…und das ist falsch!

Aktuell sehe ich mich in der glücklichen Lage, dass ich mich wohl für einen richtig coolen Job entschieden habe. Natürlich kann man in der heutigen Zeit das nicht so einseitig sein, natürlich habe ich auch Glück gehabt, dass der Arbeitgeber mir die Chance gegeben hat. Diese glückliche Situation hat allerdings bei mir jetzt einen kleinen Hacken. Da es nicht allzu anstrengend ist, sich in einen tollen Job richtig rein zu hängen, mache ich das auch – und das braucht Zeit, durchaus auch mal mehr als normal. Hinzu kommt die Fahrt, da ich oft auch bei Kunden vor Ort arbeite, habe ich auch noch An- und Rückreise Zeiten. Nicht immens, immer aus der Deutschschweiz, aber da kommen halt auch rasch mal zweieinhalb Stunden pro Tag noch hinzu.

An zweiter Stelle kommt natürlich die Familie, das zu Hause sein. Manchmal bin ich auch ganz gerne ohne Familie einfach mal zu Hause. Wenn ich nun diese Zeiten nehme und schaue was übrig bleibt, dann ist das oft vielleicht noch ein Abend pro Woche. Da ich in keinem Verein oder so aktiv bin, gibt es nach Feierabend keine „offiziellen“ Verpflichtungen mehr für mich. Bei einem Abend pro Woche aber auch nur eine Möglichkeit mit jemandem abzumachen. Da ich doch etwas mehr als drei oder vier Kollegen habe heisst das, einige hören monatelang nichts von mir oder es gelingt nicht, einen Termin abzumachen.

Klar gibt es „Kategorien“ – es gibt Kollegen (Anm.: -> während des Schreibens habe ich im nächsten Absatz für mich festgestellt, dass diese „Kategorie“ wohl die Leute sind, die man als „Freunde“ bezeichnen sollte), für die sucht man sich die Zeit in Momenten in denen man „zu Hilfe“ gerufen wird (Hilfe muss jetzt nix dramatisches sein, da reicht es wenn mal ein Zuhörer gefragt ist oder eine zweite Meinung) schlicht immer, da gibt es kein Pardon. Nicht „einfach so“ auf ein Bier – das sind je genau diejenigen, denen man auch sagen kann hör mal, einfach so ein Bier machen wir ein andermal. Man ist halt einfach da, wenn beide Seiten das Gefühl haben, das wäre gut so oder das braucht es jetzt.

Dann gibt es aber auch die Kollegen, mit denen die Beziehung vielleicht etwas entfernter ist. Das ist jetzt in dem Sinn auf keinen Fall als Qualitätsmerkmal zu verstehen, das sind natürlich keine Kollegen zweiter Wahl. Vielleicht sollte ich von Freunden und Kollegen reden in dem Zusammenhang, das wäre eventuell verständlich. Genau die sind es aber, die ich persönlich immer dann vernachlässige, wenn irgend etwas im Leben gut läuft. Wenn das so ist wie gerade jetzt und aus meiner Sicht eigentlich alles gut läuft, dann sieht man sich einfach zu wenig.

Vielleicht ist diese Haltung etwas egoistisch – mir geht es gut, also brauch ich euch nicht…..hmmm….nein, so fühlt es sich ganz und gar nicht an. Es ist eher die Tatsache, dass ich in den Momenten keine „Problemvertreiber“ brauche. Weil eine Tatsache ist, dass ich wenn es irgend wo Schwierigkeiten gibt ganz gerne mal mit Leuten ein Bier trinken gehe, mit denen ich diese Dinge nicht besprechen muss oder die auch weit genug weg sind, um selbst was zu merken davon. Einfach über irgend was reden (manchmal vielleicht auch lange über gar nichts) und den Rest kurzfristig ausblenden.

Fazit: Die Notwendigkeit Freundschaften zu pflegen ist mir klar, ich glaube auch bei Freunden zu merken wenn ich nicht einfach auf ein Bier gefragt werde sondern wenn dahinter die Botschaft steckt, etwas besprechen zu wollen. Bei Kollegen ist dies eine andere Sache. Durch tolle anderweitige zeitliche Belastungen bin ich manchmal nicht in der Lage, diese Beziehungen noch gebührend zu pflegen. Ein Problem: Ja, irgendwie schon, aber ich sehe auch wenig Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Für mich persönlich ist es gut festzustellen, dass ich diese Probleme eher dann habe, wenn mein Leben gut läuft – was allerdings etwas egoistisch sein könnte. Falls Kollegen das lesen, die ich schon lagen nicht mehr kontaktiert habe – vergebt mir und schreibt mir einfach – ich habe euch nicht absichtlich „abgeschoben“ :-)!