Ich liebe unseren Schweizer Kanton Tessin. Südlich der Alpen versprüht dieser durchaus südliches Temperament und viel mehr noch gibt es wenige derart spektakuläre Landschaften. Es sind nicht die felsigen Alpen, es sind extrem steile Berge, bewaldet, die Steilhänge enden in wunderbaren Seen. Ein Traum was die Landschaft angeht – ist zumindest meine Meinung.

In der Schweiz redet man oft von der „Sonnenstube“ des Landes. Wer schon oft da war oder wer Wetterstatistiken liest weiss, das stimmt leider nur zum Teil. Nirgends regnet es mehr im Sommer als im Tessin – aber es ist immer wärmer dabei als im Norden der Schweiz. Auch ich war schon da in den Ferien – und wir haben täglich gesehen wie der Fluss unter unserer Wohnung höher und höher geht. Das ist eines der Probleme für Urlauber im Tessin – vier Stunden weiter fahren mit dem Auto und die Wettersicherheit nimmt deutlich zu.

Allerdings bin ich trotzdem der Meinung, dass die Tessiner Bevölkerung die Situation deutlich falsch einschätzt. Der Teil der Schweiz ist wirtschaftlich kein Renner. Italien ist sehr nahe und man spricht erst noch dieselbe Sprache. Schon vor langer Zeit hat man sich also auf den Fremdenverkehr konzentriert.

Auch heute ist der Tourismus ein extrem wichtiges Standbein der Tessiner Wirtschaft. Nun werden ein paar Probleme diskutiert. Ich bin jetzt wieder darüber gestolpert weil irgend wer aus dem Tessin die Fluggesellschaft Swiss kritisiert hat – die fliegen Lugano (grosse Ortschaft im Tessin mit Flughafen) nicht mehr an. Ich denke, die werden ihre Gründe haben, vielleicht ist einfach keiner hin geflogen. Ebenso werden die Staus am Gotthard verurteilt – obwohl die eigentlich ein gutes Zeichen sein müssten. Scheinbar wollen viele Menschen in diese Richtung fahren……

Wahrscheinlich fahren aber viele einfach weiter. Ich bin in der Zwischenzeit überzeugt, das der Kanton Tessin sich selbst in eine Situation manövriert hat, die sehr sehr unbequem ist und unter Umständen noch extremer werden kann. Die Angebote sind einfach extrem teuer – und ich bin echt überzeugt, dass dies das wesentlich grössere Problem ist als die Verkehrssituation. Für halb Europa ist „dank“ Gotthard (und nebenbei dem Brenner, da läufts in der Hauptsaison auch nicht immer wie geschmiert…) das Meer in Italien nur unwesentlich weiter entfernt. Aber es kostet die Hälfte….

Ich habe mich selbst schon sehr oft geärgert über die Preise, die verlangt werden. Ebenso bin ich aber der Meinung, dass wir Schweizer mit unseren hohen Löhnen unsere Mitschweizer manchmal unterstützen sollten. Aber auch da ist etwas nicht im Lot – dass man im Tessin von einem Schweizer bedient wird ist eher die Ausnahme – das zu erkennen ist auf Grund der identischen Sprache der Gastarbeiter (italienisch) oft aber sehr schwierig. Die Schweizer sind „nur “ Grossgrund-, Hotel- oder sonstige Besitzer die schauen, dass die Rendite hoch bleibt.

Natürlich werde ich mit diesen Aussagen einigen Unrecht tun. Natürlich sind nicht alle Tessiner geldgierige Schwe…..e welche Touristen ausnehmen wollen. Jedesmal wenn ich dort bin oder wenn ich wie im Moment die Tessiner klagen an die Schweizer Regierung höre bin ich sicher, dass es doch viel davon gibt. Das macht alles ein bisschen unsympathisch.

Letzten Sommer waren wir in einer Wohnung an bester Lage im Tessin zu einem sehr vernünftigen Preis mit einer äusserst vertrauensvollen Vermieterin. Das hat Spass gemacht und ich bin überzeugt wären alle so, würden einige mehr die Kilometer nach Italien sparen und die Berge und die Wärme im Tessin geniessen.

Über die Preise in Restaurants oder so lasse ich mich hier jetzt nicht aus, dieses Problem hat nichts mit dem Tessin zu tun, das kennen wir in der ganzen Schweiz.

Fazit: Tessiner, ihr habt mit eurer Landschaft eine touristische Ausgangslage wie dies nur selten auf der Welt zu finden ist. Allerdings ist ein Urlaub bei euch schlicht und einfach zu teuer oder die Leistungen stimmen nicht. Als Schweizer habe ich oft das Gefühl, dass da ein paar Schweizer reich wurden (oder immer noch werden) indem Gastarbeiter billige Arbeit machen. Es ist kein Problem der Schweizer Politik oder des Staus am Gotthard, dass es im Süden der Schweiz nicht nach Wunsch läuft – es ist ein Problem der Gier aus meiner Sicht. Ob die Swiss da hin fliegt oder nicht – total egal – wer mit dem Flieger kommen will fliegt nach Mailand, per Transfer in 1 bis maximal 2,5 Stunden ist man vor Ort. Zum Vergleich – wer in Mallorca im Osten der Insel wohnt (oder noch schlimmer im Süd-Osten) hat dieselben Transferzeiten………