Ich weiss, dass ich hier vielleicht etwas zu stark pauschalisiere, aber leider mache ich bei Online-Shops ganz entgegen dem Umgang im direkten Handel wenn schlechte Erfahrungen dann oft in der Schweiz. Aktuellstes Beispiel ist eine (Bagatell-)Bestellung die am versprochenen Lieferdatum nicht geliefert werden konnte und auch bis heute nicht eingetroffen ist. Mein „Antrag“ auf Rückerstattung des Geldes wurde zurück gewiesen, über Lieferverzögerungen wurde ich nie informiert usw. Eine schlechte Leistung zum „normalen“ CH-Preis (also nicht billig).

Persönlich bin ich der Meinung, dass wir Schweizer einen grossen Teil unserer Einnahmen auch in der Schweiz wieder ausgeben sollten – nur so kann auf Dauer das Preis/Lohn Gefüge irgendwie aufrecht erhalten werden und die Beschäftigung im Land hoch bleiben. Wenn wir Preise wollen wie in Deutschland zum Beispiel, dann müssten wir auch die Einkommen ein Stück weit anpassen – auf die Kaufkraft könnte das ohne Auswirkungen geschehen. Was wir oft wollen ist aber billig einkaufen und viel verdienen – mein naives und wenig untermauertes Wissen über Betriebswissenschaften sagt mir (und mein Bauchgefühl auch…), dass das irgendwie nicht funktionieren kann.

Deshalb schaue ich immer wenn ich etwas online bestelle nochmals nach, ob ich dasselbe oder ein ähnliches (gleichwertiges) Produkt auch in der Schweiz bestellen könnte, mit einem Mehrpreis bis zu 15-20% bin ich in solchen Fällen durchaus einverstanden.

Dabei kommen mir aber immer wieder zwei Dinge unter, die dann nur enttäuschend sind und ich mich frage, wieso ich so etwas überhaupt mache. Oft kommt die bestellte Ware dann doch aus dem benachbarten Ausland (weil der CH-Online Shop nur eine andere Webseite ist eines internationalen Grossverteilers – natürlich mit CH Impressum und allem drum herum) und irgend ein Zwischenhändler – wenn überhaupt – macht noch ein bisschen Marge. Leider ebenso oft funktioniert das einfach (noch?) nicht wirklich gut.

Zum ersten Teil – Ware kommt trotzdem aus dem Ausland – kann ich mich selbst absichern, was dann aber nochmals eine weitere Suche bedingt. Nicht nur muss ich nach dem Artikel suchen (den ich ja schon gefunden hätte…) sondern ich muss danach auch noch googeln, ob der Shop am Ende nicht doch einfach der verlängerte Arm internationaler Konzerne ist. Gut, ich gebe zu, mit meiner Definition sollte ich auch bei diesen Shops einkaufen, sofern die erzielt zusätzliche Marge tatsächlich in der Schweiz verbleibt und hier für Beschäftigung und Umsatz sorgt.

Zum zweiten Teil – die nicht sehr gute Leistung – da sieht es etwas düsterer aus. Ich glaube (meine persönliche Meinung) es gibt ein paar Shops, die aus der Not geboren sind. Ein traditionelles Geschäft hat nicht mehr funktioniert oder nicht mehr genügend abgeworfen, also hat man sich am online Boom beteiligen wollen. Leider funktioniert das nicht ganz 1:1, einen Elektronik-Shop auf dem Land in einem Online-Elektronik Shop zu verwandeln bedeutet leider mehr als nur das Programmieren eines Web-Shops.

Eigentlich erlebe ich immer dieselben Probleme bei kleineren Shops – die Lagerbestandes- und Lieferdaten. Ich habe keine Ahnung, wie man in einem Web-Shop sagen kann „Lieferzeit 1-2 Tage“, wenn man die Ware nicht selbst ans Lager hat. Gut, wasserdichte Verträge mit Drittlieferanten….aber gibt es diese?

Ebenso ist es aus Sicht der Kommunikation mit dem Kunden eine komplett andere Geschichte. Ich bestelle den Artikel Samstag nachts um 3:00 Uhr (oder Sonntag früh halt…) und verlange, dass der mir angezeigte Lagerbestand stimmt. Das geht nur, wenn das Bestellsystem das auch zulässt und meine eingepflegten Lagerbestände stimmen. Es gibt sehr viele (dann doch die grossen) Online-Händler, bei denen das perfekt funktioniert, die haben aber den Web-Handel nicht aus einer Not erfunden.

Wenn ich im Laden stehe sagt mir der Verkäufer „ham wa nicht“. Wenn ich will, kann ich nachfragen, wann er das denn wieder hat (falls er nicht selbst auf die Idee kam mir das mitzuteilen). Wenn er sagt „in drei Wochen“ – Adieu, vielen Dank, ich suche weiter. Ganz anders im Web-Shop – es gibt keine Interaktion, ich vertraue den elektronischen Daten so lange ich keine gegenteilige Mitteilung erhalte – was sollte ich auch anderes tun….

Sehr interessant erscheint mir, dass diese Shops das Problem durchaus sehen und in den AGB immer schreiben, dass angegebene Liefertermine unverbindlich sind. Ein grosser Unterschied zu Deutschland wo seit 2014 Gesetze diese Unverbindlichkeit nicht mehr zulassen. Wieso sollte ich überhaupt einen Liefertermin nennen, wenn ich nachher sagen kann „ätsch, kommt später, musst Du trotzdem nehmen“?

Beim eingangs beschriebenen Fall kommen all die Dinge zusammen, selbstverständlich auch die Geschichte mit den AGBs. am 19.6. bestellt, Lieferzeit 1-2 Tage (ab Lager) – bis heute nicht gekommen (obwohl telefonisch nochmals eine Lieferung versprochen wurde…) und auch nie aktiv informiert worden.

Fazit: Online-Shops brauchen ihr eigenes Konzept, ich werde mich in Zukunft nicht mehr immer auf die Suche nach Alternativen in der Schweiz machen, weil ich zu oft im Bereich Kommunikation und Lieferfähigkeit enttäuscht wurde. Aus meiner Sicht eine Sache für den Gesetzgeber, ich kann nicht nachvollziehen, dass angegebene Lieferzeiten per AGB nichtig gemacht werden können.

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