Aktuell bin ich beruflich in Kontakt geraten mit einer Firma, welche grundsätzlich im Bereich Jobvermittlung anzusiedeln ist. Da läuft recht vieles elektronisch und mittels Algorithmen und Computerleistung werden Stellenausschreibungen mit Dossiers von Stellensuchenden verglichen. Habe ich aus Spass gleich mal meines auch hoch geladen und herausgefunden – ja, das funktioniert ganz gut. In einer ersten Auswahl wurde mir zwar noch eine Stelle an der Migros Kasse in Uzwil angeboten, nach einer kleinen Justage ist diese aber schnell verschwunden. Gut, ich hätte mich schon im Stande gefühlt die Anforderungen zu erfüllen…

Was mich dabei aber ein wenig erschreckt ist eine andere Tatsache. Hier wird eigentlich einer Unart noch geholfen die in den HR Köpfen etwas umher geistert, der „perfect match“. Je detaillierter eine Stellenausschreibung ist, desto unwahrscheinlicher wird es auch, dass es einen Menschen gibt, der diese Profile genau unterstützt. Als Mensch im HR bin ich nun natürlich in der Lage auf Grund meines Wissens über die Stelle heraus zu finden, welche lückenhaften Dossiers doch am besten passen – wenn auch nicht perfekt. Das kann auch ein Computer natürlich versuchen mit Mustervergleichen und so weiter.

Aber geht das nicht auch umgekehrt? Ich bin überzeugt, dass ich ein solches System wenn ich eine Stelle sehe auch „überlisten“ kann und meinen CV derart anpassen, dass der Match zu Stande kommt. Grundsätzlich steckt ja so oder so schon viel „Werbung“ in einer BEwerbung – hoffentlich nicht gleich viel wie im Wort! Umgekehrt können natürlich mit solchen Mitteln menschliche Einflüsse und erste Eindrücke etwas aussortiert werden. Wenn ein solches System eine perfekte Übereinstimmung bemerkt und sich Menschen auf Grund dessen treffen ist deren Einstellung zum anderen ja schon mal positiv belastet. Die Chancen werden wohl eher erhöht damit – womit die Systeme Vorteile bringen würden.

Eine ganz andere Frage geht mir aber nicht aus dem Kopf. Wenn ich eine Stelle suche, weil ich entlassen wurde oder aus anderen Gründen welche ich nicht steuern konnte, dann suche ich vielleicht tatsächlich das wieder, was ich getan habe. Wenn ich aber nun „freiwillig“ auf Stellensuche gehe, mache ich das dann nicht aus einem Bedürfnis zur Veränderung? Wenn ich mich verändern möchte, ist dann eine 100% Übereinstimmung mit einer offenen Stelle das, was ich suche? Veränderung ist natürlich – und das ist mir durchaus bewusst – nur für mich von Vorteil. Für einen potentiellen Arbeitgeber ist es in gleichem Masse eine Gefahr. Was ich mitbringe habe ich schon bewiesen, dass ich es kann, alles andere sind Versprechen ohne Garantie.

Nein, ich glaube nicht dass ein grosser Teil der Menschen, die sich verändern möchten nachher eine Stelle möchten die genau dieselben Fähigkeiten verlangt. Was wäre in solch einem Fall der Grund für einen Wechsel? Ok, gibt immer noch viele, anderer Arbeitsplatz, Veränderung der Firmengrösse, Probleme persönlicher Art und so weiter – tatsächlich gibt es doch viele Gründe den genau gleichen Job bei einem anderen Arbeitgeber zu machen. Für mich käme das nur in Frage, wenn ich einen unfreiwilligen Austritt verkraften müsste – ansonsten muss bei einem Stellenwechsel auch eine neue Herausforderung mit drin sein.

Fazit: Das Suchen von 100% passenden Mitarbeitern ist meines Erachtens ein Grund für einige offene Stellenangebote. Leute gäbe es schon, aber sie decken die Anforderungen nur zu x % (wobei x durchaus sehr nahe bei 100 liegen kann….) ab. Aus privaten Beziehungen weiss man aber auch, dass 100% Übereinstimmung der Partner nicht mit Gewissheit zu besseren Resultaten führt. Langeweile, auseinander gelebt, keine Lust mehr aufeinander – alles irgendwie auch Zeichen von 100% Übereinstimmung oder vielleicht Anpassung. Stimmt das was für Beziehungen im privaten Bereich stimmt denn nicht für Arbeitsstellen? Müsste ich Personal auswählen, ich würde gerne Leute beschäftigen die nicht 100% passen – da muss dann halt priorisiert werden, wo MUSS jemand perfekt passen und was kann auch noch dazu gelernt werden…

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