Man hat das Gefühl, wer etwas auf sich hält muss einen Diesel fahren. Ich habe auch schon Diesel-Autos gefahren. Keine wirklichen Traktoren, eines von BMW, eines von Mercedes – beide haben mir nur beschränkt Spass bereitet.

Natürlich stimmt es, ein Dieselfahrzeug fühlt sich im ersten Moment irgendwie stärker an. In grossen Gängen hat das Fahrzeug mit wenig Drehzahlen immer schon genügend Kraft um auch auf der Autobahn mal im grössten Gang nach einer 80er Zone wieder zu beschleunigen. Geht beim Benziner nicht – oder – hmm, zumindest früher viel langsamer.

Allerdings ändert sich das Bild dann manchmal deutlich. Wenn der Diesel (bis auf ein paar Ausnahmemotoren) dann mal so drei oder dreieinhalb tausend Umdrehungen erreicht hat wird es eigentlich nur noch lauter und sonst nichts mehr – und bei vielen ist bei 4.5 oder 5t Umdrehungen fertig lustigt. Beim Benziner – ja, da geht dann mal ein bisschen mehr, bei den meisten Motoren entsteht „oben hinaus“ noch etwas zusätzliche Leistung. Leistungsgleiche Fahrzeuge mit Benzinmotor beschleunigen meist schneller von 0 auf 100, brauchen aber länger von zum Beispiel 80 – 120 ohne den Gang zu wechseln.

Das bedeutet nichts anderes als dass wir die 7, 8 und 9-Gang Getriebe nur dem Diesel zu verdanken haben. Weil dieser nämlich für gewöhnlich nur über zwei oder dreitausend Umdrehungen wirklich gute Leistungen bietet braucht er schlicht mehr Gänge um immer optimal zu fahren.

Heute sind die Benziner sehr oft mit Turbomotoren ausgestattet. Die ersten Benzin-Turbos waren ja wirklich kein Vergnügen (da hatte ich mal einen Mitsubishi Colt Turbo im Schuhschachteldesign mit schlicht zu viel Leistung für das Blech). Wenig Umdrehung – nix geht – mehr Umdrehungen – weiterhin nix. Dann aber plötzlich die Explosion – bei meinem Mitsubishi war es im nassen problemlos möglich im dritten Gang bei etwa 60 die Antriebsräder (vorne natürlich) zum durchdrehen zu bringen. ESP gab es nicht – den Verbrauch habe ich nirgends aufgeschrieben (aber nach 300km tanken war normal, 45 Liter Tank – aber das war ja auch ein Auto im Golf Format, das braucht halt ein bisschen was um vorwärts zu kommen).

Heute sieht das auch bei den Benzinern anders aus. Die Turbolader unterstützen nicht mehr in der Maximalleistung sondern bei sehr niedrigen Drehzahlen das Drehmoment welches wir als „Stärke“ eigentlich besser wahrnehmen als die PS. Somit wird die Schwäche ausgeglichen und die Stärke „oben raus“ bleibt erhalten. Dadurch dürfen die Gänge länger bleiben und bei jeder Geschwindigkeit stehen mindestens drei brauchbare Getriebeabstufungen zur Verfügung. Es gibt Studien die klar belegen – eigentlich kann der Benziner immer und in jeder Situation mehr Leistung zur Verfügung stellen. Das geht einfach etwas gefühlt mühevoller.

Ebenso konnte ich mich mit dem Klang nie wirklich anfreunden. Diesel sind zwar heute ausser am Morgen früh nicht mehr hörbar lauter als Benziner, aber irgendwie ist das „Klopfen“ im Innern des Fahrzeuges doch nicht ganz das was man sich so wünscht. Allerdings muss ich zugeben, dass die heutigen Mittelklassemotoren (allesamt Vierzylinder damit der Normverbrauch auch schön niedrig bleibt) jetzt nicht den sexy Sound bringen der uns schwach werden lässt.

Verbrauch – ja, ist ein Thema. Trotz heute komplett anderer Auslegung und Möglichkeiten durch Direkteinspritzung bleiben Benziner etwas durstiger. Wie viel kommt wohl sehr auf die Fahrweise an. Während Diesel durch ihr begrenztes Drehzahlband irgendwie eine obere Grenze haben, scheint diese bei Benzinern nicht vorhanden. Gemütlich gefahren dürften weiterhin so 20% Mehrverbrauch mindestens zu kalkulieren sein.

Umwelt – da muss man zu den Dieseln nicht viel sagen, durch Filter und hoffentlich nicht manipulierte Software sind auch diese recht sauber geworden. CO2 geben sie bei gleichem Verbrauch mehr ab, dort stellt sich wohl in etwa eine Patt-Situation ein. Der Minderverbrauch kann nicht 1:1 in weniger Schadstoffe umgemünzt werden. Weiterhin gilt, Diesel verbrennt schmutziger (muss viel mehr gefiltert werden weil er schon beim Einspritzen zu brennen beginnt) als Benzin. Die höhere Energiedichte und Effizienz von Diesel erkauft man sich also mit Abgasen die mehr Reinigung benötigen. Was die Gewinnung angeht ist das im Prinzip egal, aus einem Barrel Rohöl (159l) entstehen – ohne dass das genau Zahlen wären – etwa 40 Liter Benzin und etwa 35 Liter Diesel und dies immer gleichzeitig. Aus Rohöl NUR Benzin oder Diesel herzustellen wäre absolut unsinnig. Wenn wir nun die durchschnittliche Effizienz noch nehmen (Annahme Benzinmotor ca. 35-38%, Dieselmotor etwas über 40-45%) sieht man doch, das Ganze ist nicht wirklich effizient, da bleibt doch einiges an Energie auf der Strecke. In der Raffiniere (Stoffe die weg müssen) und danach über die Hälfte im Motor, der statt schön schnell und sparsam dafür schön warm wird ;-).

Fazit: Mein Vierzylinder-Turbo-Benziner (2 Liter, 184 PS, 7.7s auf 100, 235km/h max, Normverbrauch 6.1l/100km) benötigte bis jetzt 7.47 Liter Normal bleifrei über etwa 40tausend Km gerechnet pro 100 (174g CO2/km). Mein Diesel vorher (6-Zylinder 3 Liter, 211 PS, 7.5s auf 100, 220km/h max, Normverbrauch 8.4l/100km) auf etwa 10tausend Km 8.36l/100km (221g CO2/km). Für mich hat sich das gelohnt, weniger Umweltbelastung, weniger Kosten, mehr Spass aus dem Motorraum. Ich geniesse diesen Spass immer wieder im Pendlerverkehr und frage mich, was mache ich eigentlich mit den 100 PS die ich nie brauche? Ich glaube aber, für den Moment ist für mich ein Dieselfahrzeug kein Thema – es gäbe vielleicht ein paar Ausnahmen – oder nein, eigentlich nur eine – einen BMW M550d Touring – der braucht dann wieder 10l, würde aber Spass machen – wobei ich nicht sicher bin, ob meine Kinder und/oder meine Frau da derselben Meinung wären :-))