Ich finde youtube ist eine tolle Sache. Man kann sich „informieren“, man kann interessante Dinge finden und verrückte Dinge noch viel mehr. Ich habe schon viel gelacht und gestaunt wenn ich mich so durch youtube durchklicke.

Oft mache ich das um zusätzliche Informationen oder Meinungen zu eigenen Hobbies einzuholen – oft auch einfach nur zur Belustigung. Meine Bedenken dazu möchte ich am Beispiel meines Hobbies „Bike“ aufzeigen. Es gibt eine gefühlte Milliarde an Filmen zum Thema Bike im weiteren Sinne – in der Realität sind es wahrscheinlich sogar mehr!

Als recht unbedenklich erachte ich diejenigen wie zum Beispiel von Danny McAskill welcher auf jedem Gartenzaun mit dem Fahrrad rum fährt oder mal AUF eine Telefonzelle rauf hüpft um danach hinten via eine Parkbank über den Hydranten noch kurz wieder auf der Strasse zu landen. Damit man das kann, braucht man extrem viel Übung und ich denke auch ein gewisses Talent dazu. Während der Zeit des „extrem viel Übens“ haben diese Leute wohl mehr als oft genug gespürt was es heisst, wenn die Übung schief geht. Man kann das auch zum Beispiel bei McAskill in den „making of“ bestaunen. Selbst wenn man es kann ist die Gefahr hoch, sich weh zu tun.

Schon richtig bedenklich sind all diejenigen Videos, auf denn richtig extreme Dinge gezeigt werden. Hier gibt es viele im Bereich Skifahren und Snöben, Biken, „jumpen“ aus allen erdenklichen Situationen und Höhen. In diesem Bereich gibt es wohl zwei grundsätzliche Arten. Die Spinner, die sich des Risikos dessen was sie tun entweder nicht bewusst sind oder es ignorieren und die Profis, welche genau wissen was sie tun und das Risiko einschätzen und oft an entscheidender Stelle minimieren. Was bei beiden Arten bleibt – es sieht alles spielerisch aus, wir meinen, es muss alles für jeden möglich sein! In dem Punkt sind gerade so die halb extremen Videos heikel. Dinge tun, die auf dem Video cool aussehen und auch nicht gefährlich, welche in Realität aber zum Beispiel bei nicht korrekter Ausführung sehr schnell sehr gefährlich werden könnten. Ich bin mir auch sicher, dass von den gezeigten „Extremen“ nicht mehr alle ihre eigenen Videos anschauen können – weil das Risiko dann doch einmal zu hoch war……

In dem Punkt sehe ich auch für mich die Hauptgefahr, die Einschätzung des Risikos und des eigenen Könnens. Man sieht Dinge, die man gerne auch tun möchte, für welche man aber die Fähigkeiten nicht hat. Diese sehen auf dem WEB und im Film aber so einfach aus und gemacht werden sie auch von Laien wie Du und ich – vermeintlich. Aber eben, es sind Laien, welche sich mit den Themen beschäftigen und/oder auf diese Dinge hin trainieren. Wenn ich denke, welch unglaublichen Aufschrei es immer wieder gab wenn die Jackass-Jungs Dinge taten, die man nicht tun sollte. Gefährlich war das, schändlich, verboten hätte es werden sollen. youtube gibt’s alles ohne echte Zensur (ausser da wäre nackte Haut im Spiel – DAS geht gar nicht). Ich will hier jetzt aber auch youtube nicht zu sehr an den Karren fahren, was dort zu sehen ist erscheint mir doch mehrheitlich ganz „vernünftig“. Wenn halt einer sehen will wie sich drei Kollegen gemeinsam an einem Polterabend übergeben, dann soll er das ruhig anschauen – vielleicht hat es ja präventiven Charakter.

Viele andere Filmportale zeigen dann locker auch mal Autounfälle mit Todesfolge in HD ohne Zensur – oder letztens eine Headline gesehen „dead boy lying dead on the beach after bike accident“ und das erste Bild hat eigentlich gereicht. Selbst wenn es eine gestellte Szene war (und da bin ich mir echt nicht sicher) wäre es absolut daneben.

Fazit: All die Filme die heute hochgeladen werden sind ein Genuss. Viel gibt es zu lachen, lernen, staunen dabei – aber vieles führt uns in falsche Richtungen. Ob dies nun Dinge sind, die wir nicht tun sollten weil und die notwendige Expertise dazu fehlt oder weil das einfach nichts mehr damit zu tun hat, ob da noch ein „Informationsauftrag“ vorliegt ist eigentlich egal. Es lauern da Gefahren für unsere Selbsteinschätzung und für die Wertschätzung gegenüber anderen Menschen. Sicherlich ist dies in den Griff zu bekommen eine der vielleicht nicht einfachsten Aufgaben der nächsten Generation „moderner Mensch“!

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