Formel 1, ein Sport (ich will jetzt keine Diskussion über Sport ja/nein hier lostreten, ich nenne das jetzt einfach mal Sport) bei welchem es schon immer darum ging, Grenzen zu finden. Technisch sowieso, Motoren, Gewicht, Reifen – in all diesen Bereichen wurden immer die Grenzen gesucht. Da erreichten in der 2-Liter 4-Zylinder Turbo Ära die besten der Gattung über 1000 PS, sind dann aber auch mal regelrecht explodiert.

Als es mal für ein paar Jahre zwei Reifenhersteller gab, war einer davon (Michelin) oft deutlich schneller als der andere (Bridgestone) – und fast genau so oft ist einer dieser Michelin Reifen in Einzelteile zerfetzt mitten in der Fahrt. Die Grenzen waren ausgelotet, man war einen Schritt zu weit gegangen. Wie sonst kann man die echte Grenze finden, erst wenn man Sie überschritten hat, kann man mit Sicherheit sagen wo diese liegt.

Michelin war somit bisher auch der einzige Reifenhersteller der die von ihm belieferten Fahrzeuge auf Grund von Sicherheitsbedenken aus dem Rennen (Grosser Preis der USA, Indianapolis, 2005) nehmen musste. Der Hersteller war sich sicher, dass seine Reifen das Rennen nicht überstehen würden.

Nun am Wochenende ist meinem Lieblingsverlierer in der Formel 1 (Vettel – für die weniger Eingeweihten) ein Reifen geplatzt. Er und sein Arbeitgeber haben sich für eine Strategie entschieden, die auf dem Papier hätte gehen können. Die Aussagen des Reifenherstellers (Pirelli) deuteten darauf hin. Dort wurde gesagt, man soll die Reifen zwei oder drei Mal im Rennen wechseln, was einer Rundenzahl von etwa 15 Runden entspricht. Bei dieser Empfehlung wird nicht nur die Haltbarkeit beurteilt, sondern auch die Performance. Als maximal mögliche Haltbarkeit wurden 40 Runden angegeben, also fast das gesamte Rennen.

Da Ferrari am ganzen Wochenende absolut nicht konkurrenzfähig (einfach zu langsam…) war, musste das Team Risiken eingehen und hat sich entschieden, die Reifen nur einmal zu wechseln. Das auf einem Kurs, der als anspruchsvoll für die Reifen gilt und auch immer ziemlich dreckig ist (für Formel 1 Reifen auch ein Problem, die sind sehr sehr weich so dass kleine Dinge grossen Schaden anrichten können).

Der Plan schien aufzugehen und Vettel wäre der Held des Rennens gewesen, trotz einer nicht wirklich funktionierenden Kiste mit genialer Strategie aufs Podest – leider nur fast, wenige Kilometer vor dem Ziel ist ihm der Reifen um die Ohren geflogen. Danach im Interview wurden wir aufgeklärt, die Reifen von Pirelli sind Scheisse und waren das schon immer…..

Da schaue ich doch mal zurück, Renault war totale Scheisse, so lange Vettel bei RedBull war hatten sogar diese das immer wieder gepredigt – heute? – Renault ist weiterhin nicht konkurrenzfähig, aber man hat sich für den Moment arrangiert.

Ich finde es echt lustig wie gut dieser Mann verlieren kann. Motorsport ist ein Teamsport – dass immer am Ende die Fahrer die Helden sind ist im Prinzip nicht die ganze Wahrheit. Reifen gehören nun zum Team, und wenn halt da mal was passiert, gehört dazu, vergessen und weiter.

Spannend dazu ist, dass die Teams und die Veranstalter auch Vorgaben machen an den Reifenhersteller wie zum Beispiel gerade wie viele Runden sollte ein Reifen „halten“ – so wurden die Rennen in der Vergangenheit auch etwas spannender gemacht. Normalerweise werden die Kisten halt langsamer, wenn man einen Reifen zu lange fährt – mit der Ferrari Performance vom letzten Wochenende war das vielleicht gar nicht wirklich zu bemerken und dann ist er geplatzt.

Fazit: Vettel ist eigentlich nur lustig, wenn er verliert, dann schaue ich die Interviews sehr gerne! Dass er dabei über Partner herzieht ist nur schlechter Stil. Ich bin sehr gespannt, wie viele solcher Wochenenden es noch braucht, bis Ferrari aus seiner Sicht auch nicht mehr ganz so toll ist – wahrscheinlich nicht viele. Wie sich die letzten Rennen so entwickelt haben darf man davon ausgehen, dass Vettel und Ferrari am nächsten Wochenende in Monza nicht den Hauch einer Chance haben werden – mal schauen, wer dann schuld sein wird :-)! Och, nebenbei, es gibt 1000 Gründe wieso man mit einem Formel 1 Auto verunfallen könnte – der Job ist gefährlich (für die, die das vergessen haben), dafür ist die Bezahlung der Stars ja doch ganz ok.

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