Wir als Weiterbildungsunternehmen gehen manchmal auch zu Messen und/oder Ausstellungen verschiedenster Art. Auf Grund des dort manchmal nicht eben extrem Andranges habe ich mich gefragt, braucht es in der heutigen Zeit überhaupt noch Messen und Ausstellungen?

Diese Frage kann ich jetzt in der Zwischenzeit ganz klar beantworten – ja und nein :-)! Aus meiner Sicht sind vor allem zwei Dinge ausschlaggebend ob Messen sinn fördernd sind oder eben nicht. Das ausgestellte Produkt oder die ausgestellte Dienstleistung muss eine Konstanz aufweisen, darf nicht allzu schnelllebig sein – sonst komme ich von der Messe nach Hause und finde im Internet schon aktuellere Informationen und das nervt dann. Ebenso muss es einen Mehrwert ergeben, das Produkt zu sehen oder anzufassen – beschrieben kann das auch anderen Orts werden.

Konstanz – ich bin davon überzeugt dass zum Beispiel eine Uhren- und Schmuckmesse noch sehr lange sehr erfolgreich sein kann. Die dortigen Produkte erfüllen gleich beide Bedingungen. Sie sind langlebig und es wirkt extrem viel anders eine tolle Uhr oder einen tollen Edelstein echt zu sehen oder gar zu probieren als wenn ich da nur Bilder im Internet sähe. In eine sicherlich ähnliche Richtung geht zum Beispiel die Gartenmesse die in der Schweiz recht erfolgreich ist – auch dort gibt es zwar immer wieder neue Trends, aber da ist nicht alles neu nach ein paar Tagen.

So gibt es also sehr viele Beispiele, für die Messen ideal sind – und einige auch, für die Messen nicht mehr ganz so toll sind. Diese Messen sind auch zum Teil geschrumpft oder verfolgen aus meiner Sicht ein anderes Ziel als früher. Meine Branche, also die Informatik Industrie lebt derart extrem davon wer der schnellste ist in gewissen Bereichen, dass keiner mehr auf irgend welche Messe warten würde um zum Beispiel etwas neues zu zeigen. Apple zeigt ja sogar immer wieder direkt auf, wie nötig solche Messen sind. Apple (und meines Wissens im letzten Jahr auch Microsoft) nehmen an der grössten Elektronikmesse in Las Vegas ( http://www.cesweb.org/ oder http://de.wikipedia.org/wiki/Consumer_Electronics_Show ) nicht teil. Zu gross wäre der Konkurrenzkampf, zu klein die Möglichkeiten sich abzugrenzen oder aufzufallen. Wer kennt sie nicht, die immer geheimnisvollen Ankündigungen grosser Hersteller……..

Ein sehr grosser Vorteil war ja mal, die Informationen an einer Stelle zu erhalten, man musste also nicht mehr rum reisen, sondern konnte einfach an die Messe und sich dort umschauen, dann war man informiert. Dieser Vorteil besteht natürlich weiterhin, aber durch die Globalisierung erhält auch dieser einen Knick – eine „echte“ Marktübersicht gibt es meist an Messen nicht mehr, immer mehr wird das zu einer lokalen (wie gross auch immer „lokal“ sein mag, da gibt es sicher auch keine Landesgrenzen…) Marktübersicht. Und genau dort liegt nun der aus meiner Sicht grösste verbleibende Vorteil von Messen.

Man kennt sich – ich meine zu beobachten dass die Messen am besten funktionieren, welche ein Zielpublikum anlocken und somit eine Art Gemeinschaft bilden. Die Messen der Gewerbevereine zum Beispiel erfreuen sich grosser Beliebtheit – ist ja klar „komm wir gehen kurz zum Hugo, der ist an der Ausstellung heute“. Dort kann sich auch lokales Gewerbe mal präsentieren – ohne in der globalen Einheitssosse grosser Ausstellungen unter zu gehen. Und man kann persönliche Kontakte knüpfen.

Ich glaube daran, dass es auch weiterhin Messen geben wird – aber nicht mehr um eine Marktübersicht herzustellen – dafür wird wohl in Zukunft tatsächlich das Internet besorgt sein. Messen müssen sich fokussieren, müssen eine klare Gruppe an Menschen anziehen mit einer klaren Botschaft und einer ebenso klaren Abgrenzung bei den angebotenen Produkten – wie eben die Uhren- und Schmuckmessse, die Art in Basel ( https://www.artbasel.com/en/basel ) und andere. Sobald die Palette zu breit wird, verzettelt sich das dann und macht keine Mehrwert mehr und die Ballung ist dann auch schnell zu gering, sehr rasch findet man online eben NOCH mehr Informationen.

Fazit persönlich: Für mich selbst erscheinen nur sehr wenige Messen und/oder Ausstellungen als sinnvoll, ich kann mir meist die Informationen online holen und schon mal ein paar Varianten auf Grund von deren Eigenschaften ausklammern. Dann muss ich auch nur noch eine oder zwei Varianten prüfen und die finde ich – dann mit persönlicher Beratung usw. Wo ich immer hingehen werde ist die Weinmesse ( http://www.baslerweinmesse.ch/ ) eine Verkaufsmesse an der alle „unsere“ Weinlieferanten anwesend sind – da wird dann eingekauft in einer Atmosphäre, die nicht beeinflusst ist von schönen oder weniger schönen Verkaufslokalen.

Fazit Firma: Schwierig – im Bildungsbereich ist enormer – aber komplizierter Informationsbedarf vorhanden. Gleichwohl ist das Gebiet derart breit, dass eine „Boutique“ an einer Ausbildungs-Messe oft keine genügend grosse Community aufweisen kann. Ähnliches gilt dann auch für Messen in eben genau dem Tätigkeitsbereich, die Leute holen sich dort Informationen über Produkte und Technologien und nur selten über Weiterbildungen.

Über-alles-Fazit: Einiges geht, einiges geht nicht (mehr) – wenn es was zu Essen und zu Trinken gibt ist auch nie verkehrt ;-)! Ich selbst erachte nur noch sehr wenige Messen als notwendig, einfach weil die Informationsmöglichkeiten heute enorm gewachsen sind und somit auch an einer Messe nachweislich keine Marktübersicht mehr entsteht. Für viele Firmen wird die Anwesenheit aber noch lange von Bedeutung sein – entweder weil sie lokal auftreten können und möchten oder aber weil der Name sichtbar gemacht werden soll – ein teurer Spass für die Mission…….

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