Ein beliebtes Sommerloch Thema für die Medien scheint die Problematik um den Wasserpreis in Restaurants zu sein. Nicht zum ersten mal wenn die Zeitungen nicht mehr wissen was man schreiben könnte, kommen Artikel zu dem Thema.

Zuletz erst wieder auf Grund eines Beizers in Basel, welcher für den Liter Wasser (Leitungswasser wohlverstanden…) CHF 9.60 verlangt. Auf Nachfrage von Zeitungen hat er geantwortet, dass das Wasser aufbereitet wird – hmmm – naja, in Basel nicht notwendig, höchstens kühlen wäre vielleicht nett (auch nicht zwingend). Soweit ja noch ganz gut. Die Dame die das Thema immer wieder aufbringt kommt vom Konsumentenschutz – zu dieser wusste eben dieser Wirt zu sagen, dass die wohl langsam am Verblöden sei weil sie dieses Thema immer wieder aufbringt.

Die dazugehörigen Kommentare waren recht vernichtend, viele haben sich geäussert und in solchen Aktionen einen der Gründe identifiziert, wieso so viele Leute in grenznahen Gebieten die paar Kilometer Fahrt in Kauf nehmen und im benachbarten Deutschland oder Frankreich zu essen.

Selbst mache ich das sehr selten, mindestens 9 von 10 mal auswärts Essen findet bei mir in der Schweiz statt. Deshalb erlaube ich mir hier auch einige Bemerkungen dazu, weil ich wirklich gerne hätte, dass sich einige Dinge an einigen Orten ändern.

Die Diskussion ums Wasser ist peinlich – peinlich dass diese geführt werden muss. Kein Mensch spricht ja davon, dass ich mich ins Restaurant setzen kann, gratis einen Liter Wasser trinken und dann wieder gehen kann. Es geht mir darum, dass ich nachdem ich zu zweit für CHF 100.– oder so (ohne Wein, mit Wein tendiert der Preis dann eher zu 200.–) konsumiert habe eigentlich keinen Bock habe für die anfallenden 2 Liter Wasser auch noch knapp 20.– zu zahlen. Dann wäre der Wert des Wassers nämlich 10 Prozent des gesamten Essens.

Ein Kubikmeter der etwa 1000 Liter Wasser entspricht kostet in meiner Gemeinde unter 4.– Franken, genau weiss ich das gar nicht. Auch bei Gemeinden mit sehr teurem Wasser ist der Vergleicht extrem und die Marge scheint immens. Scheint sie nur immens, nein, die ist extrem hoch! Für Wasser bezahle ich gleich viel wie für Süssgetränke oder je nach Beiz gleich viel wie für Bier – bei beiden ist sowohl der Reinigungsaufwand wie auch der Aufwand für die Wartung eventuell notwendiger Apparaturen für Mischung/Kühlung weit höher als bei Leitungswasser.

Hmm, ich merke grade, es geht überhaupt rein gar nicht um den Preis, es geht um die Einstellung, um die Kundenorientierung! Viele Beizen leiden, machen nicht genügend Umsatz. Einige davon, weil ihnen ein Konzept fehlt – einige davon, weil ihnen die Raucher davon gelaufen sind, einige weil die angebotene Qualität nicht stimmt. Kurzer Exkurs was die Raucher angeht – mir ist absolut schleierhaft, wieso man sich früher an den Stammtisch gesetzt hat, geraucht und Bier getrunken und vor allem getratscht hat und man das heute nicht mehr macht. Wahrscheinlich ist die Differenz zu zu Hause nicht mehr gross genug; zu Hause wurde den meisten mir bekannten Rauchern das Rauchen drinnen schon längst verboten oder sie sind gar der selbst der Meinung, dass sich das nicht gehört!

Konzeptlosigkeit ist in all den „Fernseh-Beratungs-Sendungen“, die Beizen wieder auf Vordermann bringen wollen ein Thema. Aus meiner Sicht gibt es aber genügend Konzepte bei denen nichts erfunden werden muss. Auch eine Landbeiz mit einfachen Menus ist ein Konzept, welches tragfähig sein kann. Aber nur, wenn die anderen Komponenten stimmen. Wenn es halt Rahmschnitzel mit Nudeln gibt, dann muss das gut gemacht sein, vernünftige Qualität bei den Produkten und handwerklich gut zubereitet zu fairem Preis. Kein Schnickschnack, einfach gut. Und dann gibt es extrem viele spezielle Konzepte, welche es wohl im Stadtgebiet bei hoher Dichte und Konkurrenz braucht um aufzufallen oder sich allein zu stellen (..obwohl ich das Gefühl habe, dass bereits schon in Basel eigentlich kein Restaurant mehr „einzigartig“ ist…).

So, jetzt stimmt das mal alles, und dann kommt das Personal. Ungepflegt, unfreundlich, gehetzt in der Art – wer hat das noch nicht erlebt? Schlagartig ist mir total egal wie die Qualität der Speisen ist, es gefällt mir in dem Restaurant nicht mehr. Als Gast darf ich erwarten, freundlich begrüsst zu werden und bedient zu werden. Dienen im positiven Sinne, dafür werden die Leute bezahlt.

Ich bin ja schon der Ansicht, dass sich das grundsätzlich verbessert hat, ganz oft wird man zuvorkommend und im Rahmen der Möglichkeiten von Schweizern (oder Elsässern oder Süddeutschen) begrüsst. Dass dies nicht passiert wie wenn man beste Kollegen wieder sehen würde wie einem das in Italien zum Beispiel widerfährt wenn man ein Restaurant zum zweiten Mal betritt finde ich persönlich sogar angenehm.

Wie finde ich den Weg zurück zum Wasser – ganz einfach. Ein Wirt, der mir das Gefühl gibt willkommen zu sein, der schenkt mir zu meinem Essen mit Wein den Liter Leitungswasser und ich bin ihm nicht böse, dass er ansonsten eher teuer ist. Im Gegenteil, ich werde später erzählen „bei dem kriegst Du Wasser und Kaffee zum Essen“ und werde Werbung machen. Dass ich den Wein etwas überzahlt habe, wird mir nicht mehr auffallen oder wird mich zumindest nicht mehr stören.

Wir kennen ein solches Beispiel, Menus ausschliesslich auf Basis Pasta (also doch recht günstig) für mehr als 50.–, natürlich mehrere Gänge, aber am Schluss Kaffee so viel man will und die Grappa Flasche steht einfach so auf dem Tisch, falls jemand Lust hätte. Alles eingepreist in das deutlich zu teure Menu, aber sympathisch. Und wenn man von dem Grappa genügend nimmt (die Flasche bleibt auf dem Tisch, es gibt für jeden Tisch eine) vergisst man auch den Preis der Pasta schnell.

Fazit: Geschickter Umgang mit Gratisabgaben kann aus meiner Sicht die Umsätze erhöhen. Nicht nur, dass mehr Leute kommen, nein, ich denke es ist sogar möglich dass in der Summe die Rechnung am Schluss höher ausfällt als wenn mit „normalen“ Preisen Kaffee und Wasser berechnet wurden – oder zumindest gleich viel. Wirte, gebt uns einfach das Gefühl, dass ihr uns etwas geben wollt, dann lassen wir uns auch mehr nehmen. Jammern und hohe Preise sind kein Konzept und haben nichts mit einer guten Wirt-Gast Beziehung zu tun. Eine Flasche Wasser für knapp CHF 10.– werde ich übel nehmen und entweder nie wieder bestellen (falls die positiven Aspekte am Ende doch überwiegen) oder gar das Lokal umgehen. Möglichkeiten dazu sind meist genügend vorhanden…