Wir stimmen mal wieder ab, diesmal darüber ob jedem Schweizer ein bedingungsloses Grundeinkommen zustehen soll. Ich lese kreuz und quer und ich werde nicht schlau daraus. Es gibt Berechnungsmodelle die mir allesamt plausibel erscheinen – die einen sagen klar: „nicht finanzierbar“ – die anderen genau so klar: „kostet gar nichts“. Auch wenn ich auf den ersten Blick das „kostet nichts“ als absolut verwirrte Darstellung von Drogenkonsumenten hin gestellt habe, sind die Berechnungen nicht ganz verkehrt und nachvollziehbar….

Also habe ich mal eine Patt-Situation was die Finanzierung angeht. Beide Aussagen ertönen derart plausibel dass ich den „Fehler“ nicht finden kann. Die Bedingungen die zu der jeweils einen oder anderen Berechnung führen sind allesamt Schätzungen und Mutmassungen über die Zukunft, da halte ich mich weit von entfernt – speziell wenn es dabei um finanzielle Dinge geht.

Mit diesem Einkommen werden wir Schweizer dann alle faul….so in etwa ist ein Statement zu verstehen welches die Gegner immer wieder in die Diskussion werfen. 10% oder mehr der Schweizer hören dann einfach auch zu arbeiten. Wir das so sein? Hand aufs Herz – wie weit kommt man in der Schweiz mit 2500.– Franken (wobei der Betrag in einem einfach zu ändernden Gesetzt zu benennen wäre, der Initiativtext nennt keinen Betrag)? Das ist natürlich mehr als nichts (wir haben aber auch Arbeitslose oder Ausgesteuerte welche von den Sozialwerken leben – dort würde das Geld dann nicht mehr gebraucht – diese Umschichtung verstehe ich ganz gut…), aber das Leben das man damit führen kann ist weit weg von Saus und Braus.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der eine oder andere Mitarbeiter der jetzt irgendwo arbeitet die CHF 2500.– nehmen würde als Basis um seine persönlichen Wünsche umzusetzen. Wenn er das heute versucht, dann muss er entweder zuvor Geld anhäufen, einen Investor finden oder irgendwie bei null anfangen. Dieses Grundeinkommen wäre ganz sicher eine taugliche Basis für das Vorantreiben von Innovation weil einige aus Ihren Schemata raus kommen würden und das tun, was sie schon immer wollten und das mit Freude. Vielleicht ist es kein Zufall, dass einer der Initianten ein Künstler ist (

Somit kippt das für mich im Moment etwas in Richtung ja, das sollten wir versuchen. Im Prinzip entscheiden wir ja bei dieser Abstimmung nicht darüber, WIE wir das machen wollen sondern nur DASS wir das machen könnten. Aber da kommt jetzt bei mir ein Problem auf. Wenn wir so etwas bestimmen wird „das Volk“ (die Sieger der Abstimmung) sehr schnell auf Umsetzung pochen und die Zeit das ganz ideal aufzugleisen wird zum Thema werden. Einige werden wohl schon am Montag nach der Abstimmung nachfragen, wohin sie ihre Kontonummer liefern dürfen für die Auszahlung.

Da sehe ich eigentlich eine der grössten Gefahren. Personen, welche nicht arbeiten wollen finden heute schon Wege dazu und erhalten von sozialen Werken lange Zeit mehr Geld als in Zukunft (ob die Sozialwerke gestrichen oder umgebaut oder angepasst werden sollen ist alles auch nicht Gegenstand der aktuellen Abstimmung ….nebenbei) – könnte ich mir zumindest vorstellen. Im Prinzip haben wir ja tatsächlich heute schon eine Art von Grundeinkommen, einfach verteilt, mit viel Aufwand abgeklärt und irgendwie unkalkulierbar.

Fazit: Ich bin noch absolut hin und her gerissen. Wenn wir das in die Verfassung schreiben, muss etwas gemacht werden. Ich fand gar nichts was konkret zu machen wäre auf Grund der Abstimmung (Meinungen von solchen die jetzt schon wissen, wie es NICHT gehen kann gibt es mehr als genügend), sie würde aber den Rahmen bilden dass ETWAS gemacht werden muss und dass es ein Grundeinkommen geben MUSS. Ich lese mal weiter – so abstrus für mich die Idee getönt hat beim ersten durchlesen so charmant wird sie so langsam, und ich bin mir ziemlich sicher, ich würde nicht für 2500.– zu Hause bleiben und nichts mehr tun – aber vielleicht würde ich was anderes tun.

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