Mir missfällt in letzter Zeit in der Berichterstattung und in der Wahrnehmung immer mehr der Umstand, dass der 30-jährige Edward Snowden (http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Snowden) einfach recht hat. Was er veröffentlicht oder erzählt stimmt – basta. Das ist für mich so schlicht und einfach nicht nachvollziehbar. Vor der Veröffentlichung aller Weisheit der Geheimdienste hatte Herr Snowden sein Informatikstudium doch schon geschlagene 6 Jahre hinter sich. Ich will damit nicht sagen, dass man da nicht an Informationen ran kommen kann – aber vielleicht sieht man in einigen Fällen doch auch nur einen Teil der Wahrheit. Dass die NSA nicht in der Lage sein sollte, einzelnen Mitarbeitern nur soviel anzuvertrauen, dass viel Mutmassen und Interpretation erst zu einer Aussage führen halte ich für unwahrscheinlich. Ebenso ist doch etwas kurios, dass das NSA ca. 40’000 Mitarbeiter beschäftigt und gerade jetzt gelingt es einem relativ unerfahrenen Systemadministrator alles zu wissen – hmmm?

Allerdings stellt sich die Frage, ob es notwendig ist wirklich zu wissen. Im Falle Snowden haben wir auch gesehen, dass schon Teile der Wahrheit, falls diese genügend Brisanz aufweisen, reichen um internationales Interesse zu wecken. Vielfach wurde kein Wissen vermittelt, aber so viel Information, dass „die Welt“ dem nachging und man erstaunliche Eingeständnisse Amerikas zu hören bekam. Es hat also gereicht, den Zündfunken überspringen zu lassen und das Fass zum explodieren zu bringen. Ähnlich war das ja auch in der Schweiz (…wenn auch in wesentlich geringerem Ausmass und mit mehr oder weniger keiner Bedeutung für den Rest der Welt…..) im Fall Hildebrand zu beobachten. Zumindest theoretisch könnten bis heute die Vorwürfe falsch sein und geächtet wurde der Herr auf Grund der Tatsache, dass es möglich wäre, dass es so sein könnte (http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Hildebrand).

In der Schule waren und ich denke sind Petzen verpönt, es gibt nichts schlimmeres als solche die einen „verraten“. In der Politik und in der Weltwirtschaft hat man da jetzt irgend welche „Stufen“ eingeführt. Das Ausplaudern von geheimen Informationen scheint für den Ausplauderer nicht mehr verwerflich zu sein, sobald man Dinge aufdeckt mit deren Wissen es einer Allgemeinheit besser geht. Also Unrecht gegen Unrecht ist nicht mehr absolut, manchmal ist unrecht ok – oder „der Zweck heiligt die Mittel“! Auch ich denke mir manchmal insgeheim bei Verhaftungen von mehrfachen Mördern und Vergewaltigern – wäre er doch nur weg gerannt und man hätte schiessen dürfen! Wenn ich aber nachdenke muss ich eingestehen, so kann und darf es nicht gehen! Aber „whistleblowing“ tönt ja auch herzig und ist somit korrekt.

Bei der „Bestrafung“ kommt das nächste Problem. Für einen Richter stellt es aus meiner Sicht eine absolut unmöglich Situation dar zu beurteilen, ob illegal erlangte Information nun so wichtig war, dass Straffreiheit möglich ist oder nicht. Das heisst dann konkret, dass Staaten zu Zeugen werden könnten (Vertreter der Staaten natürlich) und diese sagen, wieso die Information wichtig war oder nicht. Eine Verteidigung wird auch Staatsvertreter hören und man wird kein bisschen weiter sein. Grundsätzlich spielt es aber auch keine Rolle mehr, die „Wahrheit“ ist am Lichte, das Ziel für den Plauderer erreicht. Wenn es Ausmasse gibt wie bei Assange (wikileaks – http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange) oder eben Snowden werden die durchaus gute Chancen haben, von anderen Ländern ernährt zu werden.

Die Person selbst handelt aus meiner Sicht auf jeden Fall verwerflich und nicht loyal…..Werte die vielleicht so oder so auf dem absteigenden Ast sich befinden.

Wieso aber wird dem so stark vertraut? Schon hunderte vorher kamen daher gelaufen und haben von den ungeheuerlichen Dingen der Amerikaner erzählt, aber keiner hat zugehört – oder man hat den Staatsmänner vertraut, die abgewiegelt hatten. Wikileaks hat die Welt dahingehend deutlich umgekrempelt. Es gab nun „Beweise“, Dokumente in einem Umfang und einer Echtheitsanmutung dass man schlicht nicht glauben konnte, dass alles erlogen sein soll. Snowden konnte auf dieser Welle mit reiten und hat nun die Aufmerksamkeit auf sich und den Bonus, dass die Staaten (oder die USA in beiden Fällen) halt gelogen haben.

Etwas besorgt bin ich aber trotzdem über die Überbewertung die im Moment statt findet. Wenn der Blick auf irgend einem Blatt von Snowden „Schweiz“ findet, dann kann unsere gesamte Regierung sagen was sie will, sie bleibt in Generalverdacht. Dass die Schweiz auf amerikanischen Listen mit drauf ist – wundert das wirklich jemanden? Wie viele Streite tragen wir im Moment mit den Amerikanern aus – wie gross ist das Interesse der USA an der Schweiz? Recht gross, auch wenn es mehrheitlich um Geld und Vermögen geht! Ich würde jetzt weiterhin trotzdem mal vertrauen und sagen, dass die Schweiz keine generelle aktive Zusammenarbeit mit der USA gesucht hat – zumindest nicht auf dem Level der Spionage. Dies glaube ich hauptsächlich um mein Weltbild des ehrlichen und ehrbaren Menschen aufrecht zu erhalten!

Sind die aufgedeckten Tatsachen an sich erschreckend oder schockierend? Ich denke eher nein. Das Internet und Daten sind die Kriegsschauplätze der neuen Zeit – auch wenn das einige noch nicht erkannt haben. Dass es möglich ist, derart grossflächig zu operieren hätte ich in Frage gestellt allein auf Grund der Menge der Daten – aber scheinbar ging das doch. Weiterhin aber bin ich überzeugt, dass auch dort massive Spamfilter eingesetzt werden und man schon zuerst ein bisschen verdächtig werden muss bis man auf die Auswertungen mit drauf kommt. Absolut schade finde ich, dass man die Daten nicht für zivile Zwecke benutzen darf – ich bin überzeugt dass einige Verbrechen erklärt und bestraft werden könnten mit diesen Daten.

Fazit: Die Menge / der Umfang hat mich überrascht, die Tatsache selbst eigentlich eher  nicht. Ich wäre dafür, dass ausgewählt Behörden (allen voran die Polizei) diese unglaublich Datenmenge im Bedarfsfall zur Aufklärung von Verbrechen verwenden und auswerten darf. Nicht das gesamte „Paket“, sondern die für den Falle unter Umständen relevanten Informationen – die Auswertungssoftware und die Computer der NSA sollten dazu in der Lage sein – sonst könnten sie auch ihre Ziele nicht erreichen. Ich selbst werde aber etwas aufpassen und nicht einfach alles glauben, nur weil es irgendwo in Wikileaks oder bei Snowden ein Papier gibt wo was drauf steht – manchmal fehlt da vielleicht auch der Zusammenhang und für mich ist das „egal, es reicht, dass überhaupt“ einfach nicht genügend.

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