Mit dem gestrigen Blog zur Diskussion darüber, ob man in dem Betrieb, in dem man arbeitet sich „seinen“ Platz suchen muss habe ich neue  Erfahrungen gemach was das Schreiben eines Blogs angeht. Dass dieser Eintrag zum meist gelesenen Blog meiner bisher 40 Einträge wurde, war ein wenig überraschend, allerdings ist der Montag zumindest für meinen Blog so oder so immer ein guter Tag.

Weit grösser war die Überraschung eines Jobangebotes einer Stellenvermittlung. Nachgefragt wurde mir mitgeteilt, dass man über XING den Artikel gefunden habe und danach an meinen Daten interessiert war. Da steht aber praktisch nichts drauf über mich auf dem Blog – ob das nun seriös war von einer Stellenvermittlung? Natürlich wäre das ein Erstkontakt und vielleicht ergibt sich mit dem XING-Profil und dem Blog tatsächlich ein relativ vernünftiges Bild von mir – auf jeden Fall steht dort sicher nichts was nur geblufft wäre.

Die grösste Überraschung war allerdings die Frage meiner Chefin an einer gemeinsamen Sitzung, ob ich meinen Platz suchen müsste und ob ich mich noch wohl fühle bei der Arbeit. Eine Überraschung war dies in zweierlei Hinsicht. Es war mir nicht klar, dass im meinem Betrieb der Blog gelesen wird , was natürlich etwas naiv war, da ich einige meiner Arbeitskollegen auch über XING und Facebook kenne und die somit über jeden Eintrag informiert werden – dass da auch mal einer drauf klickt ist ja eigentlich nur Sinn und Zweck. Noch etwas überraschender war allerdings die Tatsache dass man davon ausgeht, in dem Blog würde ich persönliche Stimmungen oder Gefühle auf dieser Ebene nieder schreiben.

Ich schreibe darüber, wenn mich was ärgert (Velomech, Verkehrspolitik usw.), ich schreibe meine Meinung zu Dingen auf – aber ich glaube ich würde niemals versuchen zum Beispiel Probleme am Arbeitsplatz über einen Blog kund zu tun und dann zu hoffen, dass die „richtigen Personen“ diesen lesen werden. Obwohl sich jetzt gezeigt hat, dass das durchaus eine effiziente Geschichte wäre (hätte ich das gewollt gestern, es wäre ein Erfolg gewesen :-)) werde ich das nie und nimmer tun, auch in Zukunft nicht.

Als recht offenen Menschen würde ich mich darstellen, ich scheue mich nicht, Teile meines Privatlebens „öffentlich“ zu machen – es gibt auch eigentlich keine Geheimnisse in meinem Leben. Keine Geheimnisse ist aber nichts absolutes – es gibt durchaus Situationen, in denen es Geheimnisse auch bei mir gibt. Klar habe ich im Geschäft „Geheimnisse“ aus meinem privaten Leben und umgekehrt – ich würde da schon gar nicht mehr von Geheimnis reden in diesem Fall sondern halt einfach vom Mass der Information Dritter und dieses Mass an Kommunikation variiert natürlich je nach Zielgruppe.

Jetzt gibt es aber online diese etwas neue Herausforderung. Es gibt keine Zielgruppe, ich habe es in keiner Weise in der Hand, wer meinen Blog liest. Selbst bei Facebook habe ich minimale Einflussmöglichkeiten – allerdings können weiter geteilte Links schon auch mal eine Reichweite erlangen, die beeindruckend ist. Aber hier im Blog hat theoretisch mal die ganze Welt die Chance, mit zu lesen. Meine Statistiken zeigen mir natürlich klar auf, dass die Zugriff nur aus Ländern kommen, in denen ich Kollegen oder zumindest Facebook-Freunde habe (ja, in dem Zusammenhang finde ich kommt der „Freund“ erst hinter dem „Kollegen“) – also mitnichten ein Rennen auf die Informationen und ein sehr kleiner Hebel nur.

Trotz dieser Tatsache, habe ich online weitaus am meisten Dinge, die ich der Welt NICHT mitteile. Dinge von denen viele Leute wissen dürfen, aber nur Leute, die ICH selbst ausgewählt habe für die Information. Auch dabei sind nicht gewollte Hebelwirkungen nicht auszuschliessen – einer erzählt die Information noch einem Kollegen welcher sich zu Hause bei der Frau verplappert und so weiter – auch bei mündlicher Gesicht-zu-Gesicht Kommunikation gibt es keine garantierten Vertraulichkeiten. Aber online, nein, da gehört aus meiner Sicht nichts rein, was eigentlich nur einen beschränkten Kreis etwas angeht – wozu ich, um auf den gestrigen Blog zurück zu kommen, meine Situation am Arbeitsplatz durchaus dazu zähle.

Fazit: Offensichtlich wäre es für viele Leser nicht „schockierend“ wenn man heute über einen Blog Probleme aus eher persönlichen Bereichen kommuniziert – sogar als erstes Medium scheint die Online-Welt geeignet. Für mich ist das im Moment nicht vorstellbar, es gibt Grenzen, die ich auf dem Blog oder in den sozialen Medien nicht überschreiten werde. Ich will mich hier weder irgend einer Studie zu dem Thema anschliessen noch eine andere ausgrenzen – ob (ok, da bin ich doch der Meinung ja) dies Auswirkungen auf unser Sozialverhalten hat und wenn ja, welche überlassen wir mal den Experten. Wie so oft dürfte die Zeit der beste Experte sein, reden wir doch in 10 Jahren nochmals darüber.

Für mich bleibt klar – hier werden Dinge mitgeteilt, die für alle Menschen der Erde „gedacht“ sind, nie wird ein Blog erstellt werden der für alle und für einige noch speziell geschrieben wurde. Natürlich kann ich dabei nicht verhindern, dass Aussagen interpretiert werden und ich fand die Reaktionen von gestern eigentlich noch ganz lustig und spannend, zeigten sie doch auf, wie unterschiedlich Worte interpretiert werden können – ein Grund mehr, wichtige Dinge nicht zu schreiben!