InterGGA oder wie versiebt man Projekte

InterGGA ist ein lokaler Anbieter von Kabeldienstleistungen bei uns in der Region (Fernsehen, Internet und Festnetztelefonie). Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine „Organisation“ bei der einige Gemeinden angeschlossen sind. Insgesamt doch eine stattliche Anzahl von Anschlüssen. In meiner Gemeinde ist man dem Provider mehr oder weniger ausgeliefert, Kabeldienste werden nur von InterGGA angeboten, die Swisscom hat nie wirklich in der Gemeinde investiert und bringt somit schlicht zu wenig Leistung fürs Geld.

Bisher wurden die Leistungen Internet und Telefonie bei einem ebenfalls lokalen Anbieter (Improware) eingekauft. Nach einem bereits damals kleineren Hickhack wurde eine öffentliche Ausschreibung abgebrochen (weil man rechtlich haltbar festgestellt hat, dass man gar nicht pflichtig war eine Ausschreibung zu machen) und sich in einem abgekürzten Verfahren dazu entschieden, den lokalen Anbieter gegen einen nationalen Aufsteiger (Quickline) auszuwechseln.

Nun, einige in der Vorstandsetage von InterGGA waren oder sind aktiv bei Quickline tätig – vielleicht hat das den Entscheid nochmals etwas abgekürzt. Mir war das eigentlich total egal, in Mitteilungen wurde dem Kunden gesagt, dass die neuen Abos der InterGGA mindestens gleichwertig oder aber besser sein werden. Auf Grund der extrem günstigen Versorgung durch Improware war diese Aussage doch sehr ambitiös, die einzigen die so wie sich die Situation jetzt zeigt wirklich einen Vorteil haben sind die Personen mit dem kleinsten Internet Abo zu CHF 9.90. Bei diesem entfällt die Volumenbegrenzung.

Ich muss hier jetzt auch fair bleiben – für mich spielt des Fernsehangebot nahezu keine Rolle, schau mir eh alles auf Zattoo an (www.zattoo.com). Deshalb vergleiche ich nur die Leistungen Internet und Telefonie.

Früher hatte ich 100 Mbit Download und 7 Mbit Upload und ein Festnetztelefon mit Gratistelefonaten zwischen Kunden und „normalen“ Tarifen für Gespräche für CHF 69.–/Monat. Nun habe ich 50 Mbit Download und 5 Mbit Upload und ein Festnetztelefon mit einer Flatrate auf alle CH-Netze (auch Mobile) für CHF 70.–/Monat. Soweit also echt nicht viel passiert, da ich fast nur die Internetleitung betrachte natürlich ein Rückschritt, im Paket aber durchaus Gleichstand (digitales TV habe ich jetzt auch, aber unser Fernseher hat noch keinen HDMI-Eingang……).

Wie das Ganze aber ablief war oder besser ist eine echte Katastrophe. Ich nehme vorweg, die technische Umsetzung funktioniert bestens, alles was wir bestellt haben wurde zeitnah installiert und die Umstellung in der Technik wurden termingerecht und absolut problemlos von der Quickline durchgeführt.

Ich als Kunde wurde von der InterGGA aber mehrfach verwirrt mit anfragen, Informationen und so weiter. Ebenso hätte man den Digitalempfänger in einer Nachbargemeinde abholen sollen – hmmm – mir wurde alles zugesendet, passt also irgendwie. Die grosse Katastrophe war aber tatsächlich die Kommunikation. Das erste was man wirklich gehört hat war eine öffentliche Anklage von Improware, dass InterGGA Daten gestohlen haben soll. Irgendwie eine Frechheit, eine Sauerei – aber für einen Internetanbieter im Infrastrukturbereich doch auch ein bisschen peinlich dass es passieren konnte. Grundsätzlich finde ich der Auftritt der InterGGA sieht seriöser aus als derjenige der Improware (www.imp.ch) – auch nicht ganz fair, es gibt noch die Seite breitband.ch – etwas besser.

Nun, der nächste Schritt kam ebenfalls aus den Zeitungen, InterGGA soll einen Vertrag ausserterminlich gekündigt haben und darf gar keine Aufschaltungen machen. Nochmals später wurde eine Rechnung vorgelegt die zeigen sollte, dass alle Gemeinden durch die Umstellung viel Geld verlieren werden. Was daran war gewesen ist kann und will ich nicht beurteilen, zumindest zum Geldverlust der Gemeinden hat die InterGGA eine Gegendarstellung veröffentlicht und jetzt auch eine  gemeinsame Mitteilung zusammen mit der Improware veröffentlicht welche aussagt, dass man im Sinne der Kunden übereingekommen ist – holla, man hat sich also doch noch daran erinnert, aus welcher Hand man frisst!

