Am Dienstag haben alle die das Spiel der Champions League Basel gegen Schalke gesehen haben miterleben dürfen, wie moralische, politische und finanzielle Interessen manchmal so nahe beieinander liegen und doch so unterschiedliche beurteilt werden.

Fussball auch höchstem Niveau – ja, da geht es um Sport, ganz klar. Aber, und daraus machen die meisten Vereine gar keinen Hehl, es geht auch um wirtschaftlichen Erfolg. Natürlich lässt sich der sportliche Erfolg nicht erkaufen, trotzdem würde ich sagen zeichnet sich weltweit eine Tendenz ab dass reichere Vereine häufiger in der vorderen Hälfte der Tabelle anzutreffen sind. Die Aktion am Dienstag galt Gazprom – ob es da um wirtschaftliche Interessen geht oder nicht muss nicht weiter erläutert werden, dort geht es um nichts anderes! Somit verfolgt Gazprom und ein Fussballklub eigentlich recht ähnliche Interessen – am Ende des Jahres soll Geld raus springen. Bei Sportvereinen gehört da sportlicher Erfolg mit dazu, bei (zufälliges Beispiel) Öl- und Erdgas fördernden Unternehmen darum, Vorräte auf der Erde zu erschliessen.

Nun macht das die Firma Gazprom in der Arktis – ein Gebiet in dem ein Unfall wie zum Beispiel der der Deep Water Horizon im mexikanischen Golf zu ungleich höherer Verschmutzung der Umwelt führen würde – wahrscheinlich gar zu deren Zerstörung. Die Konzerne wären heute in der Lage, solche Katastrophen zu „kontrollieren“ und zu bezahlen, es wäre aber niemandem wirklich geholfen damit, die Natur wäre kaputt. Wer weiss heute zum Beispiel schon, ob das Schlamassel im Golf von Mexiko wirklich geklärt ist. Auch in afrikanischen Staaten herrschen unsagbare Zustände bei der Suche nach Öl………….Klar, man kann sagen das ist alles ganz weit weg und es wohnt ja eh keiner da, aber ist es wirklich weniger wichtig als 5 Minuten Fussball??

Der Zeitpunkt für die Aktion war perfekt inszeniert. Gazprom war zu dem Zeitpunkt bei dem Anlass als übermächtiger Sponsor präsent, sowohl die UEFA wie auch Schalke machen da die hohle Hand und kassieren ein paar Milliönchen. Ebenso wusste man, dass ein Urteil einer Aktion in der Arktis anderntags veröffentlicht werden wird – gerichtet ebenso gegen Gazprom. Somit konnte man eine eigentliche Hebelwirkung erreichen, die Presse hätte die Verurteilung der Aktivisten in Moskau fast sicher tot geschwiegen wäre nicht am Abend vorher diese Aktion durchgeführt worden.

Nun, was ist eigentlich wirklich passiert? Nichts, oder? Also ich konnte nichts erkennen. Die Männer haben sich abgeseilt, das Transparent ganz ausgerollt und als sie sicher waren, dass die Kameras mal drauf waren sind sie wieder hoch geklettert, haben aufgeräumt und sind abgezogen. Extrem friedlich, mit einer klaren Mission – fünf Minuten hat man die Bühne des Fussballs dazu benutzt auf friedliche Weise aufmerksam zu machen. Ich denke es ist nicht falsch wenn man sagt, dass man diese Bühne „missbraucht“ hat – der eigentliche Sinn der Veranstaltung wurde sicher nicht getroffen.

Bei jedem Fussballspiel benötigen wir (in Basel auf Grund der hohen Fanzahl und eines etwas doofen Fanblocks mit ein paar Chaoten als Mitgliedern immer ein wenig mehr) hunderte von Polizisten um schon nur die Fans friedlich zu halten – und klappen tut es fast nie. Auch bei diesem Spiel haben vor Anpfiff ein paar doof rum gekloppt. Wo war denn jetzt deren Botschaft? Wieso ist das weltweit akzeptabel, wieso ist Pyrotechnik immer wieder in Stadien, wo ist die Botschaft, wie hoch die Gefahr? Mir stellen sich da ganz viele Fragen auf die ich, wenn ich es der Greenpeace-Aktion gegenüber stelle, einfach keine Antworten finde. Dass man um das im Griff zu haben letzten Dienstag einen Super Puma Heli der Armee während Stunden über den angrenzenden Wohngebieten hat kreisen lassen zur Überwachung hat vielleicht auch den einen oder anderen Anwohner gestört. Aber für den Fussball ist es ok…

Dass nun die UEFA den FC Basel büssen will – was für ein Hohn, die UEFA holt sich somit mit etwas, wo sie durchaus dafür mitverantwortlich ist nochmals Geld zurück, kaum zu glauben. Ich glaube, darüber würde sich sogar Greenpeace ärgern, weil das macht einfach keinen Sinn. Natürlich ist es ein bisschen peinlich für den Klub, welcher für die Sicherheit im Stadion zuständig ist. Siebzehn Leute auf dem Stadiondach zu übersehen tönt schon nicht nach „alles im Griff“ und ein Plakätchen hatten die ja auch noch mit dabei!

Greenpeace selbst wird sich vor der zivilrechtlichen Strafe nicht fürchten, alle Aktionen von Greenpeace beinhalten das Risiko einer Anzeige, dieses Risiko ist somit absolut mit einkalkuliert. Genau solche Aktionen braucht es aber von irgendjemandem, damit die eine oder andere Sauerei auf der Welt wenigstens zwischendurch mal wieder auf der Bildfläche der internationalen Presse erscheint.

Fazit: Diese Aktion war perfekt geplant, gut und friedlich durchgeführt und erfüllte eine Mission – das legitimiert diese wohl weit mehr als jeden einzelnen Chaoten der nur in die Nähe des Fussballstadions geht um sich zu prügeln. Man sollte sich wohl nicht ins Hemd machen wegen solchen Dingen, passiert ist da wirklich rein gar nichts und in der deutschen Presse war diese Aktion sogar in der Lage, die Rauffereien am Rande zu überdecken – Basel und dessen Fussballklub haben also nicht nur gelitten unter der Aktion. Ich heisse solche Dinge gut – oft passiert das so oder so nicht, eine solche Aktion zu wiederholen wäre ja absolut langweilig und würde dann vielleicht auch mich irgendwann mehr ärgern als amüsieren und zum denken anregen.

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