Eine Einschätzung: massiv, mehr als alles bisher vielleicht!

Lange Zeit war 3D drucken etwas für Freaks mit viel zu viel Geld oder für Institutionen, bei denen trotz der immensen Kosten Geld eingespart werden konnte – Architekten zum Beispiel welche den kompletten Modellbau einsparen konnten. Immer mehr jetzt hört man, dass 3D drucken irgendwie zu etwas normalem wird.

Meine ersten Gedanken waren – na ja, was soll ich damit, wieso soll ich mir Dinge ausdrucken, die ich auf anderem Weg erhalten könnte oder die ich gar nicht brauche. Dieser Gedanke ist ganz und gar falsch gewesen. Natürlich wird die reine Spassdruckerei nicht das grosse Ding bei 3D werden.

Viele Patente zum Thema 3D Druck laufen im Moment aus – das öffnet den Markt und die Konkurrenz! Zuerst mal zu den Kosten – schon heute gehen Bausätze (weil die Technik an sich ja frei verfügbar ist können alle Hardwarehersteller mit gleich langen Spissen kämpfen) für ca. CHF 2’000.– über den Ladentisch. Es gibt keinen dominierenden Hersteller, jeder kann da was zusammen „basteln“. Auch das bisherige Übel bei Druckern – die hohen Kosten für das Verbrauchsmaterial – wird nicht zum Kriterium werden. Alle verwenden dasselbe. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da Spezialisierungen geben wird – aber grundsätzlich können alle mit demselben Material betrieben werden. Das heisst grosse Mengen und das heisst kleiner Preis! Aktuell gibt es bereits 1 kg für CHF 38.– und wir stehen absolut am Anfang. Dadurch werden sogar die bisher in der IT normalen Marktverhältnisse aufgemischt. Bisher hatte der erste Anbieter am Markt auch immer einen Vorteil – jetzt kommen im ersten Anlauf gleich viele und alle sind bereit, einen Preiskrieg einzugehen. An meiner Arbeitsstelle versuchen wir Kurse aufzubauen – und kein Hardwarelieferant wäre aktuell bereit, uns die Geräte zur Verfügung zu stellen. Wieso auch, soll doch ein anderer machen – keiner kann sich einen echten Vorteil verschaffen alleine durch Präsenz im Marketing! Oder weiss jemand der das liest, welche Marke gerade aktuell am meisten 3D Drucker verkauft??‘ Andere Drucker – klar, HP -> ja nach Markt, vielleicht noch Xerox. Die Markführer bei 3D sind je nach Quelle Stratasys für geschäftlich/industrielle Anwendungen und 3D Systems für Heimanwender – neue Player, keiner hat vorher irgend etwas von denen gewusst.

Die Kosten für  Hardware und die Betriebsmittel werden also sinken, für jeden erschwinglich werden irgend wann.Auch die früher bekannte Problematik der benötigten Rechenpower ist kein Thema mehr, mein nächstes Smartphone wird genügend Leistung mitbringen! Aber was nun, ich will mir trotzdem nicht jeden dritten Tag einen neue Vase „drucken“ -> oh, da wären wir wieder mal beim Thema „Blumen mit nach Hause bringen“ – die könnte man vielleicht dann notfalls noch drucken zu Hause ;-)! Sicherlich wird man solche „Spässe“ machen, aber das wird die Welt nicht wirklich verändern.

Aber ja, es wird die Welt nochmals nachhaltig verändern. Ein Beispiel: ein Griff an einer Schublade geht kaputt. Wenn man Glück hat oder bei Ikea gekauft gehe ich in den Laden und kaufe einen neuen Griff – mit etwas Glück sogar denselben – mit etwas Pech muss ich halt alle identischen Griffe ersetzen auch nicht weiter schlimm. Nun habe ich aber einen 3D Drucker – was kann ich tun? Entweder es gibt den Griff als Download, dann kann ich den einfach runter laden und einen neuen drucken, absolut kein Problem! Falls es keinen Download gibt mache ich halt einen 3D Scan (das wird garantiert als Service angeboten werden, aber auch diese Geräte werden erschwinglich werden…) und drucke dann meinen Griff – und schon habe ich einen neuen. Beim nächsten Bruch – einfach den nächsten ausdrucken!