Ich habe „sofort“ reagiert als ich die neuen Abos gesehen habe, waren diese doch ausgeschrieben zu einem unschlagbar tiefen Preis – zufällig genau der Preis, den Quickline Neukunden für sechs Monate erhalten. Hmm – Quickline kann es sich wohl definitiv nicht leisten, ein paar tausend Haushalte im Baselbiet für die Hälfte des Preises zu versorgen, das wäre in keiner Weise zu rechtfertigen, fast schon ein Gesichtsverlust. Also habe ich nachgefragt, ob das denn Einführungspreise seien. Nein nein, war die Antwort, diese Preise sind fixe Preise vorbehaltlich Preisänderungen. Etwas später wurde doch klar, es handelt sich um sechs Monate Einführungspreise. Nun, ich habe alles umgestellt und mein Home-Office (welches in einem Nebenraum der Spielgruppe meiner Frau „zu Hause“ ist) hat jetzt auch einen Internetanschluss. Aktuell bezahle ich noch bei Improware, weil die Kündigungsfrist drei Monate beträgt (ach, ich musste noch selbst eine Kündigung schreiben und eingeschrieben versenden – das wird jetzt wohl auch anders werden), ein Abo mit 100/7 Mbit und einem Telefon mit Gebühren, dafür erhalte ich 50/5 Mbit plus ein Telefon mit CH flat rate. Ich finde, das passt irgendwie schon.

In der Zwischenzeit wurden offenen Briefe über die Gemeinen veröffentlicht welche den Bürgern nahe legen, doch einfach bei dem Anbieter zu bleiben. Das ergibt sich allerdings in den meisten Gemeinden schon allein aus der Abhängigkeit zum Kabelnetz im Bereich schnelles Internet.

Fazit: Man hat die Leute so richtig verwirrt und verunsichert. Als Informatiker hatte ich nie „Angst“ vor den anstehenden Installationen und Umstellungen – aber auch das ist nicht jedermanns Sache. Falschauskünfte an Auskunftstelefonen sind auch so eine Sache, die das Vertrauen nicht wirklich stärken. Im Winter hat die InterGGA einen Projektleiter gesucht, der sich in dem Business richtig gut auskennt – offenbar haben sie diesen nicht rekrutieren können, schade! Die technische problemlose Umstellung macht etwas Hoffnung, auch die Performance des Netzwerkes ist identisch (delays usw…maximal möglicher Durchsatz natürlich sauber halbiert, aber 50 Mbit – damit kann meine Familie und ich im Moment leben…). Es chunnt also guet….. 😉


4 Comments

  1. Da schliesse ich mich Andi an! Ich hatte immer löbliche Worte für das TV Angebot der InterGGA übrig, während andere stetig über Cablecom (früher Balcab) monierten. InterGGA schaltete jeweils sofort neue Programme auf, HD Sender mussten nicht als Paket gekauft werden, viele englische Sender und den DVB-C Reciever konnte man(n) auch frei wählen… nix mit codierten Signalen und einem Pflicht-Reciever.

    Seit der Umstellung auf Quickline hat sich dies massiv geändert. Bis auf den Reciever, der funktioniert immer noch. Die Anzahl Sender wurde massiv reduziert, bei einigen (welche geblieben sind) exisitert der zweite Sprachkanal nicht mehr, also darf ich mich wieder über lausige, deutsche Synchronfassungen ärgern. Alles in allem hat sich das Senderangebot auf das Niveau der übrigen Mainstream Anbieter reduziert, spannende Sender müssen nun ebenfalls als Paket erworben werden.

    Auf Wiedersehen (hoffentlich) Alleinstellungsmerkmale, Hallo Massenware…

    Gruss
    Serge

    1. Hallo Serge

      Vielen Dank für die Ausführungen. Als „nicht Fernseher“ kann ich in dem Bereich halt nicht wirklich mitreden, Danke für die Erklärungen. Für mich bleibt es dabei, Internetbandreite halbiert ist schwer als „gleich oder gleichwertig“ zu akzeptieren, das Gesamtpaket inklusive flat rate CH-Telefon passt für mich. Mein analog TV hat 36 Speicherplätze, da kommt mir die Box ganz gelegen :-)!

      Gruss
      Guenter

  2. Ich als Binninger habe es besser getroffen. Binningen ist aus der Intergga ausgestiegen und bezieht die Leistungen neu direkt von der Improware.

    Die Leistungen wurden im TV Bereich mit der zwangsbenutzung einer neuen Set-top-box von quickline auf swisscom niveau runtergeschraubt. Alles in allem haette ich fuer die gleiche Internetleistung 20.- mehr bezahlt, haette aber Abstriche beim TV machen müssen.

    Kein digitales Programm, keine Aufnahme usw. Alles ohne Probleme möglich mit Improware.

    Sehe also den Vorteil für den Kunden überhaupt nicht.

    1. Hallo Andi

      Ja die Binninger haben einen anderen Weg gesucht. Ob sich das auf lange Zeit hinaus allerdings rechnet, das wird sich zeigen.
      Die Berechnung der Direktzahlungen an die Gemeinden wurde auf jeden Fall bereits dementiert/richtig gestellt. Für den Kunden hat ja Quickline durchaus auch seine Vorteile (mit Verte! und MobileTV zu Beispiel Angebot die es bei Improware gar nicht gibt, Flat-Rate telefonieren für CHF 20.–).

      Wir werden sehen, was mit Binningen und Improware weiter geschieht, mir ist nicht ganz klar ob Improware überhaupt überlebensfähig ist ohne ihren ganz grossen Kunden InterGGA…..

      Gruss
      Guenter

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