Vor weit über zehn Jahren haben wir uns ein Haus gekauft – Baujahr 1921, frisch renoviert. In dieses Haus haben wir uns spontan verliebt. Das lag einerseits an der Lage nahe der Stadt und doch in einem ruhigen Quartier und auch am Haus selbst. Ein kleines, unscheinbares Haus in einer Gemeinde in welcher man sich auch mal fragt „wird das ein Hotel oder ein Palast“ und am Ende entsteht dann doch „nur“ ein Einfamilienhaus. Vor diesem Haus haben wir auch einige Neubauten, Wohnungen usw. besichtigt. Viele davon waren nach objektiven Kriterien definitiv besser, grösser, schöner – gut, die meisten einfach grösser. Wobei auch hier – grösser bezieht sich immer auf die Wohnfläche – 4km entfernt des Hauptbahnhofes von Basel erachte ich knapp 300 Quadratmeter Garten in der Zwischenzeit als grossen Luxus. Thema Luxus – eben dieser Garten war beim Kauf auch teurer als das Hause – die Landpreise in unserer Gemeinde betrugen damals gut CHF 1250.– pro Quadratmeter.

Aber um all das ging es nicht. Ich weiss noch, als wir das Haus das zum ersten mal betreten haben. Unsere ältere Tochter hatten wir in einem Maxi Cosi (zumindest die Eltern wissen was ich meine) mit dabei und während der Besichtigung mal im Wohnzimmer abgestellt. Für mich war vom ersten Moment an klar – das will ich haben. Aber es gab auch einige Zweifel. Das Ziel der Renovation war eher über Mängel hinweg zu täuschen (was gar nicht gelang) und zum Teil ganz gut aber gar nicht nach unserem Geschmack. Wir haben dann den für mich einen der bisher besten Entscheide meines Lebens gefällt (ein weiterer wurde hier schon beschrieben und eine Erwähnung am Valentinstag erachte ich als angebracht 🙂 http://wp.me/p2OnD6-b5 ) und dieses Haus im Prinzip ohne die notwendigen Mittel gekauft. Gekauft also zuerst, danach finanziert :-)!

Aber von Anfang an war klar, ein paar Dinge gehen gar nicht und wir werden sobald wieder auf irgend eine Art Kapital zur Verfügung steht Änderungen vornehmen wollen. Kurzer Exkurs – einige Dinge, die wir damals UNBEDINGT ändern wollten sind heute noch so, andere Optionen kamen dazu an die wir zuvor nie gedacht hatten. Begonnen haben wir mit Wohnzimmer, Keller, Heizung und zusätzlichem Ausgang in den Garten. Viel Eigenleistung war dabei – und viel Diskussion. Hitzige Diskussionen über Kleinigkeiten haben dabei oft einmal das „grosse Ziel“ in den Hintergrund geraten lassen. Am Ende waren wir beide echt froh waren die Bauarbeiten vorbei. An einigen Details konnten wir uns erst etwas später erfreuen. Rückblickend heute kann ich zu diesem Umbau nur sagen – MEGA, alles richtig gemacht, würde heute genau gleich das wieder tun.

Als zweites haben wir uns unserem Bad angenommen. Beide haben wir ein „Problem“ gemeinsam, wir lieben Qualität. Wenn sich nun unsere gemeinsame Liebe zu Qualität paart mit der Liebe meiner Frau zu Design – ja, dann wird es richtig teuer! Dummerweise bin ich dann selbst auch immer „anfällig“ und kann den qualitativ guten UND schönen Dingen meist auch nicht widerstehen. Also haben wir ein recht kleines Bad zu einem ähnlichen Preis wie zuvor mal ein Wohnzimmer und eine Küche umgebaut…aber auch da würde ich heute wieder jeden Rappen ausgeben um genau das zu erhalten! Streitereien – ja, auch bei diesem Bau haben wir uns gelegentlich gezankt und meist ging es um Dinge, die nicht wirklich wichtig oder entscheidend waren.

Aktuell sind wir erneut an einem Bauvorhaben, wir „zügeln“ unser Schlafzimmer in einen Kellerraum. Diesmal verhält sich das alles ein bisschen anders. Ich denke, die vorhergehenden Bauvorhaben haben uns gelernt, dass es Kompromisse braucht. Ohne Kompromisse wird es unbezahlbar – zumindest für unsere Verhältnisse. Ebenso hat die Akzeptanz zu genommen, dass es so oder so anders kommt in einigen Punkten, dass es länger dauert, dass das Resultat die Erwartungen nicht 100% erfüllt usw. Aber das Wissen, dass es so kommen kann (oder wird) hilft extrem.

Fazit: Bei Bauvorhaben habe ich mir „in jungen Jahren“ immer viel zu viel vorgenommen und war von mir selbst und von anderen in der Konsequenz enttäuscht. Streit und Uneinigkeit waren irgendwie vor programmiert. Eine etwas ruhigere Sicht auf das Ganze macht die Bauvorhaben besser, ruhiger und entspannter. Es kommt definitiv zu weniger Streitereien und das Resultat wird nicht enttäuschen. Bevor das aktuelle Vorhaben erledigt ist freue ich mich schon auf die nächsten. Zuerst aber freue ich mich dann mal auf die Sauna im Keller ;-)!

Werbeanzeigen