Heute in der Zeitung – Apple hat mit der Apple Watch Rolex was den Umsatz angeht eingeholt (3,5 Milliarden etwa) – Tendenz steigend. Kaum waren die Artikel draussen kamen schon sehr viele Leute und haben den Vergleich reklamiert, gar als untauglich deklariert (Äpfel und Birnen vergleichen war noch auf der netteren Seite – Schrott gegen Gold schon etwas konkreter…).

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Vergleich so nicht ganz korrekt ist. Allerdings ist das schon eine beeindruckende Zahl zumal eine durchschnittliche Rolex wohl so um die 10’000.– Schweizer Franken liegen dürfte. Ganz und gar nicht hinkend finde ich den Vergleich aber trotzdem, und zwar weil es um eine andere Frage gehen könnte. Kaufen die Leute, die sich eine Apple Watch kaufen noch eine Uhr? Tragen diese dann zwei Uhren? Haben sie die Apple Watch wegen ihrer Funktion als Uhr gekauft?

Ich habe nur für mich antworten, aber die scheinen mir irgendwie theoretisch schlüssig. Kaufen Apple Watch Käufer noch eine Uhr? Ja, Sammler und Liebhaber der mechanischen Uhrenkunst werden auch weiterhin noch eine Rolex oder etwas aus dieser Liga kaufen und auch tragen. Nein, „normale“ Menschen die eine Uhr wollen um die Zeit abzulesen und die jetzt Gefallen dran finden, dass dir Uhr noch etwas mehr kann als das, werden keine zusätzliche Uhr mehr kaufen.

Dass jemand gleich zwei Uhren trägt – eine Apple Watch und eine mechanisch hochwertige – ja, warum nicht, kann ich mir vorstellen, ist ja nicht das gleiche. Dass jemand allerdings eine Casio und eine Apple Watch gemeinsam tragen wird, eher nicht.

Die wichtigste Frage ist doch, wieso hat man die Apple Watch gekauft. Die schlimmste Antwort für einen Teil der Uhrenindustrie hier wäre – weil sie Style hat. Das würde nämlich einen immensen Druck auf alle Uhrenhersteller generieren, die genau in diesem Preissegment (sagen wir mal bis ca. 1000.–) ihre Ware bereit stellen. Nicht viel besser – aber dann gleich für alle Uhrenhersteller – wäre es, wenn die Uhr wegen der Funktionalität gekauft hat. Da muss sich zwar zuerst noch heraus stellen, ob diese wirklich „gebraucht“ wird oder von den Menschen wirklich nachhaltig angenommen. Wenn die Funktionalität aber das ausschlaggebende Kriterium ist wird es für alle schwierig, die keine solche Funktionalitäten anbieten können.

Tag Heuer hat bewiesen, dass es einen Markt gibt für Smartwatches von namhaften Herstellern, ihre Smartwatch hat sich sehr gut verkauft für deren Verhältnisse. Bisher wurden die Smartwatches von Computerherstellern (mehr oder weniger) hergestellt. Das muss sich drehen – das gesamte Wissen wie man hochwertige Uhren herstellt muss nun ebenfalls her halten, um ganz tolle Smartwatches entstehen zu lassen. Die geplanten Kombinationen könnten ein Weg sein – mechanische Uhr = ich weiss immer wie spät es ist plus Smartwatch-Funktionen = ich kann Mails lesen, kriege Termine aus Handgelenk usw, zumindest so lange das Ding Strom hat.

Das ist aktuell für mich eines der Kriterien, die mich zögern lassen. Brauche ich wirklich eine Uhr, auf die ich mich im Sinne „wie spät ist es“ auf Grund von täglich leerem Akku nicht verlassen kann? Eher nicht – wobei auch hier viele bereits jetzt nur noch mit dem Handy unterwegs sind – aber dann bräuchte ich ja auch die Uhr nicht mehr.

Ich kaufe (noch) keine, bin mir nicht sicher ob das nicht einfach zusätzliche Hektik ins Leben bringt – das bräuchte ich ja nicht unbedingt. Seit meiner kompletten Falscheinschätzung was das iPad angeht (ich war und bin der Meinung, dass man so etwas nicht braucht, wenn man es aber hat, ersetzt es den traditionellen Computer halt schon in vielen Fällen sehr elegant – das mussten die Computerhersteller deutlich spüren) bin ich da recht vorsichtig. Sollten sich diese Uhren weiter so rasant verbreiten profitieren davon die Computerhersteller. Uhrenhersteller müssen da zwingend mit ziehen – schon allein um den Aufsprung auf einen Trend nicht zu verpassen. Seit Apple hier mit spielt (es gibt ja noch unzählige andere Smartwatches schon jetzt..) wird der Markt gross und grösser. Ob es zu einer Sättigung wie beim iPad kommen wird – gut möglich, aber bis dahin werden viele Geräte über den Ladentisch gehen.

Ebenfalls noch etwas unsicher bin ich mir was die Entwicklung angeht. Nachdem viele Leute oft klaglos akzeptieren, dass man halt alle zwei Jahre spätestens ein neues iPhone kaufen muss wird uns mit der Smartwatch schon ein zweites solches Gerät untergejubelt. Auch dort werden Neukäufe nach ein oder zwei Jahren zum Standard werden. So langsam geht das dann aber doch aufs Familienbudget würde ich sagen. Deshalb wäre auch hier eine hochwertige Uhr in modularer Bauweise spannend. Irgend ein „Ding“ bei dem ich den Smartwatchteil separat auswechseln könnte wenn Aktualisierungen notwendig werden – und dies zu einem relativ günstigen Preis. Ich bin gespannt.

Fazit: Ich hoffe, die Uhrenhersteller sind wach in dem Umfeld und lassen sich nicht überfahren. Das traditionelle und extrem hochwertige Uhrenhandwerk wird seine Umsätze auch weiterhin machen – aber es könnte für die Hersteller im mittleren Bereich richtig schwierig werden sofern die nicht in der Lage sind, an diesem Markt teil zu nehmen. Wenn es eine richtig schöne IWC mit (austauschbarem, damit es aktualisiert werden kann) Smartwatch Teil gibt werde ich vielleicht auch mal wieder schwach was eine hochwertige Uhr angeht.

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