Oft lese ich, dass Stau die Arbeitsleistung der Schweiz mindert und dass hunderte und tausende von Stunden im Stau quasi nicht geleistet werden. Von diesem Aussagen bin ich aber irgendwie irritiert. Ich verstehe, dass Transporte durch Stau längere Zeiten erhalten um von A nach B zu kommen – allerdings kann man diese Zeiten relativ gut kalkulieren, somit sind diese aus meiner Sicht nicht allzu relevant. Dass sich Transportfirmen jahrelang mit ruinösen Preisen selbst in die Enge getrieben haben hat auch nichts mit Stau zu tun!

Aber es ist wohl tatsächlich so, dass beim Transport von Menschen und Gütern durch Stau die Zeiten verlängert werden und somit tendenziell die Kosten steigen. Diese Verzögerungen sind aber doch sehr oft absehbar und somit einfach in die Zeitkalkulation zu übernehmen – und wenn etwas mehr Zeit braucht, ist es unter Umständen teurer. Vor allem die Transporteure haben da ja bereits einige Tarifmodelle erfunden, welche eine langsamere Beförderung sinnvoll erscheinen lassen – weil dann eben Verkehrsspitzen umgangen werden können und somit die Fahrzeit verkürzt.

Was ich aber bis heute schlicht nicht verstehe ist, dass Pendler, die mit dem Auto zur Arbeit gehen durch Stau weniger Arbeit leisten. Für mich war und ist es klar, wie viele Stunden in etwa ich zu leisten habe. Wenn ich um 8 anfange und nicht zu lange Mittag mache, dann kann ich sicher um 18 Uhr gehen, das passt. Wenn ich später komme, muss ich länger bleiben…..also, was ist mit Stau und Arbeitsleistung? Gar nichts, oder sehe ich das falsch? Es liegt in meiner Verantwortung wann ich die Arbeit an meinem Arbeitsplatz antrete und wieder verlassen darf. Weil ich im Stau stecke arbeite ich doch noch lange nicht weniger….? Mache ich in diesem Punkt irgend einen Überlegungsfehler?

Gut, es gibt auch noch diejenigen, die nicht an einem Arbeitsplatz arbeiten, sondern unterwegs sind (wie viele Handwerker zum Beispiel). Da sehe ich schon ein, dass Staus ein Problem darstellen. Wenn man – sagen wir – von Baustelle zu Baustelle „eilen“ sollte und man nicht hin kommt kann es tatsächlich zu einbussen kommen. Da wäre Fahrzeit ja Arbeitszeit. Aber haben wir wirklich SO viel Stau ausserhalb der Spitzenzeiten? Eher nicht – also gilt auch hier wieder – morgens und abends ein Problem und für den Rest des Tages eher nicht. Aber ich sehe wirklich ein, für Arbeiter die mobil sein müssen und das mehrfach täglich stellt der Verkehr ein echtes Problem dar – oder sind diese vielleicht gar das Problem?

Ich möchte hier jetzt nicht zu stark polarisieren – aber sind denn wirklich alle Fahrten immer notwendig? Wenn ich mich bei uns vor die Schule oder vor den Coop stelle kann ich wohl mit gutem Gewissen verneinen. Manchmal würde es auch zu Fuss oder per ÖV gehen. Aber es darf natürlich dazu auch keine Gesetze geben, da wäre ich auch dagegen. Es soll jede(r) selbst entscheiden, wie die richtige Art ist von A nach B zu kommen – unabhängig davon wohin oder weshalb man geht. Wir als Familie haben uns wohl recht gut arrangiert, das einzige echte Stauproblem haben wir bei der Fahrt in die Sommerferien. Mit Kindern halt nur in der Hauptsaison möglich und somit am Gotthard doch mal recht mühsam – aber kalkulierbar!

Fazit: Ich verstehe nur zum Teil, dass Stau unserer Wirtschaft schadet – den Steuern schadet es wohl eher nicht, im Stau wird recht viel Treibstoff verbrannt im Vergleich zum rollenden Verkehr. Dass es einzelne Branchen gibt die auf Mobilität angewiesen sind steht ausser Diskussion, da könnte es zu Problemen kommen – denen kann man auch nicht mit zeitlicher Flexibilität entgegen kommen. Ganz sicher bin ich aber, dass sich einige anders organisieren könnten um nicht mehr selbst Teil des Staus zu sein und sich darüber zu ärgern. Dies zu hinterfragen ist ganz sicher eine Aufgabe der Gesellschaft in der modernen Welt und ebenso für jeden einzelnen von uns.