Anzüge sind irgendwie doof. Nicht dass ich solche nicht gerne tragen würde, aber das Verschleissverhältnis Hose-Sakko ist gefühlt etwa 1:10, mindestens. Das heisst, irgend wann am Morgen vor dem Schrank hat man eine Reihe Sakkos, aber keine Hosen mehr dazu. Wenn man wie ich noch mehrere in einer Art Grau hat ist es auch ganz spannend in den Wintermonaten im Kunstlicht morgens um 6 das mit Sicherheit so festzustellen. Zum Kunstlicht kommt noch meine allgemeine Verfassung um die Tageszeit dazu, da ist dann schnell mal alles was grau ist auch gleich grau. Also ich habe mich auch schon mit ganz spannenden „knapp daneben ist auch vorbei“ Kombinationen gekleidet. Da ich eher in einer Männerwelt arbeite, fällt das meist aber dann doch den ganzen Tag keinem auf – oder zumindest ist es niemandem eine Bemerkung wert.

Das war jetzt einfach mal eine Einleitung um klar zu stellen, es geht hier nicht um Shopping sondern um eine Art Wiederherstellung der Arbeitstracht oder Uniform. Ich habe beschlossen, das muss heute sein. Wenn ich mal so was beschliesse und motiviert bin ist es besser, diese Phase auszunutzen – auf Befehl kann ich so was nicht.

Ok, ein Shoppingcenter bei uns ums Eck hat bis um 20 Uhr offen, in mindestens drei verschiedenen Läden wird es Anzüge zu kaufen geben. Um 18 Uhr werde ich zu Hause ermahnt, dass das jetzt schon so langsam knapp wird. Nun gut, ich habe vorher an unseren zu reparierenden Zaun hantiert, muss also schon noch kurz unter die Dusche.

Um 18.48 parken wir unser Auto in der Garage des Shopping-Centers. Bitte gleich hier beim Eingang parken, wir haben nicht mehr viel Zeit…tönt es da vom Beifahrersitz. Was heisst hier nicht mehr genügend Zeit? Entweder Geschäft A hat Anzüge die mir gefallen und sitzen und preislich passen. Dann kaufe ich zwei davon und wenn es geht zu jedem zwei Paar Hosen. Falls es Anzug-Kandidaten gibt in dem Geschäft dauert es noch 5 Minuten mehr diesen anzuprobieren und festzustellen passt oder passt nicht. Wenn der eine passt, dann kann ich eine andere Farbe von demselben Modell auch ohne Anprobe kaufen – also, ich könnte, wäre ich allein beim Einkauf.

Das obligate „die Hosen sind halt noch zu lang, die muss man noch kürzen“ verbunden mit dem Raufkrempeln eben dieser vom Verkäufer ist mir auch eine schleierhafte Geschichte. Männer mit Bauch wie ich werden immer Anzüge kaufen mit zu langen Beinen und wenn man diese kurz in der Kabine hoch krempelt weiss ich danach auch nur, dass die eben gekürzt besser aussehen würden. War das überhaupt mal eine Frage?

Gut, heute ist es gut gelaufen, Ausverkauf 50% und 70%, alles hat gepasst, für den Preis den man normalerweise für ein Sakko bezahlt zwei Anzüge mit vier Hosen gekauft. Zeit: 19:15.

Ich habe viele Krawatten, wer diese aber oft im Alltag trägt weiss, dass die knittrig werden und auch u.U. von den Pultkanten in Mitleidenschaft gezogen werden und Fäden ziehen. Mir geht es oft so, deshalb habe ich viele Krawatten aber eigentlich selten „perfekte“ sondern halt alles solche mit etwas Patina.

Der Beschluss war klar, eine Krawatte muss noch. Das Geschäft mit den tollen Anzügen kannte nur graue oder anders graue Krawatten, war also keine Alternative. Raus aus dem Geschäft, Zielrichtung Herrenausstatter Nummer zwei. Oh, hoppla, vorbei gelaufen? Was hat das zu bedeuten. Meine Nachfrage wurde beantwortet mit: „Da gibt es sicher welche und auch schöne, aber da vorne gibt es wahrscheinlich auch welche und günstiger“. Ich wäre ja direkt dorthin, wo sicher eine brauchbare Alternative zu finden wäre. Aber ich verstehe natürlich, dass man der Verlockung eines etwas kleineren Preise nicht widerstehen kann – auch wenn das nur vielleicht so kommen wird.

Es hatte keine passende – aber ich gebe zu, die wären günstig gewesen. Also wieder zurück in das Geschäft wo es sicher welche gibt, was dann auch so war. Ein total erfolgreicher Einkaufstag, die Panik wegen eventuell fehlender Zeit hat sich als eine Mär heraus gestellt, wir konnten sogar noch ein Nachtessen für uns einkaufen im vorbeigehen.  Nachdem wir uns nicht für ein Nachtessen entscheiden konnten und gefühlt ewig in dem Geschäft rum gelaufen sind war jetzt doch auch 20 Uhr geworden. Was war ich froh, dass wir es in der Zeit geschafft haben. Habe ich schon gesagt, dass ich somit ein Tasche mit zwei Anzügen und zwei zusätzlichen Hosen eine gute halbe Stunde durch das Einkaufscenter getragen habe? Na ja, erspart kurzfristig das Fitnessstudio.

Fazit: Ich mag es, wenn meine Frau dabei ist wenn ich mir Kleider kaufe. Erstens verlasse ich mich gerne auf ihr „das passt, das passt nicht“ Urteil und zweitens wären die Diskussionen über „violette Krawatten sind nicht schön, zumindest nicht dieses violett, ganz sicher nicht mit diesen Punkten“ verloren.  Dass ich unter Umständen die ganze Aktion noch speditiver hätte erledigen können steht ausser Frage – das ist nun wohl der Unterschied. Für mich ist „shoppen“ einkaufen von Dingen die ich benötige, für andere geht es auch um das Erlebnis. ….ich habe keine violette Krawatte gekauft, Punkte darauf hin oder her – falls es jemanden interessiert!

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