Ich esse gerne auch mal ein bisschen schärfer. Ob nun asiatisch, indisch oder einfach so mal ein bisschen schärfer gewürzt mag ich sehr gut. Allerdings habe ich damit leider in dem Land in dem ich lebe so meine Probleme. Wenn man zum Thai Take-away geht um etwas zu essen muss man regelrecht betteln damit noch ein bisschen Schärfe dazu kommt. Aber auch dann ist das nicht dasselbe, auch dann werden halt Gewürze am Schluss noch über die Speisen drüber „geschüttet“.

Scharf ist absolut relativ, das ist mit klar. Ein durchschnittlich scharfes original indisches Menu würde wahrscheinlich meine Nerven absolut überfordern. Ich sehe immer wieder Leute dasselbe essen wie ich und jammern oder leiden dabei. Aber was soll man dann sagen – die haben „scharf“ bestellt und nicht mehr ganz mild erhalten. Was gibt es zu jammern dann?

Einige Restaurants haben begonnen, die Schärfe mit Chilischoten oder anderen Symbolen darzustellen. Von gar nichts bis drei Schoten oder so. Wenn ich dort „vollscharf“ bestelle erhalte ich meist etwas, das tatsächlich schon Schärfe aufweist. Eingekochte Schärfe, nicht am Ende noch ein paar Chilis drüber und gut ist. Aber auch da muss ich sagen, wenn man schon in vier Stufen scharf anbietet sollte die höchste Stufe für uns Europäer zur Herausforderung werden.

Was bei jedem Besuch eines solchen Restaurants allerdings zu beobachten ist sind Leute die über die Schärfe reklamieren. Da bleibe ich aber dabei, wer in einem asiatischen Restaurant ist und vielleicht sogar noch scharf bestellt darf nicht erwarten dass das schmeckt wie Zürcher Kalbsgeschnetzeltes an Rahmsauce. Da kann es schon mal kurz einen Geschmacksnerv etwas reizen – das gehört dazu und macht einen Teil des Reizes aus.

Natürlich nicht zu viel – es gibt auch Leute, die machen sich einen Spass daraus, was man noch essen kann und was halt dann wegen zu scharf nicht mehr geht. Das ist irgendwie auch doof – zumindest die Portion die dann wirklich zu scharf war und die man wohl wegwerfen muss. Auch ich habe mich schon „verkocht“ in dem Bereich – Schärfe einkochen ist vom Mass her für mich nicht ganz einfach (erstes Mal versuchen – fade, mehr rein – zweites Mal versuchen mit zu wenig Geduld – zu fade, mehr rein – drittes Mal versuchen – Kehlenbrand, Pfannenerosion) . Für Profis in einer Restaurantküche sollte das alles aber kein Problem darstellen.

In Diskussionen höre ich immer wieder, dass die Schweizer das halt nicht vertragen. Klar, wir vertragen nicht so viel wie solche, die sich daran gewöhnt sind. Würden die indischen Restaurants genau so kochen wie sie das in heimischen Restaurants tun würden, sie hätten garantiert nicht viele Gäste. Was aber hindert sie daran, die Gerichte die als „scharf“ klassiert sind auch wirklich scharf zu machen?

Fazit: Originale scharfe Küche können wir Schweizer wahrscheinlich nicht vertragen. Allerdings dürfte man aus meiner Sicht auch erwarten, dass es in solchen Restaurants auch wirklich scharfe Gerichte gibt – die dann vielleicht tatsächlich nicht jeder vertragen kann. Ziemlich überzeugt bin ich, dass im „Schweizer Restaurant“ in Indien das Züri-Gschnätzlete nicht scharf zubereitet wird – genau dieselbe Situation nur umgekehrt. Wirte, habt etwas Mut, schreibt an „bei uns bedeutet scharf auch scharf“ – es wird sich rum sprechen und es wird nicht lange Reklamationen geben.