Ich war ein grosser Fan des Formel 1 Zirkus in der Vergangenheit. Einige Male bin ich auch live an die Rennen – vor allem an das in Monaco – gereist. Es war aber wirklich vor ein paar Jahren (gut, sind so 20 Jahre in der Zwischenzeit) an den Rennstrecken und auch am Fernseher einfach anders. Aber woran lag das eigentlich, die „Sportgeräte“ (also die Autos) sind ja besser und schneller denn je und somit müssen auch die Piloten mehr leisten. Körperlich werden die Anforderungen an einen Formel 1 Fahrer wohl von den meisten von uns unterschätzt, es braucht da echte Sportler in den Cockpits.

Ein Grund ist die Vermarktung. Wo früher noch Ferrari-Fahrer (also Leute, die sich einen Ferrari für die Strasse leisten konnten) mit Ferrari Lederjacken an der Strecke standen – da stand dann „plötzlich“ ein Volk mit roten DEKRA – Kappen und Bierbüchsen. Ringsum ist alles wahnsinnig gewachsen, heute an eine Rennstrecke zu kommen ist wirklich ein Ereignis. Aus der Formel 1, dem Rennsport betrieben durch eine verrückte Elite ist ein Medienereignis und Marketingspektakel geworden. Das ist kein Vorwurf, das hätte ich genau so aufgezogen, wenn ich in den Positionen gewesen wäre.

Was mich tatsächlich stört ist die Tatsache, dass die Piloten immer mehr zu Maschinen gemacht werden. Da gab es noch mehr verrückte Kerle und die haben auch wirklich ihr Leben riskiert. Auch heute noch ist der Sport gefährlich – aber es wurde so viel gemacht, dass schon alleine aus Sicht der Technik alles viel sicherer wurde. Das ist auch OK so – aber wieso müssen jetzt noch alle Piloten immer und überall „aufpassen“ und nur 100% sichere Manöver fahren? Wer zweimal wegen einer etwas zu „sportlichen“ Idee crasht wird zur untragbaren Gefahr für die anderen. Aber es ist nicht die Gefahr, es ist das Geld, das verloren geht – Sponsoren wollen ihr Logo während des ganzen Rennens sehen und das Geld welches durch Punkte vergeben wird von der Organisation ist für die meisten Rennställe von entscheidender Bedeutung. Ebenso wird der Pilot bei all seinen Aktionen zu 100% überwacht und er muss eigentlich versuchen so zu fahren wie die Computersimulation aufgezeigt hat  die schnellste Runde zu fahren sei. Andere Fahrweise ist natürlich erlaubt, falls man beweisen kann, dass man damit schneller unterwegs ist.

Es gibt sie natürlich noch, die speziellen Kerle – und genau die sind es, die mir auch gefallen. Vielleicht ist es kein Grosjean – da war jetzt manchmal doch ZU viel Optimismus in den Manövern – aber ganz sicher ist es Kimi, Hamilton und Alonso, wen auch auf sehr verschiedene Art und Weise. Montoya hat mir auch immer gefallen, Top oder Flop – veröffentliche Telemetriedaten bei einem Crash in Monza haben bewiesen dass er von der Strecke abkam und voll am Gas blieb bis zum Aufprall an der Wand. Auch wenn er vom Gas weg wäre, wäre er in der Wand gelandet (Dreher) – aber der Rennfahrer entschied „Vollgas, wenn es reichen sollte dann wenigstens schnell“. Eigen heisst halt immer, dass nicht alle Leute das toll finden und auch in der Formel 1 muss man wohl immer mehr geliebt werden. Sätze wie „ich weiss schon, was ich zu tun habe, lasst mich doch machen statt ständig im Funk zu sprechen“ kann sich nur noch Kimi leisten  – weil er schon immer so war und erfolgreich dabei, ich glaube nicht, dass er heute noch eine Chance hätte mit seiner Art ein Cockpit zu kriegen.

Wie ist das nun mit dem „besten Rennfahrer aller Zeiten“. Ich war nie so richtig der Freund von Schumi, obwohl sich das nicht wirklich erklären lässt. Vielleicht war es tatsächlich die „Verdeutschung“ der Rennstrecken und dem Umfeld. Parties, Bier, laute Feste – aber da kann er ja eigentlich nichts dafür. Ein Verrückter, welcher die Möglichkeiten, welche Ferrari bot ideal ausgenutzt hat (viele Tests, absolutes Einstehen zu einem Nummer 1 Fahrer) und ganz sicher am Lenkrad mit zu den besten gehört hat. Also mir hat er einfach nicht gefallen – aber das ist wirklich eine persönliche Sache, die Leistungen waren beeindruckend.

Unseren Schweizer Rennstall gibt es auch noch. Eine kleine Firma, welche sich ganz passabel schlägt – aber natürlich brutal eng dran sein dürfte was das Geld angeht! Unkenrufe dass sich Rolex und UBS bei der Formel 1 Organisation beteiligen und nicht bei sauber verstehe ich zwar aus dem Blickwinkel des Nationalstolzes – aber die Firmen schauen auf die Reichweite der Massnahme – und Hand aufs Herz, keinen Engländer, Deutschen oder sonst irgendwie nicht Schweizer ist interessiert am Sauber Rennstall – ein „midfield runner“ seit Jahren mit Siegambitionen während der BMW-Phase. Für mich scheint klar, dass Sauber nicht überleben wird in der Formel 1 sollten die grossen Teams tatsächlich durch kriegen, dass die Kosten nicht begrenzt werden.

Durch diesen Gelddruck entsteht eine Zweiklassengesellschaft – und durch Paydriver wird diese noch verstärkt.

Bei schlechtem Wetter werde ich weiterhin vielleicht die Rennen schauen (oder gerade die jetzt Übersee, welche man am Morgen mit einem Kaffee im Bett schauen kann sind interessant ;-)) – aber die frühere Faszination ist weg. Ich frage mich, ob dies auch einfach eine Abnutzungserscheinung ist, schliesslich sind auch vor 20 Jahren schon Autos im Kreis rum gefahren……

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