Ich persönlich habe es gerne, wenn ich Recht habe – was eigentlich heissen müsste, wenn ich recht bekomme. Noch mehr, falls ich sogar recht behalte, erst dann ist die Sache perfekt. Das Menschen recht bekommen wollen, erscheint mir irgendwie normal, haben wir doch alle unsere Meinung und dementsprechend eine Variante von vielleicht vielen, welche uns persönlich richtig erscheint.

Eine Frage, die ich sonst noch bei keinem Artikel hatte – wie schreibt man „recht haben“ überhaupt? Da hat der Duden dann erstaunliche Dinge aufgezeigt. Bis 1996 schrieb man „recht haben“ – von 1996 bis 2004/2006 schrieb man „Recht haben“ und seit der letzten Reform schreibt man wieder „recht haben“ – spannend! Ich habe da sicherlich in dem Artikel das nicht konsequent gemacht, aber da ich ja auch 1996 schon schreiben konnte, sei mir das verziehen :-)!

Gleich zu Beginn möchte ich versuchen damit aufzuräumen, dass das irgendetwas mit rechthaberisch sein zu tun hat. Rechthaberisch ist die negative Ausprägung von Recht bekommen und ist für ein Zusammenleben oder eine Zusammenarbeit nur mühsam. Eigentlich entsteht das dadurch, dass andere Meinungen nicht zugelassen werden und das in der Mehrzahl der Fälle. Es gibt aus diesen Typen von Menschen ganz sicher viele die geniales geleistet haben – aber das Umfeld wird sie eher nicht mögen. Rechthaberischen Menschen, denen der Erfolg nicht Recht gibt, können durchaus auch mal etwas einsam werden – oder zumindest werden die nicht geliebt. Jobs (und eigentlich verhält sich auch dessen Firma bis heute so) wäre da mal ein Beispiel aus der Neuzeit, das mir gerade so einfällt!

Recht haben ist im Prinzip die faktische Komponente in dem Umfeld. 2 + 2 = 4 – wenn ich das behaupte, dann habe ich recht. Der Spielraum ist relativ klein beim recht haben, es braucht klare und deutliche Fakten und dann passt das. Zu Hause in Diskussionen hat meine Frau schon eingeworfen „Du hast ja recht“ bei Diskussionen, bei denen wir uns nicht einig wurden, das schlimmste was passieren kann. Dahinter liegt nämlich nur die Aussage „wir werden uns nicht einig, mach was Du willst, ich mag nicht länger diskutieren“!

Also muss die Schwierigkeit eigentlich im „recht bekommen“ liegen. So lange ich Recht habe, ist das ein Gefühl oder eine Sicherheit, die sich auf mich bezieht. Um Recht zu bekommen, muss ich natürlich eine bis unendlich viele andere davon überzeugen – so ganz für mich alleine Recht zu haben ist jetzt nicht wirklich etwas wert.

Oft ist es nun aber so, dass in Diskussionen mehr als eine Partei der Meinung ist, Recht zu haben. Dabei ist es mir am liebsten, wenn die Parteien mal zu Beginn ihre jeweilige Wahrheit überpointiert darstellen, wenn man also echt schwarz/weiss zu diskutieren beginnt. Aus meiner Sicht bleibt so am meisten Platz dazwischen, welcher für gemeinsame Meinungen oder Lösungen zur Verfügung steht. Das Potential für endlose Diskussionen ist aber auch am längsten – ebenso ist das Konfliktpotential sehr hoch.

In dieser Phase kommt nun das Recht geben zum Zug. Eine Partei kann nur Recht erhalten, wenn ihr von einer anderen Partei Recht gegeben wird. Wenn ich also ein Mensch bin, der gerne Recht erhält ist die wichtigste Eigenschaft die Möglichkeit anderen Recht zu geben! Recht geben ist absolut, kompromisslos! Sehr oft habe ich schon erlebt, dass es nach Diskussionen zu etwa folgender Aussage kommt: „Deine Idee ist gut, wir versuchen das doch mal, wenn es nicht klappt können wir immer noch auf meine Variante ausweichen“! Das ist der klassische Fall von Recht behalten der anderen Partei und hat weder mit Recht geben noch mit Vertrauen zu tun. Unterschwellig ist schon klar, dass man der Meinung nicht traut und dieses aber nicht so direkt kundtun möchte. Aber man weiss ja, wie es richtig wäre, man lässt den anderen jetzt mal drein laufen und dann kann man die eigene Lösung wieder einsetzen.

Da gibt es aber ein kleines Dilemma – vielleicht denkt man ja wirklich so, hat aber nicht genügend gute Argumente um das Gegenüber zu überzeugen von der Version. Im Prinzip ist das „wir versuchen das eine, danach das andere“ in dem Fall sogar die bessere Lösung als ein fauler Kompromiss. Was mich stört daran ist die Tatsache, dass dabei eine Partei „auf dem Papier“ Recht erhält, aber die andere eben Recht behält. Das einzige was anders sein müsste aus meiner Sicht wäre, dass man die eine Variante versucht und die Lösung bewertet. Sollten die Resultate unbefriedigend sein, gehen alle Parteien gehen nochmals über die Bücher und prüfen, ob ihre Lösung die Probleme die mit der ersten entstanden sind lösen könnten – UND, und das wird meines Erachtens oft vergessen, ob das was gut gelaufen ist genauso gut laufen kann!

Im privaten Umfeld sehe ich das etwas anders, dort ist sicherlich mehr der Kompromiss gefragt als das Verfolgen einer Lösung um des Rechtes Willen.  Für mich stellt sich dieses Problem oft in Fragen rund um die IT (Apple ist besser, Apple ist sicherer als Microsoft, OpenOffice ist besser als MS Office usw…) im privaten Bereich. Früher war ich auf dem Trip, dass ich auf Grund meines Wissens aufzuklären habe. Ich habe nämlich – und dies oft unbestritten – in Diskussionen zum Beispiel über die Sicherheit von Betriebssystemen gegenüber nicht-IT Gesprächspartner sehr oft recht, ich weiss es einfach im Detail. Aber was nützen unverständliche Details gegenüber einer plakativen Meinung, die auch von der Boulevardpresse noch geschürt wird? Nichts, in der Zwischenzeit trete ich auf solche Diskussionen eigentlich nicht mehr ein, ausser ich werde nach einer Meinung gefragt. Dann ist das aber auch eher ein „Roman“ – ob mir die Gesprächspartner am Ende Recht geben oder nicht ist eigentlich egal.

Fazit: Recht bekommt man nur, wenn man anderen auch eingesteht Recht zu haben. Es ist das klassische geben und nehmen. Dass man recht haben möchte, ist von mir aus gesehen absolut normal – oder wer von den Lesern sagt ganz ehrlich und aus innerster Überzeugung „ist mir doch egal, wer Recht bekommt“? Manchmal ja, aber wenn man von der eigenen Meinung überzeugt ist? Oder schlimmer, wenn man WEISS, dass die eigene Meinung STIMMT? Eine schwierige Sache das mit dem Recht haben – geht wohl in den Bereich der Liebe, auch komplex, nicht eindeutig, schön und furchtbar zugleich!

 

 

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