Da man auf der Autobahn doch nicht immer so ganz ausgelastet ist mit dem Fahren allein bleibt manchmal etwas Zeit um andere zu beobachten. Dabei kann man durchaus spannende Erkenntnisse erlangen mit der Zeit.

Zum Beispiel ist es weder kantonal noch vom Geschlecht her unterschiedlich wie oft Menschen im Auto in der Nase bohren. Grundsätzlich kein Problem, dafür braucht man ja nur eine Hand. Allerdings frage ich mich seit dieser Erkenntnis doch schwer, ob es nicht doch besser ist ein neues Auto zu kaufen. Zumindest ist mir etwas klarer woher der hohe Wertverlust eines Fahrzeuges zu Beginn auch stammen könnte.

Ich fahre die längste Zeit durch den Kanton Aargau. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Aargauer Eigenheiten nicht als grundsätzlich zu betrachten sind. Schnelles fahren (wobei mir hier mehr Berner auffallen als Aargauer -> vielleicht müssen die ja hier etwas gut machen im Bereich Geschwindigkeit) und sehr nahes Auffahren und Drängeln im dichten Verkehr. Dies würde ich als die grösste Spezialität der Aargauer ansehen.

Die Basler (…tendenziell eher die Städter….) sind dafür sehr gut, auf der mittleren Spur mit 10km/h weniger als erlaubt stoisch zu verharren. Selbst rechts vorbei fahrende Lastwagen können an der Überzeugung Gutes zu tun dieser Fahrer selten etwas ändern. Mir hat man immer gesagt, dies sei ein  „Frauenproblem“ – das kann ich nicht bestätigen, ich sehe da keine Häufung.

Die Schlangenlinienfahrer verteilen sich ebenso etwa in gleichen Mengen unter den Frauen und Männern. Was früher noch ein Indiz für eventuell nicht 100%-ige Zurechnungsfähigkeit zum Beispiel durch Alkohol war ist heute fast immer zusammen mit einem erhellten Gesicht zu beobachten. Das Gesicht wird von dem Smartphone erhellt mit welchem man mittels Messaging gerade bei 120 versucht die Welt zu retten – und eventuell sich selbst und ein paar andere gefährdet. Das Retten der Welt bringt aber selbstverständlich immer auch ein paar Kollateralschäden mit sich, ist halt nicht zu vermeiden.

Einige „spielen“ mit dem Tempo. Erst gerade mit 122 einen überholt zieht er plötzlich mit 140 vorbei, biegt vorne wieder ein um dann mit 121 weiter zu fahren. Meist gehört dieses Verhalten auch mit dem Retten der Welt zusammen, allerdings gibt es auch welche, die wohl „einfach so“ ihr Tempo in etwa 20-30 km/h variieren und dies absolut ohne ersichtlichen Grund. Hier stelle ich weder kantonale noch geschlechtliche Unterschiede.

Rauchende Autos – also zum Fenster raus, die Menschen die im Auto rauchen – sieht man meist nur im stockenden also langsamen Verkehr. Da habe ich das Gefühl sehe ich mehr Frauen als Männer. Sehr komplex wird die Situation, wenn man noch gleichzeitig zum Rauchen die Welt retten muss (via WhatsApp), das Lenken mit den Knien ist nicht allen gleich gegeben und führt zu erweiterten Schlangenlinien.

Einspuren bei Spurverengungen erscheint mir auch eine Schweizer Spezialität. Die einen fädeln schon einen Kilometer vor der Verengung ein anstatt einfach mal vor zu fahren. Die anderen lustigen lassen die Einfädelnden nicht rein damit sie ein Auto früher sind (was auch zur Rettung der Welt beitragen könnte….). Ok, ich gebe zu, da reden wir mehrheitlich von Männern…

Ähnlich wie bei Spurverengungen verhält sich das natürlich auch beim Anfahren auf Staus. Wehe man fährt da links noch bis zum Stauende und versucht dann vorne rein zu kommen. Gut, in weit über 90% der Fälle kein Problem, weil so müsste es ja sein. Die anderen 10% sind die Situation in denen ich mich wirklich nur amüsieren kann. Ich glaube es gibt das welche (…und ja, auch in dem Fall eher Männer – oder vielleicht nur Männer…) die würden kleinere Blechschäden dem Aufgeben ihrer Position im Stau vorziehen.

Fazit: Im Auto andere beobachten ist eine recht lustige Sache – obwohl man Dinge erkennt, die man nicht unbedingt braucht. Vieles wird auch gemacht, was ich durchaus als gefährlich bezeichnen würde. Wichtig ist einfach für jeden Fahrer, selbst ist man perfekt, nur die anderen fahren blöd.