Ich erhielt letzte Woche einen sehr spannenden Werbeanruf. Zur Begrüssung wurde ich gefragt, ob ich auch genervt sei von ständigen Werbeanrufen? Ja aber hallo, ja, und zwar gerade jetzt – was ist denn das für eine Frage zum Start in einen Werbeanruf? Ich habe dann mal gesagt „och nee, da ist fast nichts“.

Damit habe ich die Dame am Telefon sichtlich verwirrt – dass einer sagt „passt für mich“ stand leider nicht auf ihrem Drehbuchzettel für das Gespräch. Ich musste dann ein paar Fragen beantworten wie „Wie viele Werbeanrufe erhalten Sie pro Woche“ (habe ich mit sehr wenige, vielleicht keine, weiss ich gar nicht beantwortet) oder „Auf einer Skala von 1-10, wie stark ärgern Sie sich über Werbeanrufe (da musst ich dann mit 0 Antworten weil ich zuerst ja gesagt habe, ich kriege gar keine – wie könnte ich mich dann ärgern darüber…).

Als Hintergrund wurde ich zwischenzeitlich aufgeklärt, dass es sich bei der Umfrage um eine Grundlage handeln soll um ein erweitertes Gesetzt gegen Werbeanrufe zu forcieren. Kann man das in der Schweiz wirklich mit Telefonumfragen belegen, Initiativen per Telefon? Da plädiere ich doch für Abstimmungen per e-Mail (e-Voting light – quasi). Das war schon recht unseriös.

Weiter im Text wurde ich gefragt, wie viel mir denn ein solches Gesetz wert wäre? Hmm – also ein Gesetz, für welches ich bezahlen muss. Auch eine sehr interessante Auslegung von staatlicher Hoheit. Durchaus gibt es genügend Länder auf der Welt, in denen ich für Gesetze bezahlen kann – oder besser dafür, dass ich bei Missachtung dieser nicht bestraft werde. Die Mafia lässt grüssen – Schutzgeldbezahlungen in ehren, aber ich glaube auch das funktioniert beim Schweizer Staat eher schlecht.

Hier wurde mir ebenfalls eine Spanne von 1-10 Franken angeboten – macht Sinn der Betrag, dann stehen da immer die gleichen Zahlen (eine Skala von 1-10, 1-10 Franken – das vereinfacht die Einarbeitung des Personals enorm) und niemand kann sich versprechen dabei. Und schon wieder – allein damit ich durchgängig einer Meinung war – musste ich als Antwort „0“ oder „mit einem Franken pro Monat könnte ich vielleicht noch leben“ geben. Auch diese stand nicht auf dem Zettel drauf. Wie weiter?

Die Lösung der Dame am anderen Ende war, ein wenig verlegen zu lachen, mir 60 EUR (wieso auch immer) als Gutschein für irgendwelche Marketingfirma zu versprechen und sich meine e-Mail zu notieren. Die 60 EUR (oder den Gutschein zum Bezug von Leistungen, einlösbar die nächsten zwei Wochen bei Bezug von Leistungen in der Höhe von mindesten 1000 EUR oder so) habe ich nie erhalten, wahrscheinlich hätte ich den auch nie nutzen können.

Heute lese ich auf Facebook eine Mitteilung, dass auch andere Personen angerufen wurden – und wohl auch solche, die sich durchaus ärgern über solchen Anrufe. Wieso die Leute, die sich über solche Anrufe ärgern da allerdings mit machen unm ihr Wohl genau im verhassten Objekt zu suchen ist mir rätselhaft. Die Personen finden auf jeden Fall heraus, worum es wirklich geht – das habe ich eigentlich bis zum Schluss des Gespräches nicht heraus gefunden. Es wird ein Dienst verkauft, welcher Einträge im Telefonbuch administriert damit auch wirklich überall immer drin steht, dass ich solche Anrufe nicht will. Dafür wird scheinbar 6.60 pro Monat kassiert.

Fazit: Jemanden anzurufen um ihn zu fragen, ob ihn solche Anrufe ärgern ist so dreist dass es fast schon wieder cool ist. Im Moment in dem von „Änderung von Gesetzen“ oder ähnlichen Dingen am Telefon (im perfekten Hochdeutsch einer ungarischen Studentin – von mir bisher „Dame“ genannt) gesprochen wird ist eigentlich klar, dass da nichts gescheites raus kommen kann. Dass ich die 60 EUR als Gutschein wohl nie erhalte schmerzt mich sehr, vielleicht verklage ich die Firma – telefonisch natürlich.

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