…ich gebe zu, die Inspiration zu diesem Artikel ist geklaut. Es gibt dazu ein Buch von Gunter Dueck mit dem Titel „Schwarmdumm“. Dieses habe ich gerade eben gesehen als ich durch eine Buchhandlung (ja, gibt es ein gewissen Orten tatsächlich noch) geschlendert bin. Ich war schon an Vorträgen und habe mir Vorträge gegönnt zum Thema Schwarmintelligenz. Tatsächlich konnten dort viele Experiment immer wieder aufzeigen, dass Schwarmintelligenz zwar funktionieren kann, aber halt eine „Technologie“ ist welche auf relativ schwerfällige Weise aus Fehlern lernt.

Exkurs: 11 Kids (ist das geschlechterneutral genug??) spielen zum ersten Mal Fussball. Man erklärt Ihnen, dass der Ball ins Tor muss. Alle werden auf den Ball rennen, es entsteht ein Chaos. Nach zwei Minuten holt man alle zurück und erklärt Ihnen (vielleicht haben sie das sogar selbst schon bemerkt), dass das nicht funktioniert. Gemeinsam werden sie Strategien entwickeln. Eine Mannschaft wird sich einen Vorteil heraus spielen, die andere wird reagieren….funktioniert irgendwie, langsam, aber geht. Nur, viel einfacher würde es gehen, wenn man Ihnen im Sinne einer Vorgabe etwas erklären würde (nicht alle zum Ball, einer ins Tor und so weiter). Der Schwarm funktioniert, eine Vorgabe oder ein „Chef“ würde schneller funktionieren – einer der halt weiss wie es funktionieren kann.

Obwohl ich nur den Titel „Schwarmdumm“ gelesen habe, musste ich schmunzeln. Aus meiner Sicht trifft das die Sache viel besser! Wären in obigem Beispiel von sich aus alle auf den Ball gerannt oder haben Sie es gemacht, weil einer voraus gegangen ist? Hat Schwarmintelligenz auch etwas mit Gruppenzwang zu tun – oder mit sich hinter allgemeinen Strömungen verstecken? Ich glaube schon…

In meiner Branche gab es mal den Spruch „Nobody ever got fired for buying IBM“. Auch da ging es im weitesten Sinne um einen Schwarm. Weil alle anderen – auch die ganz grossen Firmen – sich für IBM entschieden haben, kann das für mich und meine Firma selbst nicht falsch sein. Wie viele wurden da enttäuscht? Einige – vielleicht viele! Nicht immer passt halt etwas für alle – auch hier hätte ein Schwarm von Gleichen vielleicht gute Resultate gebracht. Der „Schwarm“ braucht eine gewisse Homogenität damit er gute Ziele hervorbringen kann. Ebenso braucht er ein eindeutiges, nicht interpretierbares Ziel (Ball ins Tor…), sonst wird alles wieder schwieriger.

Und da jetzt kommen wir an den Punkt, an dem ich schmunzeln musste. Die Schwarmdummheit. Was passiert heute in der Arbeitswelt sehr oft – wir wissen nicht weiter und machen mal ein Meeting. Das ist oft notwendig weil man eine Gruppe überzeugen will oder verschiedene Meinungen haben will. Dann nennt man das oft Workshop. In diesen Workshops nun findet man meist sehr rasch alle Probleme die das Projekt mit sich bringen könnte. Diese werden zu Protokoll gebracht und es wird definiert, dass diese Probleme als Risiken in den Projektplan fliessen werden. Am Ende eines Workshophs hat man gröbste Lösungsansätze (die oft schon in den Traktanden mit drin waren) und einen neuen, wesentlich längeren Risikenkatalog. Ist das nun intelligent?? Nee, aber im „Schwarm“ entstanden, deshalb muss es ernst genommen werden.

Nicht immer ist die Gruppe (und ja, ich weiss, die Schwarmtheorien basieren auf einer weit grösseren Menge an auswertbaren Informationen und somit Gruppen als in einem Workshop anzutreffen sind) wirklich ein Mittel um Wege zu finden. Vielleicht verlieren wir auf diese Weise gar den Mut, Entscheidungen zu treffen und mitzuteilen. Als Absicherung von Entscheiden eine Gruppe zu befragen erachte ich als nutzlos. Die Gruppe kann oder muss informiert werden, dann kann man mal versuchen Entscheide umzusetzen. Wenn es nicht geht, kann man wieder schauen.

Wegkommen sollten wir von der Idee, dass wir alles im Voraus im Griff haben können. Wenn wir es selbst nicht wissen, dann fragen wir mal andere. Wenn keiner genauer Bescheid weiss, fangen wir an zu fantasieren oder bilden weitere Arbeitsgruppen um herauszufinden, ob die Idee tauglich sein könnte. Wäre es nicht besser gewesen, die Energie gleich mal in eine auf den ersten Blick taugliche Idee zu stecken? Würde es nicht manchmal genügen zu entscheiden „ist die Idee einen Versuch wert oder nicht“? Die Betrachtung des schlechtesten Falles würde genügen. Ist der schlechteste Fall so schlecht, dass dies irgendwie existenzgefährdend werden könnte würde ich mal sagen ist die Idee an sich zu schlecht – keinen Versuch wert – auch nicht wert sich über weitere Risiken oder so zu unterhalten. Ist der schlechteste Fall „verkraftbar“ (auf den ersten Blick) sollte man aus meiner Sicht loslegen.

Risikoregister erachte ich als Steuerungselement, welches mit den Projekten mit wächst (wachsen nicht zwingend im Sinne Quantität, sondern Qualität) und nicht zu Beginn stehen muss. Zu Beginn genügt der schlechteste Fall – zumindest oft.

Fazit: Ein Schwarm hilft wahrscheinlich, um zu überleben – selbst dann wenn ein Teil des Schwarms entscheidet den anderen aufzufressen um zu überleben. Dabei enstehen wohl grundsätzlich gute Ideen. Vor allem im beruflichen Umfeld glaube ich, dass durch „Gruppenarbeiten“ (Workshops) sehr oft nur mindere Effizienz und erkennen von möglichen Risiken gefördert wird – zu wenig aber zur Lösung beigetragen wird.

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