Immer in der Sommerferienzeit kocht auch das Thema zweite Gotthard-Röhre hoch. Mir ist klar, dass eine Sanierung dieses Tunnels ansteht und dass man dafür irgend welche Lösungen braucht. Keine davon wird ganz ohne Schmerzen machbar sein, entweder das kostet eine Menge Geld oder die Fahrt durch die Schweiz wird zu einer Geduldsprobe.

Vor kurzem bin ich mal wieder über die Alpeninitiative gestolpert und somit gleich noch über ganz viele interessante Statistiken. Zur erst mal zur „Initiative zum Schutz des Alpengebietes vor Transikverkehr“ – in den meisten Köpfen wohl als Alpeninitiative eingebrannt. Damals hat das Volk mit 52% eine Initiative angenommen, welche die Durchfahrtsraten durch die Alpen ganz klar definiert. Darin wurde einiges geregelt und in die Bundesverfassung aufgenommen – somit sind dies keine Wünsche mehr sondern Gesetz.

Bei derselben Abstimmung wurde übrigens auch der LSVA zugestimmt, der „leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe“. Ich habe damals in der Logistik gearbeitet und man war sich absolut sicher, dass eine Annahme dieses Artikels den Logistikbereich wie auch grundsätzlich die Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft nachhaltig gefährden wird. Wie sich die Wirtschaft seit 1999 entwickelt hat, kann man nachlesen……

Umgesetzt wurde das Verkehrsverlagerungsgesetzt welches verbindliche Zahlen nennt, wie viele im Transit querende Fahrten erlaubt sind. Ebenso wurden Vereinbarungen mit der Europäischen Union gemacht.

Ebenfalls umgesetzt wurden ein „Güterverkehrsverlagerungsgesetz“ welches bestimmt, ab wann die Ziele für den mittels Zug abgewickelten Transitverkehr zu erreichen sind. 2008 wurden die Daten auf 2018/19 verschoben. Lange bleibt da auch nicht mehr.

Auch wenn die Zahlen weiterhin viel zu hoch sind (Güterverkehr über die Alpen 2014 ca. 1.2 Mio Fahrten, per Gesetz sind ab 2018 nur noch 650000 erlaubt….) zeigt sich doch seit ein paar Jahren ein leichter Rückgang, für mich als Optimisten ein klares Zeichen, die Richtung stimmt. Nebenbei, dazu trägt der Gotthard-Strassentunnel rund 830000 Fahrten bei.

Unter anderem sind diese Initiativen sicherlich so ausgefallen, weil 1992 der Bau der NEAT Bahn-Alpentransversale zugestimmt wurde, welche mit gut 19 Milliarden Franken (7 Milliarden mehr als bei der Abstimmung geschätzt….) doch durchaus auch etwas kostet. Bezahlt unter anderem aus der Mehrwertsteuer, eines Teils der LSVA Abgaben und anderen Quellen.

Somit alles im grünen Bereich, die Bauten um die Lastwagen wirklich effizient von Grenze zu Grenze zu bringen sind in vollem Gange und verzögern sich wenn überhaupt nur wenig (…..ich frage mich immer, ob wir Schweizer das so viel besser können wenn ich auf Grossbaustellen wie Bahnhof Stuttgart, Elbharmonie Hamburg oder BER schaue oder ob wir einfach immens viele Reserven einbauen und am Ende an den Kosten schrauben um die Zeiten zu halten – zu einer Antwort dieser Frage bin ich noch nicht gekommen…). Die Ziele sollten erreicht werden können oder knapp verfehlt, da bin ich eigentlich zuversichtlich.

Trotzdem nimmt der Verkehr stetig zu – und zwar von uns Privatpersonen. Immer mehr fahren die Schweizer mit dem Auto in den Urlaub, fahren ins Weekend kurz ins Tessin, fahren viele Kilometer zur Arbeit. Das ist kein Vorwurf, ich bin voll mit bei denen dabei, habe aber trotzdem keinen Plan wie ich das ändern könnte. Der immer ansteigende Privatverkehr (oft gerade am Gotthard zum Vergnügen) und die in der Schweiz doch günstigen Kosten für den Alpentransit locken Urlauber. Jetzt im Sommer stehen viele ausländische Autos im Stau am Gotthard. Ausser den 40.– der Autobahnvignette haben wir von den Personen oft gar nichts, die fahren Transit, tanken vielleicht, gegessen wird an den Raststätten nichts (weils zu teuer ist in der Schweiz). Ich persönlich finde, diese Urlaubsstaus müssen wir schlicht hinnehmen und gehören dazu (vorletztes Wochenende gab es in Frankreich (Ferienbeginn) zusammengerechnet 480km Stau…was jammern wir dann über die bei uns zusammengerechneten 35……).

Was zum Beispiel die Alpeninitiative angeht bin ich der Meinung, dass diese ebenfalls nicht umgesetzt wird. Da aber die SVP hier kein Interesse hat, wird dies nicht weiter hoch gekocht. Dass der immer wieder erwähnte Ausbau des Gotthards gegen die Verfassung verstösst, scheint in der Diskussion auch „nicht wichtig“. Wieso haben wir die dann noch?

Fazit: Der Individualverkehr hat halt Pech, wenn es Stau hat. Als oft Betroffener muss ich eingestehen, ich bin nicht nur Leidtragender sondern mit Auslösender, also wäre bei mir selbst anfangen sinnvoller als zu fordern. Dass Initiativen in der Schweiz nicht vollen Herzens umgesetzt werden scheint auch normal, je nachdem aus welcher Ecke die Initiativen kamen wird mehr oder weniger Polemik darum gemacht. Ich bin auf jeden Fall dagegen sehr viel Geld auszugeben um die Urlaubsstaus zu beseitigen – für den für den Schwerverkehr gibt es einen Plan, den man umsetzen muss. Urlauber haben Zeit sich danach zu erholen oder können erholt abwarten, bis sie wieder zu Hause sind.

P.S.: Mir ist klar, dass die Sanierung des Tunnels eine Herausforderung darstellt bei der ich froh bin, dass ich mir keinen Plan machen muss…..

Quellen:

Alpeninitiative: http://www.alpeninitiative.ch

Statistiken: viele Seiten bei… http://www.astra.admin.ch