Jetzt geht es wieder los auf den Selbstpflückfeldern. Erdbeeren, Spargeln, sonstige Beeren – ich selbst weiss gar nicht, was man sich alles so selbst „pflücken“ kann. Im Prinzip ist das Pflücken gerade eben dieser Teil, den ich gerne anderen überlasse ;-)! Ich glaube, da gibt es drei Gefühle, die einen dazu verleiten selbst Pflücken zu gehen. Speziell in diesem Fall sind sicher noch Blumen, da ist halt oft das „24h offen“ ein Argument – oh, brauche noch Blumen zum mitbringen – fahre halt schnell am Feld vorbei. Sonst kann ich mir nur drei Dinge vorstellen.

a) es ist halt einfach toll, irgendwie ein Erlebnis die Dinge, die man später ist selbst vom Feld geholt zu haben. So ein bisschen etwas „Verwegenes“ – ganz im Sinne von Städter sucht (wobei das Selbstpflückangebot absolut nicht nur von Städtern genutzt wird…).

b) man ist selbst der Möglichkeit beraubt selbst anzupflanzen weil man in einer Wohnung lebt, welche diese Möglichkeiten nicht bietet man die Gartenarbeit aber eigentlich schätzt – so kommt wenigstens ein bisschen Gartengefühl zurück.

c) Bio, alles Bio, selbst geholt, selbst gepflückt, direkt vom Bauern!

Die ersten beiden Argumente sehe ich absolut ein und ich verstehe auch die Leute sehr gut. Gartenarbeit ist wahrscheinlich wirklich nur für diejenigen Leute eine Last, welche diese nicht wollen. Viele sehen darin ein Hobby und einen Ausgleich zu Ihrer vielleicht oft eher kopflastigen Arbeit, das passt dann bestens.

Nun ein bisschen Bio. Das ist natürlich Mist. Nur weil ich es selbst auf dem Hof abhole oder weil ich das sogar selbst gepflückt habe ist noch rein gar nichts Bio daran! Zumindest von einem Erdbeerenfeld in unserer Region weiss ich, dass das nichts mit Bio zu tun hat. Ebenfalls weiss „man“, dass einige Bauern für ihren Hofladen auch mal Dinge zukaufen – sie also selbst nicht so ganz genau darüber Bescheid wissen.

Ich bin aber trotzdem überzeugt, dass die Frische der Produkte sicherlich gegeben ist und dass Bauern nicht grundsätzlich versuchen, mit Chemie ihren Gewinn zu maximieren – und ich hoffe, ich liege damit nicht falsch! In der Schweiz denke ich aber kann man davon ausgehen, gute und frische Ware auf dem Hof zu erhalten – wenn auch sicher nicht immer Bio!

Hier wäre sicherlich der Punkt, Bio zu definieren. Die Bio-Knospe welche wir in der Schweiz kennen ist eine sehr strenge Norm, welche sich nur schwer erfüllen lässt. Wird ein Betrieb da zertifiziert kann man wirklich sicher sein, dass Bio raus kommt. Für mich geht Bio aber viel weiter – die Erdbeere, welche bei uns wächst ist auch mit etwas Dünger oder sonstigen Giften immer noch weit mehr Bio, als diejenige welche in spanischen, geheizten Gewächshäusern wächst – und dies nur weil genügend „Nährstoffe“ zugefügt werden. Der Geschmack, der dabei raus kommt ist uns ja allen bekannt…

Nun zum Kern – ich bin weder Bauer noch sonst landwirtschaftlich verbandelt. Richtig speziell ist der Aufwand welchen die Leute treiben um solche frischen Bioprodukte zu erhalten – vor allem der Aufwand in Kilometern! Ich möchte alle auffordern mal darauf zu achten, wo solche Hofläden oder Hofstände aufgestellt sind….jemand eine Idee? Ja, direkt an der Hauptstrasse. Egal wie frisch die Ware war, als diese dort hin kam, wenn sie raus kommt braucht diese zuerst mal eine gründliche Wäsche! Aber klar – auch Bio findet die meisten Kunden halt entlang der Strassen. So wie mir scheint ist es auch ein Muss, dass man mit dem Auto direkt vor den Hofladen oder -stand fahren kann und dort auch parken. Etwas weiter weg sein Auto abzustellen ist mühsam, da fährt man doch direkt weiter zum nächsten Stand…!

Am Wochenende habe ich einer noch bedenklicheren Situation zugeschaut. Es gibt in unserer Region so ein Erdbeerenland. Auch dieses Feld und der Verkaufsstand waren direkt an einer viel befahrenen Hauptstrasse gelegen und man musste ein Teil des Wieslands im letzten Jahr mit Kies füllen, damit die Autos nicht im Dreck abgesoffen sind. Da die Natur ja vorgibt, dass man nicht jahrelang dasselbe auf demselben Feld anpflanzen kann oder soll wurde dieses Feld nun ca. 300m von der Strasse weg „verlegt“. Alle Wege die zu diesem Punkt führen sind mit einem Fahrverbot für motorisierte Fahrzeuge belegt. Aber: das interessiert schlicht keinen! Die Wegweiser zum Erdbeerenland scheinen den höheren „Wert“ zu haben als das Fahrverbot. Ein richtiges Autogedränge war am Samstag und am Sonntag – und das mitten im Agrarland und an einer Kreuzung von Strassen auf denen allen das Fahren verboten wäre.

Keine Angst, ich will nicht Polizei spielen, mir ist die Situation eigentlich auch egal. Aber daraus ergibt sich für mich einfach ein absolut unstimmiges Gesamtbild. Bio ja, aber nur, wenn das mit möglichst wenig zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Dass man zuerst noch ein paar Minuten zu Fuss gehen müsste scheint ganz und gar ausgeschlossen. Der „alte“ Parkplatz war auf jeden Fall leer, gestern wie schon am Samstag.