Auf Facebook wurde eine Art „Petition“ eingereicht welche zum Ziel hat, Schweizer Politiker soweit zu beeinflussen dass diese die geltende Tempolimite von 120 km/h aufheben und neu Tempo 140 zulassen. Aus meiner Sicht ein totaler Unsinn, in keiner Weise zielführend und schlicht unnötig.

Wir haben in der Schweiz ein sehr engmaschiges Verkehrsnetz, wie auch unsere Bevölkerungsdichte sehr hoch ist. Dies bewirkt immer mehr, dass sich viele Staus bilden. Wenn dann noch Hauptachsen vom Schweizer Baufimmel erfasst werden, wird alles noch viel enger und die Staus länger und regelmässiger. Jeden Tag kann man von Staus hören oder diese – wenn man Lust hat oder dazu gezwungen ist – selbst „erfahren“.

Was bedeutet es in der Schweiz, eine „lange Strecke“ zu fahren – hmm – keine Verhältnisse zu Amerika oder auch schon zu Deutschland. Bei uns ist es schon „weit“ wenn man 100 oder 200 km fährt. Auf diese Distanz trifft man eine ganze Menge von Tunnels, Autobahnverzweigungen oder eben Baustellen an. Immer dazwischen kann man dann das Tempo nutzen, die erlaubten 120 km/h also ausfahren. Eine Schätzung meinerseits, im Durchschnitt meiner Fahrten sind vielleicht 50% -70% der Autobahnkilometer mit 120 befahrbar, alle anderen Kilometer sind so oder so auf 80 oder 100 km/h begrenzt. Ergibt bei einer Fahrt auf zum Beispiel Zürich also 50-70 km, auf denen man die Höchstgeschwindigkeit ausfahren kann. Um alle Rechnung einfach zu machen sagen wir es sind 60km, auf denen man 120 fahren darf. Das versuche ich auf einer nächsten Fahrt mal raus zu kriegen, ich glaube aber, dass ich da eher zu hoch liege.

60 km mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h zu bewältigen dauert 30 Minuten. Gut. 60 km mit 140 km/h zu bewältigen dauert rund 25 Minuten. Gut. Unglaubliche 5 Minuten schneller wäre ich also wenn ich mich endlich mit 140 austoben könnte, und das nur, wenn die Geschwindigkeit in allen möglichen Bereichen auch wirklich gefahren werden kann. Da darf dann kein Lastwagen überholen, auch darf kein Auto unerhörter Weise langsamer als die erlaubten 140 fahren. Alles sehr realistisch – vielleicht stimmt es mal auf einem leeren Stück Autobahn in der Nacht oder so – aber gerade dann kommt es mir auf die fünf Minuten auch nicht an…

Hinzu kommen aber aus meiner Sicht viel schlimmere Auswirkung. Mich selbst nicht richtig ernst nehmen kann ich bei der Ökologie. Autos aller Art verbrauchen halt tatsächlich mit 140 deutlich mehr Sprit als mit 120. Mich selbst nicht ernst nehmen kann ich, weil ich mit 220 PS in einem SUV nicht unbedingt viele ökologische Aspekte habe in den Entscheid einfliessen lassen ;-).

Was mich aber wirklich nerven würde, wäre die gesteigerte Hektik. Schon jetzt bin ich manchmal auf der Autobahn genervt. Ständig zwischen 70 und 130 hin und her zu pendeln, immer wieder bremsen, beschleunigen. Schon oft habe ich mich deshalb im dichten Verkehr mit Tempomat 85 in der LKW Spur eingereiht und mir in aller Ruhe Sendungen im Radio angehört. Klar, dadurch habe ich vielleicht auch mal 10 oder noch mehr Minuten meines Lebens verloren – aber das sich Ärgern auf der linken Spur würde mich am Ende des Lebens wohl mehr kosten als ein paar Minuten.

Staus – man müsste wohl davon ausgehen, dass diese eher noch häufiger würden durch noch brüskere Manöver auf der Strasse. Bussen – all diejenigen, die diese Erhöhung der Geschwindigkeit auf Grund ihrer eigenen „Bussenanfälligkeit“ möchten – ganz ehrlich, die würden dann einfach 155 fahren statt wie jetzt 135 und würden wie bisher die meisten Bussen inner- oder ausserorts sammeln.

Fazit: Macht jetzt rein gar keinen Sinn auf den paar Kilometern mit dieser Verkehrs- und Bevölkerungsdichte die erlaubte Höchstgeschwindigkeit anzuheben. Persönlich würde ich gar ein generell 100 für alle vorziehen, dann würde die ganze Lawine inklusive der Lastwagen, Busse und Lieferwagen gemütlich dahin rollen, und dabei wenig Ärger generieren und viel Sprit sparen. Vor Jahren gab es mal generell Tempo 80 wegen Ozon. Wir sind damals in die Ferien nach Italien gefahren, das war ein Genuss bis Chiasso (in Italien war das Ozon damals kein Problem ;-)).