In einem Kurzseminar zum Thema „Marke“ wurde uns erläutert, dass diejenigen Marken gewonnen haben, welche ihre Marke zum Verb gemacht haben.  Dies trifft natürlich auf Google zu (google mal….) wie zum Beispiel auch auf  „fönen“ (Verb der 1908 registrierten Marke Fön) – wer mehr lesen will – http://www.goethe.de/ges/spa/siw/de6383240.htm. Daneben gibt es noch dejenigen Marken, welche eigentlich ein Produkt darstellen – so nenne ich zum Beispiel alle Arten von Styropor schlicht und einfach Sagex (ein Markenname der Firma Sager – Schweiz).

Nun habe ich mich gefragt, ob ich bereits einer Marke auf irgend einer Art verfallen bin. Die meisten Marken – ja, auch BMW – kann ich da ausschliessen. Die betreffen nur einen minimalistisch kleinen Teil von meinem Leben oder ich könnte wenn ich ganz ehrlich sein würde gut darauf verzichten. Die einzige Marke die ich wirklich hängen bleibe ist Google. Ich habe mir hier zum Beispiel auch Apple überlegt – aber im Verlauf des Artikels wird vielleicht klar, wieso diese für mich nicht in gleichem Masse bedeutend ist wie Google.

Früher war Google auch für mich noch eine Suchmaschine, man konnte durchaus zum Beispiel zu yahoo wechseln und man hatte ähnliche Resultate. Zumindest theoretisch funktioniert das auch heute noch – aber selbst Personen die z.Bsp. Bing irgendwo als Suchmaschine eingestellt haben reden aus meiner Erfahrung nicht von „bingen“ und „yahoo-en“ habe ich auch noch nie gehört. Im Internet suchen = googeln!

Ja, im Moment liest man von den enormen Zuwächsen bei yahoo – vielleicht hat das was mit der Standardeinstellung von Safari Mobile zu tun – aber das ist eine reine Vermutung ;-)!

Weit gefehlt natürlich dass bei Google nach der Suche Schluss ist. Ich verwende Chrome (von Google) als Internetbrowser wenn immer möglich – und ich habe bei meinem Arbeitgeber einen e-Mail Account – dessen Basis ist gmail (von Google). Zusätzlich verwende ich freiwillig ein Smartphone von LG – ein Nexus 4, DAS Google-Phone überhaupt – und überall bin ich mit meinem geschäftlichen Account oder mit einem privaten gmail Account (den ich auch brauchte für mein erstes Android Phone – mit der Verpflichtung zu einer speziellen Art von Account ist Google kein bisschen besser als alle anderen…) angemeldet. Das heisst, Google kennt mich oder zumindest mein Surfverhalten bis ins Detail. Selbst wenn die das nicht bei sich abspeichern würden, so wäre doch mein PC eine ideale Quelle um mein Verhalten zu analysieren.

Ist das nun Vor- oder Nachteil, diese Frage stellt sich immer wieder. Was die Vertraulichkeit der Daten angeht ist das garantiert ein Nachteil – aber was sollen wir da überhaupt noch glauben. Berichte von Servern oder anderen Geräten die mit irgend welcher Software verseucht sind die Daten sucht lese ich gar nicht mehr. Erstens weil das so oder so irgendwie klar ist und zweitens und wichtiger – alle die behaupten das sei bei Ihnen anders irgendwo Lügner sind. Das Internet (das wissen wir ja jetzt…) gehört den Amerikanern und unter Berücksichtigung dieser „Tatsache“ ist da rein gar nichts mehr sicher.

Für die Bedienung aber ist das ein immenser Vorteil. Dadurch dass Google mein Verhalten doch recht genau kennt, kann alles für mich massgeschneidert werden. Ich sehe Werbung zu Dingen, die mich grundsätzlich interessieren, die Suchresultate die ich erwarte stehen immer recht weit oben in der Suche und so weiter und so fort. Nur Vorteile durch „Vergoogelung“! Genau dieselben „Vorteile“ erhält man auch bei anderen Anbietern – Microsoft ist da nicht besser, Apple auch nicht. Am Anfang habe ich geschrieben, dass Apple da nicht dazu gehört – ganz einfach weil die nicht alle Dienste aus einer Hand anbieten, die totale Kontrolle über den Benutzerstatus erlangt Google und sonst niemand in dieser Tiefe.

Politisch sehe ich da ganz grossen Nachholbedarf. Ich will nicht sagen, dass es nicht Politiker gibt, welche sich diesen Gefahren annehmen oder sogar verstehen was da geht – aber meist gehören die irgend welchen Randparteien an und können sich (noch) zu wenig Gehör verschaffen. Die Schweiz hat ja in der Zwischenzeit Lösungen für den Cyberwar gefunden, ein Kampfflugzeug aus Schweden muss es richten. Die IT-Projekte der Eidgenossenschaft gehen mehr oder weniger vollständig und reihenweise im Chaos unter – ich glaube kaum dass es da irgend eine „Schatten-IT“ gibt welche die Gefahren aus der virtuellen Welt im Griff hat. Die extrem schwierige Frage dabei – wie sollte man fähige Leute da in die richtigen Positionen bekommen? Vielleicht braucht es eine zweite Politik, eine Art zweite Regierung – rein virtuell, auf dem Netz, ausschliesslich für die Belange der digitalen Welt zuständig. Sobald diese Umfang und Relevanz dieser Welt auf die „normale“ Politik aufgezeigt haben, könnte ein Umdenken stattfinden oder zumindest nicht mehr unrealistisch erscheinen. In der EU – oh, da muss man den Euro retten und die stärkste Nation sitzt die Probleme weiter aus……

Fazit: Ja, ich bin „vergoogelt“ und ich habe keine Ahnung, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Die Vorteile bei der Suche, bei der Werbung überwiegen bei mir eigentlich gegenüber der Angst der Datenanalyse durch Dritte. So lange diese Daten nicht missbraucht oder gar manipuliert werden ist die Situation ja auch nicht bedrohlich, allerdings steckt genau da das grosse Problem versteckt. Die zunehmende Kriminalität auf digitalen Wegen ist bedrohlich und wahrscheinlich eine der ganz grossen Gefahren der Zukunft. Ob hochrangige Politiker in Europa im Moment Zeit haben, sich auf solche Dinge vorzubereiten – na ja, ich bin mir da nicht ganz sicher.