Sport macht mir Spass – oft und zum Teil zumindest. Zu einem anderen Teil mache ich Sport, damit Bier, Wein und reichlich Essen nicht noch endgültig eine Kugel machen aus mir. Nicht immer macht mir Sport also Spass, manchmal ist das schlicht nur eine Pflicht die ich erfülle, weil ich die Konsequenzen bei Nichterfüllen nicht (mehr) tragen möchte.

Theoretisch habe ich ein sportliches Ziel, ich möchte wenn möglich mal eine Transalp mit dem Bike machen (einfach von Nord nach Süd über die Alpen über Alpenwege, keine Fahrstrassen). Das heisst dann in jedem Fall mehrere hundert Kilometer in 5-8 Tagen, mehrere tausend Höhenmeter dazu. Da müsste man fit sein.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Entweder ich akzeptiere, dass es dazu viel Training braucht und bin bereit das zu leisten oder aber ich mach mir einen Plan, detailliert, exakt, genau auf das Ziel hinführend. Um das Ziel wirklich und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erreichen, ist vermutlich der Trainingsplan die beste und effizienteste Lösung. Nur will ich das? Will ich wirklich mich auf das Bike klemmen bei 5 Grad im Regen nur weil mein Plan das sagt – oder lasse ich es dann doch bleiben, habe aber ab dem Moment ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Plan nicht erfüllt habe??

Für mich kommt nur in Frage, dass es einen Grundrahmen braucht (wie „wenn Ende Juni nicht 2000km und 20000 Hm auf der Uhr stehen kann ich es vergessen“ oder so) an dem ich mich orientieren kann, aber keine direkten und konkreten Handlungsaufforderungen. Sobald ich mit klaren Trainingsabläufen arbeiten müsste passiert doch folgendes: mein Terminplan wird bestimmt durch die sportlichen Aktivitäten, diese erhalten den grössten Stellenwert. Es braucht viel Zeit – und wenn „viel Zeit“ nach festem Plan benutzt wird regiert dieser Teil mein Leben. Da es noch eine anderen Teil im Leben gibt, welcher meinen Zeitplan definiert (…die Arbeit….) könnte ich einen sportlichen Zeitplan nur noch in die Familienzeit planen – womit ich die Familie was den „Anspruch an meiner Zeit“ angeht unter den Sport stellen würde!

Das ist ja im Prinzip auch gar nicht so schlimm und passiert auch jetzt mal – aber doch nicht aus Prinzip und viele Wochen andauernd! Ich bin auch überzeugt, dass ich nicht lange Spass hätte daran – ich hätte heute schon mit Vereinssport grundsätzlich so meine Probleme (immer DI und DO von 1900 bis 2100 – und wer nachher nicht mit zum Bier kommt ist ein „komischer Kauz“ ;-)). Es nimmt einfach die Flexibilität aus dem Leben ausserhalb des Schlafens und der Arbeit – und ganz ehrlich, ich rede da nur von wenigen Stunden pro Tag im Prinzip.

Somit kommt ein Plan eigentlich nicht in Frage – was in vielen Diskussionen zu diesem Thema zu der Situation führt, dass sich beide Parteien „nicht verstehen“ – die einen nicht, wieso man ein Ziel „gefährden“ kann in dem man einfach im Larifari-Modus trainiert, die anderen wie man es schafft, sein Essen und sein Training nach einem höchst detaillierten Plan ablaufen zu lassen.

Ich selbst würde mich auch zu sehr unter Druck gesetzt fühlen. Ich stelle mir vor, ich kremple mein Leben für mehrere Monate um. Dafür braucht es auch vom Umfeld viel Verständnis und gelegentlich auch Entgegenkommen. Wenn ich mich dann an das Unterfangen vage ist der Druck zu bestehen ins unermessliche gestiegen. Eine Aufgabe kommt gar nicht mehr in Frage, wegen den anderen, welche das Training ermöglicht haben und wegen mir selbst – kann ja nicht sein, dass nach so einer Vorbereitung das Ziel nicht erreicht werden kann.

Zum Beispiel mein Fall – wenn ich super geplant vorbereitet da ankomme und es schneit dann doch beim Start – dann sind die Problem komplett „ungeplant“ – alle meine geplanten Geschwindigkeiten, Essens- und Trinkmuster kann ich vergessen, wird nicht funktionieren.

Auf keinen Fall will ich sagen, dass es falsch ist einen Trainingsplan einzuhalten, ganz im Gegenteil. Nur passt das nicht zu meinem Leben, weil ich mein Leben nicht vom Sport und von der Fitness bestimmen lassen will. Ich trinke ein Bier, wenn ich darauf Lust habe und ich esse ein Corden-Bleu mit Pommes (und mit Gemüse – aber dazu, nicht an Stelle der Pommes ;-)) wann ich will – und das soll auch so bleiben.

Fazit: Ich werde meinem Ziel vielleicht noch jahrelang nachrennen, weil die Situationen einfach passen müssen, dass ich das erreichen kann (Wetter im Frühling zum Beispiel – damit das Training draussen auch früh im Jahr schon starten kann). Wenn ich das Ziel nur mit einem strengen, mein Leben einengenden Plan erreichen kann – dann muss ich das Ziel überdenken, oder halt einfach mal „so stehen lassen“!

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