Gestern durfte ich mit einigen anderen Mitarbeitern der Firma an einem Workshop zum Thema „Führen von Mitarbeitergesprächen“ teilnehmen. Dieser halbtägige Workshop wurde bestritten von Adrian Stalder (www.stalderprojects.ch oder http://www.nzp.ch), was auf jeden Fall eine sehr gute Wahl war! Ich denke, einige von uns haben viele Dinge nicht zum ersten Mal gehört und die „echten“ Überraschungen waren verständlicher Weise eher selten – aber genau hier handelt es sich ja um ein Thema, das für das Individuum Mensch ähnlich schwierig ist wie eine jahrelang glückliche Beziehung und es schadet nie, die paar wirklichen Grundregeln einmal mehr zu hören.

Einen Aspekt habe ich für mich aber raus gegriffen, und zwar die „Energie“ des Zieles. Ich bin und wurde (auch in Seminaren) eher dahin geleitet, dass die „Motivation“ das oberste ist, was es braucht. Aber gerade dort hatte ich vor ein paar Jahren einen Tiefschlag erlebt weil uns ein Psychologe folgende „Realität“ beigebracht hat, ich zitiere: Jeder Mitarbeiter ist bei der Unterschrift des Arbeitsvertrages bei einem neuen Arbeitgeber hoch motiviert und „unsere“ Aufgabe ist es ausschliesslich, den Verfall dieser Motivation zu bremsen! Hmm – Schlag ins Gesicht – aber mit etwas Erklärung ganz verständlich. Natürlich kommen unweigerlich bei einer Zusammenarbeit Störungen auf, welche die jungfräuliche Vorfreude auf den neuen Job und die damit einher gehende Motivation stören können. Lassen wir diese These – welche den „Chef als Motivator“ ja auch nicht echt in Frage stellt – einfach mal so stehen.

Ziele, ja, die Leute welche wortwörtlich bis zum Leben für ein Ziel kämpfen sind Fanatiker, daraus entstehen oft auch Terroristen. In diese Richtung können wir also schon mal nicht arbeiten aber es zeigt doch deutlich die Energie welche allein durch eine Denkweise ausgelöst werden kann. Als zweit höchstes Ziel (und somit der Energie) wurde uns das Missionieren angeboten. Ja, kann ich auch gut leben damit – für mich sind die Grenzen von Fanatismus und Mission leider zu oft in der Vergangenheit viel zu fliessend verlaufen, schon allein dass es das Wort „Glaubenskrieg“ gibt sagt vieles – aber auch hier gilt, für den Firmenalltag sollten wir diese Energien nicht versuchen abzurufen.

Nun kommen wir zum Kern, einfach zum „Ziel“ halt. „Ein Ziel haben“ als Treiber für mein tun – also ich kenne das aus vergangenen Zeiten, eine Frau zu erobern zum Beispiel hat manchmal recht viel Energie gekostet, welche aber immer in genügender Menge zur Verfügung stand – das Ziel „war es wert“. Ich denke, viele Wissen dass es wichtig ist in Richtung eines Ziels zu gehen. Einige fordern Ziele und einige haben die Aufgabe, ein solches zu definieren. Klar definierbar, kontrollierbar, messbar, umsetzbar…….so viele Eigenschaften mit „….bar“ soll ein Ziel haben, echt schwierig. Der Ausweg, finanzielle Ziele, Umsatz- oder Renditeziele, Aquisitionsziele. Eine Art von Ziel, welche wir alle in der Lage sind zu definieren, kontrollieren und zu messen. Aber wird dieses Ziel eine Energie frei setzen?? Ich denke eher nicht oder ungenügend, zwei Probleme ergeben sich. Ist das Ziel nicht „angemessen“ wird keine Energie daraus entstehen – zu niedrig erreicht man es ja so oder so,  zu hoch (aus Sicht des Zielempfängers natürlich) ist auch egal, da kommt Ende Jahr ein vielleicht sogar richtiges „ich habe ja schon immer gesagt“. Ebenso haben finanzielle Ziele die für die ganze Firma gelten bedeutende Makel – einer dass nicht jeder im Betrieb gleich viel Einfluss auf das Ziel hat (jeder muss dazu beitragen, aber nicht jeder kann an allen Schrauben drehen um das Ziel zu erreichen) und einer, dass man sich locker „hinter anderen“ verstecken kann.

Was leite ich nun daraus ab? Wenn es in einem Betrieb finanzielle Ziele gibt – was ja irgendwo für mich auch nicht komplett verkehrt aussieht – müssen diese mit einem „darüber hinaus gehenden Ziel“ angereichert werden. Dieses Ziel muss sich lohnen, und zwar für jeden individuell! Viele Herausforderungen dazu kommen mir spontan in den Sinn, aber vielleicht wäre es doch der Weg, den es zu gehen gilt.

Für die Weitergabe solcher Ziele gibt es Gespräche für die wir sehr viele Tipps erhalten haben – dass wir auch nach diesem halben Tag immer mal wieder in solchen Gesprächen nicht weiter wissen wird sich nicht wesentlich geändert haben ;-)! Als schwierig erachte ich manchmal auch, dass man in der Zwischenzeit alle arbeitenden Menschen in diesen Gesprächen schult – nicht locker und persönlich „drauf los“, nein, ein Plan muss her, ein Vorgehen, Formalitäten. Das ist sicherlich gut – aber ich würde das persönlich eigentlich in den Bereich Messung einordnen und nicht Förderung, Förderung hat täglich zu passieren und nicht einmal im Jahr im Kämmerlein mit einem Formular.

Eindeutig erscheint mir der Weg der Kommunikation von Zielen in Betrieben. Als Botschaft im Sinne von Vorgaben kann nur top down zum Erfolg führen. Dies nicht nur in hierarchischem Sinne, sondern auch in der Sequenz – zuerst wird sich die Geschäftsleitung klar über die Ziele, diese werden hierarchisch abwärts weiter gegeben, jeder der ein Mitarbeitergespräch mit einem Angestellten zu führen hat muss sein eigenes vorher mit seinem Vorgesetzten gemacht und akzeptiert haben.

Fazit: Dieser Tag hat sich sehr gelohnt, der Referent war aus meiner Sicht Spitzenklasse weil er alle „Behauptungen“ mit praktischen Beispielen oder bildlich unterlegen konnte. Ob wir deshalb „bessere“ Mitarbeitergespräche leiten werden – ich glaube zumindest haben wir genügend Ansätze erhalten unser Tun zu überdenken. Da wir es hier immer mit unterschiedlichen Menschen zu tun haben, wird unsere Anpassungsfähigkeit auch in Zukunft in einigen Fällen überfordert werden oder es wir zu verfahrenen Situationen kommen können. Mir hat es sehr viel Spass gemacht und der Nachmittag war ruckzuck durch…

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