….oder schlicht und einfach notwendiger Teil der Show? Ich war zu Beginn dieser Diskussionen recht überzeugt; das geht so nicht. Es kann nicht sein, dass ein Sportverband der immer von Zusammenhalt, Fairness und globalen Aktivitäten redet – und diese auch macht – Korruption dulden oder gar fördern kann.

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass die Vorwürfe welche so im Raum stehen allesamt zumindest bestätigt werden können – wenn nicht gar noch mehr ausgegraben wird.

Nach nun etwas längerer Zeit und einigen Überlegungen entwickelt sich aber ein zweites Bild. Dieses wird gestützt durch den Korrruptionsindex  (http://www.transparency.org/cpi2015) und eine Diskussion heute beim Mittagessen – vielleicht ist doch alles ganz anders.

Auf keinen Fall will ich sagen, dass der Herr Joseph Blatter alles richtig gemacht hat oder gar nie eine andere Wahl gehabt hat – trotz allem bin ich mir nicht (mehr) ganz sicher, ob es möglich ist die Fifa ohne Korruption zu führen und zusammen zu halten.

Nun, wie komme ich auf die Idee. Es gibt extrem viele Staaten auf der Welt bei denen Korruption (und alle ähnlichen Begleiterscheinungen) zum absolut normalsten auf der Welt gehören. Es gab (oder gibt vielleicht immer noch, das weiss ich nicht) Länder bei welchen Schweizer Firmen Bestechungsgelder in der Bilanz als Aufwände ausweisen durften. Schlicht und einfach „normal“ ist an solcher Stelle Entscheide mittels „Zusatzleistungen“ zu beeinflussen.

Die Fifa hat nun ihren Sitz in Zürich und die Mitglieder sind verteilt über die ganze Welt. Das heisst, dass auch viele dieser grundsätzlich der Korruption nicht abgeneigten Staaten oder gar derer, die ohne nicht mehr funktionieren würden auch zu den Mitgliedern zählen. Im Umkehrschluss – wenn ich dort was erreichen will, muss ich die Sitten und Gebräuche des Landes annehmen um erfolgreich zu sein.

Wenn nun ein Grossanlass vergeben wird – wie soll ich mich verhalten mit solchen Ländern? Wären die Länder unter sich wäre alles klar und auch „ok“; es muss halt Geld fliessen, dann kann was gehen. Kommt die grosse und globale Fifa, was dann? Dann verhalten sich die Regierungen und die Leute in diesen Ländern, die etwas zu sagen haben (die sollte man oft nicht mit den Regierungen verwechseln…) plötzlich ganz anders und vollkommen korrekt? Eine Illusion derer man sich hingibt in dem Fall.

Was also die Vergabe von Grossanlässen angeht könnte ich mir vorstellen dass bei der Schmiererei von Funktionären einfach nur eines passiert ist, man hat sich den Gepflogenheiten und Gebräuchen dieser Staaten angepasst – im Prinzip nicht verkehrt. In dem Punkt bin ich deshalb immer mehr der Meinung – das ist nicht sauber wenn wir unsere Wertvorstellungen zum Maßstab nehmen, aber angepasst im Umgang mit fremden Kulturen.

Somit wiegt für mich in der Zwischenzeit viel schlimmer, dass es offensichtlich auch zu persönlichen Bereicherungen unter „Sauberkulturellen“ gekommen sein soll. Die Verlockung dürfte für den einen oder anderen gross gewesen sein, sich auch umgekehrt kulturell anzupassen. Da hört dann auch für mich der Spass und das Verständnis absolut auf. Ebenso wenn wirklich direkt aus Einnahmen in die eigene Kasse gearbeitet wurde, auch das geht nicht.

Es gibt wohl viel aufzuräumen und ich bin überzeugt, das geht nur mit einem neuen Chef. Ob man eine Balance finden kann zwischen „korrekter Korruption“ und „unsauberen Machenschaften“ weiss ich nicht, ich denke mir aber, dass dies unmöglich sein könnte.

Fazit: Die Bosse und die, die jetzt am Pranger stehen müssen allesamt weg. Deren Glaubwürdigkeit ist zerstört und für einen neuen Anfang braucht es genau diese Glaubwürdigkeit. Ob es allerdings möglich ist eine Organisation wie die Fifa ohne Korruption zu führen und betreiben – man muss schon immer im Hinterkopf behalten, dass der Fussball Millionen von Menschen (und oft gerade die armen Menschen) fasziniert und Ihnen ein Gemeinschaftsgefühl gibt. Ich bin gespannt, wie sich diese Organisation weiter entwickeln wird und wer am Ende bereit sein wird, den Chefposten dort zu übernehmen.

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