Zuerst eine kurze Einleitung für nicht Informierte. An der Basler Fasnacht gibt es „Gruppen“ (meist zwischen zwei und fünf Menschen) welche sich verkleiden und Sing-Verse (das mit dem Singen ist bei einigen allerdings so eine Sache) meist im Reimformat verfassen und vortragen. Da Fasnacht ist, wird da nicht allzu viel Rücksicht genommen auf die Befindlichkeiten der betroffenen Personen oder Institutionen. So oder so wird an der Fasnacht alles stark überzeichnet – so auch die Texte und Verse.

Ich war nicht live dabei, habe mir aber am Wochenende mal ein paar dieser Verse im Fernsehen (oder nein, TeleBasel, ist aber auch so was wie Fernsehen…) angesehen. Es ist aufgefallen, dass sich alle Bängg (so nennen sich die Gruppen offiziel – oder genauer noch „Schnitzelbängg“) doch stark zurück hielten bei politischen Themen. Natürlich war die Finanzlage des Kantons Baselland ein grosses Thema, wie immer und bei allen die Zürcher, die Fussballer, die FIFA. Die grossen politischen Themen fehlten aber fast komplett. Lokalpolitik – ja, da war natürlich ein bisschen was dabei.

Es stehen ja bekanntlich Abstimmungen vor der Tür – und somit verstehe ich dass man sich da nicht die Finger verbrennen will. Aktuell herrscht so oder so bei den Rechten die Stimmung, dass sie alleine im Recht sind – genau dieselbe Stimmung herrscht bei den Linken. Diskussionen enden entweder im Streit oder in Beleidigungen (oder in beidem, nacheinander). Ich habe auch eine „einfache“ Facebook Diskussion ein bisschen beobachtet und man merkt – Toleranz der anderen Meinung ist nicht allen gegeben. So wollte wohl keiner der Bängg die Stimmung mit solchen Dingen aufheizen oder gar verderben.

Einer aber hat dafür gleich richtig Vollgas gegeben. Die „Dreydaagsfliege“ (wohl eine Anspielung weil sie genau drei Tage leben..) haben einen Vers geschrieben bei dem es um den Schweizer Rechtsrutsch (den es ja nur bedingt gibt in der Realität) ging. Ich will den weder verlinken noch zitieren hier – die Emotionen gingen auf jeden Fall bei vielen hoch. Der Reim endet damit, dass wenn die Schweiz noch weiter nach rechts rutschen wird wir bald in Polen landen werden, aber dort sei ja „Au Schwiiz“.

Darf man das? Ist das irgendwie korrekt? Zwei Fragen – zwei Antworten. Ich finde, man darf das. Ein etwas intelligentes Publikum wird feststellen, dass der Reim an sich an Schärfe kaum zu übertreffen ist und auch (hoffentlich) realisieren, dass dies nicht gleichzustellen ist wie „die Schweiz verhält sich wie die Nazis“. Man darf das so sagen meine ich – grundsätzlich stellt sich auf Grund von freier Meinungsäusserung die Frage ja so oder so nicht. Ob das irgendwie korrekt ist – da ist die Frage eher etwas schwieriger zu beantworten.

Persönlich bin ich der Meinung, dass man die Nazi Zeit zwar der Jugend noch erklären soll im Sinne einer Aufklärung. Halt auch um zu zeigen, dass diese Bewegungen nur zu Schrecken und Leid geführt haben und zu nichts anderem. Trotzdem muss man im normalen Alltag dies nicht mehr erwähnen – es ist vorbei, die Menschen die heute leben wissen, was passiert ist und können nichts mehr daran ändern. Nichts mehr darüber zu sagen heisst nicht vergessen sondern unabänderliche Dinge ruhen lassen.

Nun nimmt ein Vers eines der düstersten Kapitel dieser Geschichte auf und vergleicht den Rechtsstaat (hier hat „Rechts….“ keine Gesinnungsbedeutung) Schweiz damit. Natürlich ist das „falsch“, das liegt unglaublich weit entfernt. Trotzdem ist es als „Schocker“ irgendwie geeignet. Haben Sie damit Leute verhöhnt – ja, vielleicht ein bisschen schon. Die damaligen Opfer haben es sicher nicht verdient, in einem doch recht einfachen Fasnachtsvers Erwähnung zu finden.

Aber war es so schlimm…? Nein, es war provokativ und es war im Prinzip ein ganz guter Reim mit einem etwas fragwürdigen Wortspiel. Damit wurden keine damaligen Opfer verhöhnt und auch kein echter Vergleich angestellt. Wenn man das so auffassen will als Zuhörer kann man das natürlich – aber dann hat man den Sinn dieser Verse auch eher nicht verstanden. Der Vers hat viel Wirbel verursacht – also kann er so schlecht nicht gewesen sein.

Fazit: Ein gelungenes Wortspiel an der Fasnacht. An einer Stelle, an der das Überzeichnen von Situationen zum Program gehört vielleicht in Ordnung. Ob es hier hin gehört, ich weiss es nicht, ich sehe das recht entspannt und erkenne da nicht wie scheinbar viele Schweizer einen direkten Vergleich zwischen der Schweiz und Nazi-Deutschland. Sollten die Autoren den direkten Vergleich gewollt haben – dann wäre es daneben, ich kann mir das aber beim besten Willen nicht vorstellen.

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