Die aufkommende Weihnachtszeit hat zwei immer wieder schöne Nebenwirkungen – nein, eigentlich drei. Die ewig gleichen Schnulzen im Fernsehen, die „Jahresrückblicke“ auf was auch immer, schön nach Themen sortiert damit es für viele Abende „spannende Unterhaltung“ sorgen kann und die ganzen „Awards“.

Ich musste mir echt kurz überleben, ob es denn dafür auch ein Deutsches Wort geben würde, so spontan ist mir gar nichts eingefallen. Aber doch, es müsste wohl ein Preisausschreiben sein oder vielleicht auch viel einfacher „nur“ ein Wettbewerb. Aber ich gebe schon zu, „Swiss Award“ tönt schon besser als „Schweizerisches Preisausschreiben“.

Worum geht es eigentlich – man will spezielle Leistungen honorieren und Leute dafür vor Publikum ehren. Gibt es dafür andere als egoistische oder Marketing-technische Gründe? Ich meine nein, der Gewinner will oft von seinem Gewinn wirtschaftlich oder persönlich profitieren können. Ich bin mir sicher, dass das auch funktioniert, so lange man über die Preise noch einen Überblick hat. Ich glaube, der „Schweizer des Jahres“ zum Beispiel hat schon gewisse Vorteile, wird auf jeden Fall bekannt. Ob nun aber ein Gewinner des „Awards für die beste Frisur bis 10cm“ auch so richtig was hat davon?

Für mich stellt sich genau da das Problem. Jeder Verband, zum Teil jeder Verbandsteil oder eine andere Interessengruppe hat das Marketing-Vehikel Award für sich entdeckt – es gibt hunderte, vielleicht tausende allein in der Schweiz. Wer es nicht glaubt, einfach mal googeln, ist beeindruckend. Ein konkretes Beispiel – ein Award wurde diese Woche vergeben in 10 (!) Kategorien im Informatikbereich in der Schweiz. Es gibt im Informatikbkereich 3 (!) Award-Veranstaltungen. Bei dem letzter Woche wurden 130 Arbeiten eingereicht – davon 10 Gold-Gewinner, also fast 10% der Teilnehmer gewinnt. Da zweite und dritte Plätze mehrfach vergeben wurden, haben am Ende über ein Drittel der Teilnehmenden einen Preis gewonnen. Was für eine Ehre! Oder doch nur eine Klatsche für die, die es nicht mal in das erste Drittel geschafft haben?

Irgendwann gehört wohl ein „Award“ in die Firmengeschichte jeder erfolgreichen Firma – ohne Award ist man niemand. Dank der Fülle der Awards eigentlich auch kein Problem, mit Geduld überall mitmachen, irgend wann einmal wird es schon reichen zu gewinnen. Wie unglaublich viele red-dot-design Award Artikel gibt es in der Zwischenzeit….

Ein weiteres Problemchen von Awards ist die Jury. Oft (…das ist eine nicht bewiesene Unterstellung….) etwas befangen, wenn auch nicht absichtlich. Dessen durchaus bewusst werden viele Awards nicht nur von einer Jury bestimmt sondern das Publikum oder eine Interessensgruppe wird in die Entscheidung mit einbezogen. Da kommt dann Sympathie oder Politik mit ins Spiel der Entscheidung – vielleicht auch manchmal etwas Neid und Missgunst.

Kann aus rein sportlicher Sicht irgend jemand begründen, wieso Roger Federer in der Schweiz nicht seit Jahren (…Tendenz vielleicht etwas rückläufig…) der Sportler des Jahres ist? In Summe keine Frage – aber man gönnt den anderen etwas, der hat ja schon so viel. So wird der Award dann immer auch nicht nur an „Leistung“ vergeben, viele andere Punkte kommen da mit dazu. Im Falle Roger Federer ist dies die Schweizer Denkweise „der hat ja sonst schon alles, was die anderen zum Teil gar nie werden erreichen können“.

Das Publikum entscheidet spontan – eine gute Rede im richtigen Moment, eine gute Präsentation am richtigen Ort kann zur Entscheidung führen.

Fazit: Für mich gibt es zu viele solcher Preise und viele Entscheide sind dabei extrem emotional und zu einem speziellen Zeitpunkt. Award-Sendungen wie die des CH-Fernsehens hätten aus meiner Sicht im Sommer keine Chance, niemand würde vom Grill weg dafür – vor Weihnachten, in der dunklen Zeit aber schon. Der Wert der Auszeichnungen sinkt mit jeder neu dazu gekommen weiter – mich interessiert das alles nicht mehr!