürlich muss das alles professionell sein und stabil, sonst erweist man sich einen Bärendienst – trotz allem erachte ich die Kosten als recht hoch. Der Sponsor hat sehr viele Leitungen in der Stadt verfügbar, mit geschickter Auswahl der „HotSpots“ dürfte nur wenig Installation notwendig sein.

Jährlich 50tausend – da habe ich noch weniger einen Plan was es geben könnte das so viel Geld verschlingt – Miete von Antennen-Häuser-Plätzen – na ja, auch da hat die Stadt ja so einige Objekte „im Zugriff“…..ich habe keine Ahnung, was so viel kosten kann.

Fazit. Eine tolle Idee, vielleicht wird das auch für mich mal geöffnet, je nachdem wie sich die 4G Welt entwickelt würde ich auch auf den Zug aufspringen wenn es günstig und stabil wäre. Wie man aber 200k investieren kann um an 20 Positionen der Stadt einen Hotspot aufzustellen (wie professionell der auch immer ist) ist mit ein Rätsel – die Betriebskosten danach noch mehr. Ob man wirklich gute und stabile Verbindungen hin kriegt – es wird sich zeigen – es gibt intelligente Geräte (bei den Kosten sollten solche drin liegen), aber auch viel Konkurrenz in der Stadt. Ende Jahr wissen wir mehr – ich gehe dann halt mal als Tourist ins Pub 🙂

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