Es häufen sich Artikel und Statistiken die besagen, dass Facebook für Junge nicht mehr die erste Wahl ist oder gar im Gegenteil, junge Leute immer mehr abspringen. Ich kann das live erleben im Moment und glaube schon, dass das stimmt. In meinem Umfeld haben sehr viele Menschen einen Facebook Account – und „mein Umfeld“ hat ja nichts mehr mit „jungen Menschen“ zu tun – vielleicht hier kurz meine Definition, unter 20 Jahre alt. Auch meinen Tochter hat einen Facebook-Account auf den Sie fast nicht warten konnte. Wir hatten ihr verboten sich anzumelden bevor sie 13 ist – Mindestalter laut allgemeinen Bestimmungen von Facebook. Seit sie diesen aber hat, scheint der einiges an Magie und zwingender Notwendigkeit verloren zu haben.

Muss man den grundsätzlichen Untergang von „Social Media“ erwarten? Ich glaube, eher nicht. Im Falle von Facebook und aus meiner Sicht auch von xing (nur ist es dort genau so gewollt) hat man es einfach mit trägen, koordinierten und voraussichtlich kontrollierten Plattformen zu tun. Ich glaube bald, dass vom Verlangen her eine erweiterte Gratisvariante von MMS genau so gut wäre. Es profitieren die flexiblen Dienste, da kurz eine Gruppe machen, da kurz mal was drüber abmachen und danach gleich wieder weg mit der Information.

Facebook kämpft mit dem Messenger auch genau in diese Richtung – es muss alles flexibler, einfacher und ad-hoc gehen.

Ganz andere Komponenten kommen natürlich noch mit dazu. Die jungen Menschen können locker in mehreren solchen Diensten miteinander verkehren. Mit dem einen dort, mit der anderen dort, mit einigen überall – ich erachte dies für mich als zu anstrengend, zu mühsam. Ich bin froh, alle Informationen an einer Stelle zu finden – was aber in keiner Weise mehr dem Zeitgeist entspricht. Mehrere Apps zu verwenden ist nicht heute nicht nur ok, in einigen Fällen ist es sogar cool.

Einen weiteren Hauptpunkt sehe ich auch darin, dass sich in Facebook auch die Eltern tummeln und diese im aller schlimmsten Fall sogar noch befreundet sein wollen. In unserem Fall findet man dort auch zum Teil Grosseltern, das ist dann aber natürlich eher wieder cool oder auf jeden Fall nur noch halb so schlimm wie die Eltern ;-)!

Immer wenn ich darüber etwas nachdenke stellt sich bei mir die Grundsatzfrage erneut – braucht man solche Dinge und falls ja, wozu? Als Antwort erhalte ich ein klares ja, ich möchte xing und Facebook nicht mehr missen, mit Twitter werde ich mich vielleicht nie wirklich anfreunden und in weiteren solchen Diensten bin ich nicht registriert.  Also ein klares ja – aber wozu denn genau. Klar, ich schreib mal einen „Status“ rein – gute Flasche Wein gefunden, toller Ausflug – irgend was. Alles natürlich Dinge, bei denen es den Lesern besser geht wenn sie diese Info erhalten – oder doch nicht? Der echte Informationsgehalt all der Facebookmeldungen die ich bereits gelesen habe könnte man fast sicher auf einem Blatt Papier zusammen fassen! Was da drin steht, macht mein Leben nur in den wenigsten Fällen besser oder erweitert mein Wissen in positivem Sinne. Ist ein wenig wie Blick lesen, manchmal ganz lustig, aber auch unnötig.

Wieso bin ich denn überhaupt dabei? Für mich stellt das alles eine tolle Kontaktdatenbank dar. Dort sind all die Leute, die man seit Jahren nicht gesehen oder nichts von Ihnen gehört hat. Man weiss wenigsten wieder, wo die wohnen und unter Umständen was die machen. Vielleicht liegt auch genau da eines der Probleme von Facebook – in der Zwischenzeit finde ich auch dort eigentlich keine Leute mehr, die ich gar nicht mehr wusste, dass ich die kannte! Die Spannung „alte Bekannte“ wieder zu finden nimmt irgendwann ab, man hat die gefunden, die man wollte und einzelne Zufallstreffer machen es dann auch nicht mehr aus.

Fazit: Ich bleibe sicher Mitglied bei Facebook und bei xing, bei Twitter bin ich auch mit dabei, aber nur sehr passiv. Als Kontaktdatenbank welche sich automatisch auf den neusten Stand bringt ist das für mich eine tolle Sache. Nicht sicher bin ich mir bei der Werbewirksamkeit, die Einblender nehme ich nur sehr passiv jeweils war, allerdings kann natürlich auch so eine grosse, für mich nicht spürbare Wirkung erzielt werden. Ob das nun wirklich irgend wann DIE Form der Kommunikation unter Menschen sein wird – ich weiss es nicht und ich hoffe, dass persönliche Kontakte dadurch gefördert und nicht unterdrückt werden. Für mich passts, aber ich glaube ich könnte auch gut ohne leben…..

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