Um etwas Wärme zu tanken haben wir uns für ein paar Tage im Tessin entschieden. Über dem See gelegen mit schöner Aussicht und warmen Temperaturen – und Zivilisationsgeräuschen an die wir fast nicht mehr gewöhnt waren.

In der Vergangenheit hat man oft Sprüche über das Tessin gehört im Sinne „Man spricht Deutsch“, dass man also alles macht für Deutschschweizer und Deutsche. Dies scheint ein bisschen ein regionales Phänomen zu sein, wo es uns hier hin verschlagen hat habe ich das Gefühl, dass Italienisch ganz klar Sprache Nummer 1 (und erstaunlich oft auch die einzige) ist – was natürlich absolut korrekt ist.

Allerdings fällt mir etwas extrem stark auf. Wenn wir hier über Parkplätze (ja, wir wollen uns so einige der Seebäder anschauen und deshalb sind wir halt auch mal mit dem Auto unterwegs – sonst lassen wir das Auto im Urlaub lieber stehen…) gehen sehe ich fast ausnahmslos Schweizer Autos. Ausländer, Fehlanzeige Ist natürlich übertrieben, aber die aller grösste Mehrheit der Fahrzeuge stammt aus der Detuschschweiz!

Na ja, tönt eigentlich nicht wie ein Problem – für unsere Kinder ideal, es sprechen eigentlich fast alle so wie wir – aber vielleicht bei genauerer Betrachtung doch ein bisschen falsch. Es ist offenbar in der Region nicht mehr möglich, auslandische Touristen anzuziehen – was natürlich für die Touristikbilanz sicherlich keine positive Nachricht ist.

Schon immer waren natürlich die Schweizer im Tessin die grösste Touristengruppe, die Abhängigkeit zur Deutschscheiz ist grösser als zu allen anderen Ländern. Aber doch ist das irgendwie auffällig in dem Jahr.

Woher kommt es? Frankenschock (CHF Kurs wird von der CH-Natioalbank nicht mehr künstlich geschwächt), schlechte Leistung, hohe Preise?

Bereits die Wohnungssuche  – sehr spontan letzte Woche – war überraschend, wir konnten durchaus wählen wo wir hin wollten und die Dauer war auch kein Problem (nur wenige Tage mieten kein Problem – nichts von 7 Tage Mindestmietdauer wegen Hochsaison oder so), ausgebucht sieht deutlich anders aus….

Ich glaube, es ist eine Mischung aus all diesen Dingen. Die Preise für die Wohnungen waren noch durchaus im Rahmen. Einen etwas grösseren Schock haben wir aber bei einem Strandbad erlebt (gut, es gibt dort ein paar Rutschen und ein Innenbad….), der Eintrittspreis für eine Familie beträgt CHF 48.– …. jaja, ein Tag, nicht die Wochenkarte! Da wir dahin nicht mit dem Auto wollten kam noch die Bergbahn dazu, nochmals über CHF 20.–. Ein Badetag somit bei fast CHF 70.–, nichts gegessen, nichts getrunken. Dass ein 3dl Bier CHF 7.– kostet dürfte für ausländische Touristen durchaus zu Überlegungen führen.

Dafür sind alle extrem freundliche und zuvorkommend – hmmm – ja doch, grösstenteils kann man das schon sagen, aber es ist durchaus nicht so, dass wir wenn wir nach Hause kommen über diese Freundlichkeit berichten werden ist doch eher unwahrscheinlich, so beeindruckend war das dann doch wieder nicht.

Frankenkurs – ja, hat sicher auch seinen Einfluss, bei EUR 5.50 für ein Bier haben das eventuell einige ausländische Gäste noch für eine Frechheit gehalten, bei EUR 7.– werden die das nicht mehr akzeptieren können.

Fazit: Uns gefällt es sehr gut, die Flexibilität zum Beispiel bei der Wohnungsmiete hat sicherlich zugenommen und grundsätzlich sind alle freundliche. Die Preise für „das Leben“ (in den Ferien ja etwas anders, eher mal ein Apéro in der Bar oder ein Essen im Restaurant) sind horrend und gelegentlich oberhalb der Schmerzgrenze. Wie das weiter gehen soll ist mir nicht klar, drei Stunden Fahrt weiter kriege ich mehr Wettersicherheit, ein Meer anstatt eines Sees (nicht wirklich relevant…) und das alles zu deutlich tieferen Tarifen….

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