Jahrelang bin ich schon Fan von Rammstein. Mir gefällt deren Musik – oder zumindest ein grosser Teil davon – und deren Texte. Gerade dort kann man sich doch bei fast jedem Lied so den einen oder anderen Gedanken erlauben. Interpretationen sind wohl gewollt und ich bin fast überzeugt, dass es Texte gibt, da geht es nur darum. Nun ihr Fans, hier habt ihr einen Text, macht mal eine Geschichte draus …!

Das ist allerdings eher selten – ansonsten sind die Texte doch meist nur im Detail zu interpretieren, im Gesamtkontext aber klar oder sonnenklar.

Luzern – jetzt nicht gerade bekannt als die Festival-Stadt was Musik angeht. Da konnte man sich ja auf etwas gefasst machen. Und was kam – alles perfekt. Der „Wanderweg“ vom Bahnhof zum Gelände perfekt ausgezeichnet, ein bisschen sehr freundliche Security hin gestellt, überall Abfalleimer auf dem Weg – ich denke, das geht nicht wirklich besser. Am Gelände angekommen ein kleiner Dämpfer, 50tausend Leute durch einen Eingang – na ja, wir sind mal zum nächsten vernünftigen Restaurant abgebogen und haben schön was gegessen – ca. Mitte des Slayer-Konzertes sind wir dann locker rein marschiert. Aber sicherlich kann man da noch was verbessern.

Der Boden dank Kunststoffplatten, Gartenvlies und Kies zwar nass und tief, aber nicht sumpfig zum drin stecken bleiben – wenn man da das Wetter mit betrachtet eine wirklich sehr gute Leistung. Die Organisatoren haben also mal ein Umfeld geschaffen, das passt!

Slayer – naja, ich habe jetzt so dreiviertel eines Slayer Konzertes gehört – bin aber kein Fan geworden, ich werde auch jetzt eher keine CD kaufen.Ich finde es auch immer sehr schwierig und einfach nicht gleich an den Festivals wenn noch hell ist (so richtig „hell“ war es am Samstag zwar nicht – aber ihr wisst, was ich sagen will). Da kommt bei mir einfach nicht dieselbe Stimmung auf.

Obwohl seit „ewig“ Fan war ich tatsächlich noch nie an einem Live-Konzert von Rammstein – und ich habe mich wie ein Kind gefreut drauf. Und was soll ich sagen – es hat alle Erwartungen erfüllt. Dass die Truppe ihr Konzert runter spult ohne auch nur einmal mit dem Publikum zu sprechen ist extrem arrogant – und genau so erwartet man das auch. Zum Abschied ein „geil war’s, aus“ und weg – völlig daneben und ebenso genau den Erwartungen entsprechend.

Dazwischen kann man bei denen ja auch mal wortwörtlich davon reden, dass sie ein Feuerwerk abgefackelt haben. Die rote Wolke aus der Bühne raus (eine grosse Wolke) wabberte dank Windstille noch lange übers Gelände und hat dann wohl noch in ganz Luzern fragende Gesichter hervor gerufen. Die Feuerwerke zum Beispiel beim Lied „Sonne“ waren eindrücklich, sehr gross mit sehr viel Rauch. Ich würde sagen, das Konzert hat wohl mehr CO2 verursacht als die Anreisenden – eine Ausnahme.

Die Musik – einfach nur cool, die Show Mega – auch wenn ich mir die vordersten Reihen dann doch nicht antun wollte. Der Sound laut und tief und druckvoll. Die Band immer souverän, keine Unsicherheit zu hören (oder zumindest nicht für mich und nein, was die Drogen (bei uns nur Bier) angeht war das auf einem Niveau auf dem wir all die Dinge jederzeit beurteilen können – ganz ohne wäre falsch gewesen, aber dabei sein war VIEL besser als betrunken sein gewesen wäre) – Profis halt.

Da ewige Lächeln das bei mir in solchen Momenten aufkommt hielt leider nicht ganz bis nach Hause. Kein Extrazug nach Basel wäre ja zu verkraften – aber bis Olten hätten es ein paar Züge mehr sein müssen. 50tausend auf der Allmend in Luzern bedeutet, dass mindestens 3otausend davon mit dem Zug wieder weg müssen. Mit dem Auto kommt man da ja wirklich besser nicht, null Parkplätze..

Fazit: Luzern – weiter so, das war toll organisiert, vielleicht spielt ja beim nächsten Mal die SBB noch besser mit. Rammstein – ja, jetzt habe ich sie live gesehen und jetzt weiss ich, ich werde wieder da sein wenn die in der Nähe spielen. Ich hatte mir in der Vergangenheit immer gedacht „Du verpasst was wenn Du die nicht live gesehen hast“ – jetzt ist diese Vermutung zur Gewissheit geworden. Ob die Anwohner dort gleicher Meinung sind – das Gelände ist schon sehr nahe an der Stadt, die eine oder andere Reklamation dürfte nicht zu vermeiden gewesen sein.

Werbeanzeigen