Tankstellen gibt es immer weniger im Land, wieso habe ich doch umgekehrt das Gefühl, es gäbe immer mehr? Ziemlich einfach – ich bewege mich meist in Ballungsräumen der Schweiz, den Städten Basel und Zürich hauptsächlich und dort noch an de Hauptverkehrsachsen. Dort gibt es zwar im eigentlichen Sinne auch immer weniger Tankstellen, dafür gibt es immer grössere „Mini-Einkaufszentren-mit-Tankmöglichkeit“.

Die Menschen wollten zu jeder Tages- und am besten noch Nachtzeit einkaufen können. Die Arbeitsgesetze des Landes haben das aber nicht zugelassen. Deshalb gab es an Tankstellen so langsam immer mehr Angebote, Zigaretten (wieso auch immer man gerade Rauchwaren an einer Tankstelle verkaufen sollte….) und Zeitungen gab es schon bald einmal auch bedient, nicht nur aus dem Automaten.

Als sich für einige auch ein erfolgreiches Geschäft abgezeichnet hat sind die grossen Ketten mit aufgesprungen. Wo ich früher noch Migrol-Benzin tanken konnte kriege ich heute Shell und im 1000m2 grossen Kassenhäuschen hat sich ein veritabler kleiner Supermarkt gebildet – ein „Migrolino“. Dasselbe gibt es von Coop und von weiteren Ketten die Angebote bereit stellen oder auch von den Mineralölkonzernen direkt. Bei uns kommt oft noch die örtliche Kopplung zu Fast-Food Angeboten hinzu. Und dies alles an möglichst viel befahrenen Knotenpunkten in nicht dicht besiedeltem Industriegebiet.

Tanken ist also nicht mehr die Gelegenheit dort hin zu fahren. Viele gehen nicht mehr zur Tankstelle um zu tanken, sondern sie tanken während dem sie zu für sie bequemen Zeiten einkaufen. An der Kasse heisst es dann „haben Sie auch getankt“? Oft schon habe ich sogar ein Nein gehört da.

Dass also Tankstellen nur wegen dem Benzinpreis verschwinden halte ich für eine zu einfache Erklärung. Natürlich, wer den Sprung nur so halb geschafft hat (Mini-Shop an der Tankstelle – der Umsatz des Shops reicht eigentlich für die Angestellten nicht, zusammen mit dem Sprit gehts), hat jetzt ein Problem. „Meine“ Tankstelle (ich tanke auf Grund einer Flottentankkarte eine Marke) hat soeben diesen Wechsel durchgemacht. Früher kleiner Shop und Tanke – heute nur noch Tankstelle mit Automat.

Aber mal ehrlich – an einigen Tankstellen stehen ja wieder Angestellte die mich fragen, ob sie mein Auto betanken dürfen (ich habe keine Ahnung, ob die offiziell etwas dafür verlangen würden oder ob das Benzin teurer wäre dann) – ich sage immer nein. Tanken gehört zum Autofahren und ist eine derart einfach Angelegenheit, dass es wirklich niemanden braucht der mir dabei hilft. Ob also eine Tankstelle eine Bedienung hat oder nicht, darauf lege ich keinen wert. Das müsste im Prinzip auch ermöglichen, dass viele kleine Tankstellen mit null Service hätten überleben können.

Auf dem Land sieht ja die Sache dann deutlich anders aus. Dort gibt es oft viele Dörfer lang keine einzige Tankstelle mehr – bis dann irgendwo im Industriequartier ein „Tankstellenungetüm“ mit zusätzlicher Bespassung, Bewirtung und/oder Einkaufsmöglichkeiten auftaucht. Die Leute tanken im vorbei fahren und erledigen gleich noch andere Dinge dabei – passt eigentlich auch.

Lokales Gewerbe sieht sich nun dadurch zusätzlich benachteiligt – hmmm – könnte sein. Wenn ich allerdings ein Gewerbe habe, bei dem ich nur sehr wenig rum fahre, halt mehr oder weniger in meinem Dorf, dann reicht eine Tankfüllung auch schon sehr lange. Vielleicht sogar so lange dass es genügt, wenn man auf der monatlichen „Fahrt in die Stadt“ tanken kann. Nicht ganz so einfach ist das u.U. für die Landwirtschaft – welche aber oft auch mit Zisternen arbeitet was auch wieder geht. Auf jeden Fall konnte lokales Gewerbe ganz offensichtlich das lokale Tankstellengewerbe nicht retten – damit muss man wohl leben.

Fazit: Ich glaube, es gibt genügend Tankstellen in den meisten Regionen der Schweiz, ich bin aber auch sicher, dass es schon mehr gab. Tanken wird oft als Aktion nebenher gemacht – tanken selbst steht gar nicht im Vordergrund. Wir gehen zu McDonalds was holen – och gut, füll doch gleich den Tank noch, ist schon wieder dreiviertel. In meiner Region sind dadurch zwar Schweizer Arbeitsplätze verloren gegangen, ich bin aber der Meinung dass praktisch kein Schweizer einen Arbeitsplatz verloren hat. Die wohl doch schlechten Konditionen dieser Jobs haben bewirkt, dass ich an Tankstellen fast ausschliesslich Elsässer angetroffen habe hier. Für mich passts, selber tanken ist ok, ein bisschen denken beim Tanken auch (nicht fahren bis alle Warnlampen leuchten und dann denken „sch….., keine Tankstellen weit und breit“).

 

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