Ich (und bei mir stimmt diese Aussage auch vollständig) hatte am Samstag das Vergnügen, Peter Schneider – bekannt zum Beispiel aus „Die etwas andere Presseschau“ auf SRF3 – für 30 Minuten live zu erleben an einer Firmenveranstaltung für unsere Trainer. Dieses Engagement war ein Risiko, weil sowohl die Psychoanalyse wie auch die Satire Felder sind, welche beide umstritten sind und kontrovers diskutiert werden.

Wir erhielten einen (mehr oder weniger abgelesenen) Vortrag zum Thema „Was heisst eigentlich beraten“. Schon am Radio wie auch in den schriftlichen Publikationen war ich persönlich überrascht über die feine sprachliche Klinge die Herr Schneider führt. Umgekehrt war es allerdings auch so, dass man realisiert wie kompliziert die Deutsche Sprache auf diesem Niveau eigentlich sein kann. Für Schweizer wie uns waren die Spitzen nur dann erkennbar, wenn man auch wirklich konzentriert zugehört hat. Vielleicht schon etwas schwere Kost für einen Samstag – morgens um 9!

Wenn zwei polarisierende Themengebiete aufeinander treffen wird wohl deren Kraft kumuliert oder potenziert, auf keinen Fall wird sich das aufheben. Genau so kamen danach auch die Rückmeldungen der Zuhörer herüber. Grundsätzlich gab es wie erwartet nur zwei Lager (gefällt oder gefällt nicht). Das Lager „gefällt nicht“ hatte zwei grundsätzliche Reklamationen zu vermelden. 

– ich hätte erwartet, Peter Schneider ist „lustiger“

– Angriffe und klare, durchaus politisch inkorrekte Stellungnahmen zu Personen und Gruppen hätten nicht sein müssen

Ich selbst glaube, genau darin liegt eben er Unterschied von Klamauk und Satire. Hätten wir Massimo Rocchi eingeladen, wir hätten garantiert mehr gelacht in dieser halben Stunde. Hätten wir eine psychologischen Fachmann für Lern- und Beratungsfragen eingeladen, wir hätten mehr „Fakten“ erhalten. Die Satire bewegt sich nun mal halt genau dazwischen! Im konkreten Fall meine ich zu verstehen, dass sehr viele Ansätze der Philosophie mit dabei waren – somit wird so oder so alles etwas ungreifbarer, etwas diffuser und offen für weite Spekulationen.

Für mich waren einige Spitzen oder als Scherz sogar deklarierte Aussagen während des Vortrags nicht sofort zu verstehen – klar kenne ich zum Beispiel einen Herrn Kant, aber wie genau dessen Aussagen in den Vortrag passen oder gar die Erwähnung seines Namens als Scherz zu verstehen war – das war für mich auch deutlich zu schnell in zwei Sekunden. Durchaus komplex wenn Psychoanalyse, Satire und Philosophie versuchen eine Einheit zu bilden!

Fazit: Ich habe diese halbe Stunde sehr genossen, habe gestaunt über die Sprache, habe von den 30 Minuten ca. 25 geschmunzelt und etwa 3 davon gelacht. Die eine oder andere Bemerkung oder Aussage schwirrt noch heute im Kopf rum und meine eigene Meinung dazu verkehrt sich im Stundentakt. Halbwahrheiten die zum denken anregen – ich mag das, aber das ist anstrengend und eine 100% Öffnung und Bereitschaft der Zuhörenden ist notwendig (wie auch einiges an Toleranz zu „unkorrekten“ Inhalten). Die Wahl für einen Firmenanlass war gewagt und für einige Anwesenden falsch…..was man nur durch flache Inhalte ändern könnte, dann wäre es für all ein wenig langweilig ;-)!