In einer Diskussion unter anderem zum Thema wie wichtig das Lachen sein kann wurde ich mit der Aussage konfrontiert, dass wir nicht mehr staunen oder staunen können. Während dieser Diskussion war mir jetzt nicht so klar, was ich mit der Aussage anfangen kann oder will, irgendwie hatte ich mir das so auch noch absolut nie überlegt.

Staunen, erstaunt sein über etwas – ein schönes Gefühl, für mich auch ein absolut positives Gefühl. Das war mal das erste, was ich mir eingestehen musste, staunen ist wertfrei – kann sowohl positiv wie auch negativ sein. Es passiert wenn ich in Kenntnis gerate von etwas, was ich auf diese Art und Weise oder in diesem Umfang nicht erwartet hätte. Ich habe das Staunen immer mit „WOW“ verbunden, mit etwas, was toll, lässig, freudig ist – aber das ist falsch. Ich staune auch über unerwartet schlechte Nachrichten, über Boshaftigkeit, über fehlenden Anstand.

Somit ist für mich schon mal klar, im Bereich der Definition hat staunen mit der Grundeinstellung des Menschen zu tun. Ich selbst verbinde zwar staunen mit dem positiven „WOW“  – staune selbst aber häufiger bei unfassbaren negativen Dingen. Vielleicht zu einfach, aber positiv denkende Menschen akzeptieren vielleicht mehr positive Dinge als normal und können das Gegenteil schwerer akzeptieren!

Weiter aber blieb die Frage für mich offen, staunen wir heute weniger als früher, oder mehr, oder gar nicht mehr? Ich würde sagen, ich staune viel weniger über Dinge als früher – und woran liegt denn das? Das hat natürlich mit Entwicklung zu tun – als Kind sieht man sehr viele Dinge zum ersten Mal – auch eine wichtige Komponente des Staunens. Bei diesen Dingen staunt man dann – beim zweiten Mal vielleicht noch ein bisschen, irgend wann gar nicht mehr. Somit nimmt das Staunen so oder so automatisch mit jeder Situation die man älter wird ab. Dies ergibt eine Art „Abstumpfung“, auch wenn es noch so erstaunlich wäre, wenn ich etwas schon kenne bleibt das Staunen aus.

Dazu kommt, dass wir heute mit einer Unmenge von Informationen gefüttert werden, darunter auch Erstaunliches. Dies nehmen wir meisten über irgend welche Medien auf. Treffen wir dann in der Realität auf solch erstaunliche Dinge, kenne wir diese oft schon zu gut, um darüber noch richtig staunen zu können.

Fazit: Staunen ist eine sehr starke Emotion, die an spezielle Situationen gebunden ist. Durch mediale Überdosen erstaunt uns heute eigentlich fast nichts mehr – alles ist möglich! Allein älter und „erfahrener“ werden lässt die Momente des Erstaunens seltener werden. Eigentlich schade, eine solche starke, nicht steuerbare Emotion zu verlieren. Für mich ist aber auch klar, dass es durchaus steuerbar sein könnte, unvorhersehbare Aktionen könnten zum Beispiel auch in Beziehungen zu Erstaunlichem führen – wobei auch gerade da natürlich der Blumenstrauss jede Woche kein Staunen mehr verursacht (deshalb Vorsicht, nichts übertreiben ;-)). Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, „erstaunlicher“ zu agieren nach der „Beschäftigung“ mit dem Thema, ich glaube, das wäre für alle Seiten interessant.

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