Viele – ja sehr viele Kleinteile werden plötzlich ersetzbar. Die heute vorherrschende Wegwerfmentalität könnte plötzlich wieder etwas verschwinden und ich bin mir sicher dass es Firmen geben wird, welche ein Arsenal von Scans aufbauen werden damit wir verschiedenste Teile dann runter laden können und selbst ersetzen an den Geräten. Sicherlich wird es einen Aufschrei geben bei den Herstellern – Garantieverlust und Patentrechtsverletzung dürfte noch zu den kleineren Problemen gehören.

Was passiert dann mit all den riesigen Produktionsstätten in Fernost welche auf genau solche Wegwerfartikel spezialisiert sind? Zu befürchten sind „optimierte“ Dinge die dahingehend optimiert wurden, dass man keine Teile mehr ersetzen kann.

Ich denke, für uns als Benutzer werden viele Dinge entweder einfacher oder einfach auch wieder machbar. Wie oft schon habe ich Dinge weg geworfen, weil irgend ein kleines Teil aus Plastik nach Jahren den Geist aufgegeben hat und keiner konnte mir das mehr liefern (herstellen war schon gar keine Frage…)!? Das werde ich in Zukunft scannen und drucken können – und dann ist mein Lieblingsteil repariert!

Natürlich wird das nicht mit allem gehen und es wird wahrscheinlich auch nicht immer die Festigkeit und/oder Genauigkeit des originalen Teils erreicht. Aber es kann funktionieren – für fast kein Geld. Wenn es nur halb so lange hält wie das Original – na und, druck ich mir halt nochmals eines. Auch glaube ich kaum dass grosse Bauteile oder Teile, welche heute hoch spezialisierte Materialien benötigen schon bald gedruckt werden. Aber so im Konsumgüterbereich sehe ich da eine Revolution auf uns zukommen.

Ich stelle mir den Souvenirladen im Schwarzwald vor – nur noch Bilder und wenn ich dann irgend so was grausliges will, dann druckt der an der Kasse das zusammen mit dem Kassenzettel. Vielleicht hat mein Handy die Rechnung aber dann auch schon berührungslos bezahlt und sich den „Bauplan“ herunter geladen. Vielleicht kaufe ich ja gar nicht das Teil (oder nur wenn ich will) sondern nur den Plan und drucke das dann selbst bei mir zu Hause – geht schon mal nichts kaputt auf dem Weg. Oder ich erhalte Lizenzen für dreimal nachdrucken oder so, falls das Original einen Schaden erleiden sollte!

Für mich tönt alles noch ein wenig speziell, aber durchaus nicht unvorstellbar! Auf die eine oder andere Sache würde ich mich freuen, andere stossen dann vielleicht eher ab. Grundsätzlich aber fände ich es gut, wenn wir kurzlebige Dinge nicht auch noch rings um die Welt transportieren müssten und wenn wir nicht so kurzlebige Dinge durch das Erstellen von Ersatzteilen zu langlebigen machen könnten.

Auswirkungen dürfte diese Entwicklung auf unterschiedlichste Branchen haben. Einige komplett neue Businessbereiche werden wichtig werden (zum Beispiel der Handel mit druckbaren Bauplänen aller Art) und andere werden an Bedeutung unter Umständen verlieren (zum Beispiel die maschinelle Herstellung von Ramsch). Ich befürchte, dass auch ein Teil des Handwerkes Probleme bekommen könnte – wie mein Beispiel aus dem Schwarzwald – ich drucke mir das Andenken anstatt ich eines kaufe, das aus Holz dort gemacht wurde – kitschig sind ja beide wohl in gleichem Mass ;-)! Ebenso dürften sich Logistiker diese Entwicklung eher kritisch anschauen, transportiert werden die „Güter“ dann ja über das Internet! -> Leider leider muss ich sagen dass ich befürchte, dass wir vom beamen wie auf Raumschiff Enterprise wohl trotzdem noch recht weit entfernt sind 😉

Ich bin echt gespannt, was die Zeit da so bringen wird aber ich glaube, da stehen wir vor etwas ganz Grossem, das wir im Moment noch gar nicht erkennen oder einschätzen können – zumindest ich nicht!

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